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4. Reisetag    13.02.2012 – Nsadzi Island

Auch heute gehen wir den Tag entspannt an und fahren von unserem Campingplatz hinüber auf die Nachbarinsel Ngamba. Es gibt auf der Insel ein großes Schimpansengehege mit zurzeit 44 Tieren. Ihnen allen gemein ist, dass sie beim Ausschmuggeln aus Afrika gefunden worden sind, nein nicht alle einer ist hier auf der Insel geboren worden. Eigentlich bekommen die Schimpansen hier Medikamente, damit es nicht zur Fortpflanzung kommt, aber da hat wohl einer „geschummelt“.  Eigentlich leben Schimpansen in Gruppen von 4 bis etwa 30 Mitgliedern zusammen. Um an die Affenbabys zu kommen, werden die Clans dabei praktisch komplett von den Schmugglern erschossen, da diese sonst von den übrigen Clanmitglieder verteidigt werden würden, und Schimpansen sind durchaus wehrhaft. Die Babys werden dann nach Amerika, Europa oder auch in den Fernen Osten verkauft. Wenn die kleinen Babys beim Schmuggeln ins Ausland entdeckt werden, kommen sie hierher nach Ngamba, und das gilt nicht nur für die Schimpansen, die man versucht aus Uganda illegal zu verkaufen.

Bis 1997 lebten auf Ngamba noch Menschen, die dann aber zwangsweise umgesiedelt worden sind. Die Insel bietet einen Urwald, wie er für die Schimpansen eigentlich ideal ist, das einzige Problem stellt die Ernährung da, es gibt auf der Insel nur relativ wenige Früchte, die die Schimpansen fressen, noch schlechter bestellt ist es mit potentiellen Beutetieren, da Schimpansen auch durchaus auf kleinere Tiere Jagd machen, aber auch Insekten oder Vogelgelege gehören zu ihrer Nahrung. Die fehlende Jagdmöglichkeit, und damit die Chance an Proteine zu gelangen, gleicht man dadurch aus, das die Schimpansen jeweils ein Hühnerei in der Woche bekommen. Die übrige Nahrung besteht aus Früchten, die zur Fütterung über einen hohen doppelten Elektrozaun geworfen werden. Das passiert am frühen Morgen, gegen 11 Uhr am Vormittag und noch ein mal am Nachmittag. Die letzte Ration bekommen die Schimpansen dann in einem Gebäude, in das sie deshalb am Abend zurückkehren. Ansonsten ist die Haltung auf einer Insel ideal, da Schimpansen nicht ins Wasser gehen, benötigt man nur einen relativ kurzen Zaun, um die Stallgebäude und die Gebäude, und eben den Steg, über den auch wir auf die Insel gelangt sind zu sichern. Ansonsten gelten die Schimpansen hier auf Ngamba als relativ aggressiv, was sicherlich auch mit der nicht gewachsenen Familienstruktur zusammen hängt. Der  Clanchef ist Mika, wie auch alle anderen Schimpansen hat er seinen Namen von den Pflegern hier bekommen. Wenn er bestimmte Früchte bei der Fütterung für sich beansprucht, ziehen sich die anderen sofort zurück, ansonsten gilt eher „Wer zuerst kommt, der mahlt zuerst“. In Mikas unmittelbare Nähe trauen sich nur zwei weitere Schimpansen, die so etwas wie seine Soldaten sind. Ich selbst fand den Besuch hier auf Ngamba nicht so sonderlich schön, da es bei der Schimpansenfütterung, zu der wir die Tiere besucht haben, eher eine Art Zoo-Charakter hatte. Wobei es wegen der Aggressivität dieser Gruppe ansonsten aber auch viel zu gefährlich wäre, durch deren Urwaldgehege laufen zu wollen.

Viel mehr Sorge bereitet uns ein ziemlich schweres Gewitter, das auf Ngamba nieder ging, als uns einer der Ranger die Lebensweise der Schimpansen und bestimmte Vorsichtsmaßnahmen erklärte. Denn auch wenn wir unsere Zelte verschlossen hatten, so waren sie doch nur eher leidlich verspannt, und insbesondere bei mir hatte ich noch mein Handtuch zum Trocknen auf dem Zeltdach ausgebreitet. Zum Glück war noch eine andere Gruppe auf dem Campingplatz, die etwas später als wir aufbrechen wollte. Sie haben unsere Zelte zusätzlich gesichert, und auch mein Handtuch lag im Zelt. Es war zwar alles andere als trocken, aber das war es ja heute morgen nach der kalten Campingdusche unter einem Baum ja auch nicht. Und jetzt wo die Sonne wieder scheint, ist das ja schnell erledigt. Zumal ich eines dieser schnell trocknenden dabei habe, und ich hatte ja schon bedenken, das ich das wohl abschreiben hätte können, und im Zelt alles schwimmen würde. So konnten wir über die Mittagszeit im Schatten unter den Bäumen der Muße des Nichtstuns hingeben. Zumal es immer noch gefühlt ziemlich warm ist, jedenfalls wenn man noch vor ein paar Tagen Frosttemperaturen gewohnt war.

Am Nachmittag gehen wir auf das andere Ende der Insel zu einem kleinen Fischerdorf hinüber. Dabei durchqueren wir auch eine kleine Farm, wo uns neben allerlei anderen Früchten Papaya, Ananas und grüne und gelbe Bananen gezeigt werden, wobei die grünen eben nicht noch unreife Bananen sind sondern schlicht eine andere Sorte. Wir kommen aber auch an Kaffee und einer Vielzahl von Pflanzen vorbei, die hier in Uganda früher zur Behandlung von Krankheiten und Wunden benutzt worden sind. Heute setzen die Menschen zunehmend auf den Einsatz von pharmazeutischen Produkten und das Wissen über die natürlichen Ressourcen geht langsam verloren.

Im Fischerdorf selbst besuchen wir zuerst die Schule, auf deren Hof wir sofort von unzähligen Kindern umringt werden. Die Kinder sind sehr darauf erpicht fotografiert zu werden und sich die digitalen Bilder auf dem kleinen Monitor der Kamera anzusehen. Wenn man versucht ein paar Schritte zurück zu gehen um möglichst viele auf’s Bild zu bekommen, rücken sie eher zwei nach. Und von hinten drängen noch immer mehr nach, um auch noch ins Bild zu kommen. Wobei ich ziemlich erstaunt bin, wie viele Kinder hier offensichtlich in diese Schule gehen, zumal das Fischerdorf nur relativ klein ist. Das Dorf selbst wird von den meisten hier nur für wenige Monate genutzt, entsprechend klein und einfach sind die Verhältnisse hier. Es gibt natürlich weder Strom noch eine Wasser- oder gar Abwasserversorgung. Auf einem der Dächer haben wir ein paar kleine (unterschiedliche) Solarzellen gesehen.  Beim Durchqueren des Dorfes hat man fast ein bisschen ein mulmiges Gefühl, nicht weil man eine Gefahr für sich wittern würde, sondern weil man auf dem kaum zwei Meter breiten Weg, praktisch ständig in die Wohn- bzw. Lebensräume der Familien blickt, da alle Türen offen stehen. Man hat das Gefühl in die Privatsphäre der Menschen einzudringen. Verstärkt wird das optisch noch dadurch, das die Häuser oft nur aus einem Raum bestehen und die Traufen der Dächer nicht selten in Kopfhöhe sind, und die Hütten entsprechend klein. Die Dorfbewohner selbst gehen damit ganz offensichtlich deutlich entspannter um, sie nehmen kaum Notiz von uns, obwohl wir mit unserer hellen Hautfarbe und den Kameras natürlich ganz offensichtlich eigentlich nicht hier her gehören. Die Kinder begleiten uns durch den Ort, und kaum hängt die freie Hand herunter, finden sich sofort kleine Hände darin, die mit uns durch das Dorf gehen.

Am Hafen, was eigentlich eher eine kleine Sandbank ist, liegen unzählige kleine Fischerboote. In ihnen fahren immer jeweils zwei Männer auf den riesigen Victoriasee hinaus. Wie sie sich dabei orientieren bleibt mir ein Rätsel, zumal sie praktisch jede Nacht hinaus fahren. Sie fangen dann kleine Silberfische, die kaum mehr als vier Zentimeter kleine Fische liegen hier auch zu Zigtausenden wenn nicht Millionen in der Sonne zum Trocknen. Dazu fahren die Fischer nachts mit einer Lampe hinaus auf den See, und da die Silberfische zum Licht ziehen, können sie relativ leicht mit einem feinmaschigen Netz eingeholt werden. Da die Boote aber praktisch alle nur Ruderboote sind, Diesel dürfte schlicht viel zu teuer sein, ist die Fischerei ein ziemlich harter Job, auch wenn man uns sagte, dass er zumindest das Überleben gut sichert. So dass viele der Männer hier nur während der Saison auf dem See arbeiten und sonst nur ein kleines Stück Land bewirtschaften.

Auf dem Rückweg kommt uns noch eine Dame mit Sonnenschirm entgegen, die hier fast genauso exotisch erscheint wie wir selbst. Die Schwarze ist mit einem rosa farbenden Kleid und passendem schon besagten Sonnenschirm auf dem kleinen Trampelpfad zwischen Feldern mit Kartoffeln und Bananen unterwegs, aber eine Straße oder auch nur ein Fahrzeug gibt es auf der Insel ohnehin nicht, jedenfalls wenn man mal von ein paar Fahrräder absieht, die man auch hier und da am Pfad stehen sieht, wenn der Besitzer auf einem der angrenzenden Feldern arbeitet. Dafür kommen uns noch zwei Männer mit ihrer Kettensäge, Axt und Handgatter entgegen. Sie hatten auf dem Hinweg gerade einen Baum gefällt. Der Stamm ist inzwischen zu Bretten geworden, wo ich mich noch wundere, wie man mit den Hilfsmitteln derart gerade Bretter sägt, die Kanten sind natürlich ungesäumt, aber an der Brettstärke gibt es mit bloßem Auge keinerlei Unterschiede, und das eben nicht nur an jedem Brett für sich, sondern über alle gesehen. Aber dafür haben sie ganz offensichtlich keinerlei Verwendung für die Krone des Baums, aber eine Heizung wird hier ja auch nicht gebraucht, wie ich gerade wieder erlebe, selbst hier im Schatten des Waldes schwitze ich schon bei gemäßigtem Tempo so still vor mich hin.