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9. Reisetag         15.02.2011 – Santiago

Nach einem geruhsamen Start in den Tag geht es in Richtung Isle Negra, was soviel wie schwarze Insel heißt. Dabei ist der Ort gar keine Insel, aber die schwarzen Felsen finden sich immerhin an der Küste. Hier steht das dritte und größte Haus von Pablo Neruda. Er war Dichter aber auch Denker, der sich in die Politik des Landes einmischte. Bis heute spielen er und seine Ansichten für viele Chilenen eine große Rolle. Sein Werk wurde1971 mit einem Literaturnobelpreis gewürdigt. Seine politischen Ansichten waren zwischen sozialistisch und kommunistisch. Gleichzeitig war insbesondere sein Haus hier in Isle Negra nicht unbedingt als ärmlich zu bezeichnen. Ihn faszinierte das Meer, so sind Gallionsfiguren in seinem Wohnzimmer, oder auch eine große Muschelsammlung in einem extra dafür angelegten Raum mit Exponaten aus der ganzen Welt, sein letzter Schreibtisch bestand aus einer Holzplanke, die ihm das Meer „schenkte“. Überall im Haus befindet sich der Bezug zum Meer, jeder Raum hatte ein Fenster zum Meer, selbst sein Bett war so ausgerichtet, das sein Blick aufs Wasser fiel. So ist sein Haus auch eher ein langer Schlauch, immerhin ist es in einer Bauzeit von 30 Jahren entstanden, wobei es während dieser Zeit immer wieder verändert worden ist. Mal wurde hier ein Fenster hinzugefügt, mal dort wieder eins verschlossen. Im Garten befinden sich ein Boot, das nie ins Wasser gekommen ist, er litt sehr unter der Seekrankheit, eine Anker, Schiffsglocken oder auch ein großer Fisch aus Eisen. Er glaubte auch, dass ein Getränk aus buntem Glas besser schmeckte als aus einem klaren Glas. So sammelte er auch Flaschen mit außergewöhnlichen Formen oder Farben. Seine drei Häuser gelten bis heute als Anschauungsobjekte für Innenarchitekten mit seinen Sammlungen von „Schönen Dingen“. Er selbst sagte von sich, er bräuchte zum Leben das Meer, Wein und Frauen. Verheiratet war er dreimal, wobei er zeitweilig auch Beziehungen zu mehreren Frauen gleichzeitig unterhielt. Während er noch mit seiner zweiten Frau verheiratet war, ließ er in Santiago ein Liebesnest in einer ruhigen Seitenstraße für seine dritte Frau Mathilde bauen.

Neruda war nicht eben frei von Widersprüchen, er selbst hatte es zeit Lebens zu einem gewissen Wohlstand gebracht, wurde aber zuvor von der kommunistischen Partei als Präsidentschaftskandidat aufgestellt, worauf er zu Gunsten von Salvatore Allende verzichtete, der dann auch gewählt worden ist. Schon früh trat er in den diplomatischen Dienst ein, dabei konnte er im spanischen Bürgerkrieg nur mit Not vor Franco fliehen. Auf seiner Flucht lernte er Pablo Picasso kennen, mit dem ihn später eine enge Freundschaft verband. Zurück gekehrt nach Chile musste er sein Land zum Ende der 40er Jahren wieder verlassen, er hatte den damaligen Präsidenten aufs schärfste öffentlich kritisiert. Da er zu der Zeit Senator für die kommunistische Partei war, hatte er aber Immunität. Als diese auf Druck des Präsidenten aufgehoben worden war, ging er in den Untergrund und schuf auf der Flucht, mit fast täglich wechselnden Fluchtorten einen großen Teil seines Lebenswerks. Er schrieb auch fast schon einen Hymne auf Stalin. Durch Freunde gelang er später auf seiner Flucht über Buenos Aires nach Europa. Nach der Abwahl des Präsidenten Videla kehrte er wieder von seinem dritten Aufenthalt in Paris nach Chile zurück. Mit zunehmendem Alter verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends, der frisch gewählte Präsident Allende hatte ihn noch überredet als Botschafter in Paris zu arbeiten, von wo er aber schon nach wenigen Wochen zurück kehren musste. Er starb schließlich, zwölf Tage nach dem Putsch Pinochets, am 23.09.1973 an Krebs. Sein Begräbnis wurde zum ersten großen öffentlichen Protest gegen die Militärjunta in Chile, die aber wohl nur wegen des großen Aufgebots ausländischer Kameras möglich war. Es wurde auch die Internationale gesungen. Seine Häuser und die Inneneinrichtungen, soweit sie nicht vorher von Freunden in Sicherheit gebracht werden konnte, wurden von Soldaten zerstört bzw. stark beschädigt, heuchlerisch hatte Pinochet gleichzeitig drei Tage Staatstrauer angeordnet, was auch dazu führte, das sein Leichnam auf der Trauerfeier von Soldaten getragen worden ist. Die Nichte des ermordeten Präsidenten Allendes schuf später einen Roman, in dem sie beschrieb, wie mit Pablo Neruda, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Neftalí Ricardo Reyes Basoalto hieß, die Freiheit Chiles zu Grabe getragen worden ist.

An dieser Stelle muss ich mir mal selbst widersprechen. Vor ein paar Tagen hatte ich berichtet, dass es offensichtlich immer nur ein Postamt in jedem Ort gibt, hier am Haus von Pablo Neruda gibt es wohl die große Ausnahme jeder Regel. Hier steht ein kleines Häuschen mit einer offensichtlich ziemlich gelangweilten Mitarbeiterin der Correos, wie die Post hier heißt. Es dürfte dabei aber wohl eher um den Poststempel gehen. Da wir noch etwas Zeit haben, fahren wir noch an die Küste mit ihren schwarzen Felsen in der Brandung, sie sind ja schließlich die Namensgeber des Ortes. Auch heute ist der Pazifik ziemlich aufgewühlt, und es krachen mächtige Wellen auf die Felsen. Dabei kommt Pazifik eigentlich von dem lateinischen Wort pacificus – friedlich.

Für uns geht es anschließend wieder zurück in Richtung Santiago. Bevor wir dort ankommen, nehmen wir noch die Gelegenheit war, eines der um Santiago gelegenen Weingüter zu besuchen. Das Weingut Undurraga geht auf baskische Einwanderer zurück. Die Spanier waren es auch, die verschiedene Rebsorten mit hier her brachten, da sie Wein für ihre Messen bzw. das Abendmahl brauchten. Später folgten auch Franzosen und Deutsche, die sich hier mit dem Weinanbau  beschäftigten. Im Maipa Tal, In dem wir uns hier befinden, werden praktisch nur Rotweine produziert, da hier die Temperaturen morgens relativ schnell ansteigen und auch den ganzen Tag hoch bleiben. Weißweintrauben lieben es aber mehr, wenn die Temperaturen nicht so schnell ansteigen, was hier in Chile in der Küstenregion der Fall ist. Das Weingut Undurraga produziert sowohl Rot- als auch Weißweine, wobei die Weißweintrauben von näher an der Küste liegenden Ländereien hier her gebracht werden. Nachdem das Holz entfernt und die Trauben vergoren worden sind, landen sie in unzähligen großen Stahltanks. Bei Rotweinen strebt man eine Temperatur von 20 – 25° in den Tanks an, bei Weißweinen sind es 7 – 15°C, dafür bleibt der Weißwein dann länger in den Tanks. Bessere Rotweine werden hier anschließend noch in Holzfässern für weitere 9 – 24 Monate gelagert. Dabei benutzt man Fässer auf Frankreich für eine etwas nussigeren Geschmack, und welche aus amerikanischer Eiche, die für ei n etwas „feineren“ Geschmack sorgen. Auf jeden Fall versucht man mit dem Holzfass den Geschmack positiv zu beeinflussen. Natürlich schließt sich an die Besichtigung des Weingutes eine Weinprobe an, wobei die großzügig eingeschränkten Weine im warmen Sommer Chiles durchaus ihre Wirkung tun. Immerhin sind die Temperaturen als wir gegen 18 Uhr in Santiago eintreffen noch deutlich jenseits der 30°C Marke.