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    Teneriffa

    Blick vom Teide nach Gomera

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    Alakshak

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  • Wolken ziehen über den Kilimanjaro
    Tansania

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  • Spiegelung der im Sonnelicht leuchtenden Berge beim Stuvdalsvatnet
    Norwegen

    Spiegelung der im Sonnelicht leuchtenden Berge beim Stuvdalsvatnet

9.Tag     Twin Lakes – 07.06.2015

Heute verlassen wir den Kluane Nationalpark wieder, und natürlich damit auch den gleichnamigen See, an dem wir die letzten Nächte verbracht haben. Die Zeiten sind human, Abfahrt soll um 8:00 Uhr sein also Frühstück um 7:00 Uhr mit vorherigen Zeltabbau. Fast wie üblich sind wir ein paar Minuten später dran, aber auch nichts Dramatisches. Der erste Halt ist im nahe gelegenen Silver City. Dabei kommt das Silver – Silber - aber nicht vom gleichnamigen Edelmetall sondern von Silberfüchsen. In diesem Gebiet gab es früher sehr viele von ihnen, was zahlreiche Jäger dazu veranlasste sich hier anzusiedeln, um die Tiere wegen der kostbaren Pelze zu schießen. Als die Jagd nicht mehr lukrativ war, verschwand die Ortschaft aus Blockhütten auch genauso schnell wieder von der Landkarte, wie sie zuvor entstanden war. Heute zeugen nur noch ein paar mehr oder wenig völlig verfallene Blockhütten von der früheren Existenz der Ortschaft. Dafür gibt es heute ein kleineres Hotel mit ein paar angegliederten moderneren Blockhütten für den Tourismus. Heute gibt es in diesem Gebiet einigermaßen gute Aussichten Bären zu beobachten, weil es hier viele Beeren gibt, die ihnen als Nahrung dienen. Insbesondere ein paar Schwarzbären werden hier immer wieder gesehen, die aber heute offensichtlich ihren freien Tag haben. Aber auch die Beeren sind natürlich noch lange nicht reif.

Der restliche Vormittag verläuft unspektakulär auf dem Highway in Richtung Whitehorse. In Whitehorse beginnt auch das vermutlich größte und wichtigste Hundeschlittenrennen der Welt, das Yukon Quest. Der Name der Stadt rührt übrigens nicht direkt von weißen Pferden her, sondern von Stromschnellen, die es hier früher vor dem Bau eines Wasserkraftwerkes gab, deren Kämme wie die Mähnen von weißen Pferden aussahen. Wichtig wurde die Stadt in der Zeit des Goldrausches, da hier die Eisenbahnverbindung von Skagway endete. Man schätzt das etwa 100.000 Glücksritter hier vorbeikamen, um zu den Goldfeldern am Klondike zu gelangen. Hier stiegen sie dann von der Eisenbahn auf die Schaufelraddampfer auf dem Yukon um. Mit ihnen wurde auch praktisch das ganze Equipment für die Goldschürfer weiter nach Dawson City transportiert. Einer dieser Dampfer, die Klondike, die aber erst später eingesetzt wurde, wurde hier auch auf Rede gelegt und kann kostenlos besichtigt werden, was wir auch am heutigen Nachmittag machen werden. Der Yukon ist hier ein breiter Fluss, der im Gegensatz zu den bisherigen Flüssen auch sehr viel Wasser führt, und außerhalb der Schneeschmelze nicht nur zu einem kleinen Rinnsal verkommen ist. So ist der Yukon hier ganzjährig schiffbar, was für die Versorgung der Goldfelder natürlich elementar wichtig war. Eine Fahrt flussabwärts dauerte damals mit der S.S. Klondike etwa 1,5 Tage, flussaufwärts brauchte man 4-5 Tage. Sie ist 64 m lang und 12,5 m breit, bei einem Tiefgang von nur 1,50 m. Auf ihr konnten 75 Reisende, man unterschied zwischen erster und zweiter Klasse, und 300 t Fracht transportiert werden. Sie war eher als Fracht- denn als Passagierschiff konzipiert, da der große Goldrausch vorbei war, auf halbem Weg auf dem Rückweg aber in Stewart Landing Silbererz geladen wurde. Eines der Probleme bei der Befahrung des Yukon war, dass die Saison nur maximal von Anfang/Mitte  Mai bis Mitte/Ende September lief, da ansonsten mit Eisbruch zu rechnen war. Und spätestens mit dem Bau des Klondike Highways war die Ära der Schaufelraddampfer auf dem Yukon endgültig vorbei.

Aber ich habe einen Teil des Tages übersprungen, und möchte dieses nun noch nachholen. Whitehorse ist die Provinz-Hauptstadt des Yukon. Im Großraum Whitehorse leben knapp 27.000 der 35.000 Einwohner des gesamten Yukon, insgesamt übrigens eine Fläche von 480.000 km². Und für mich natürlich Gelegenheit an kanadische Dollar zu kommen, nachdem ich mich heute Vormittag schon bei einem Mitreisenden für einen richtig leckeren Apfelkuchen verschuldet hatte. Diesen hatte ich mir in einer Bäckerei in Haines Junction gekauft, welche in einer Nebenstraße lag, aber sehr zu empfehlen ist. Dort schmeckt der Kuchen nicht wie sonst hier üblich einfach nur Süß, sondern in meinem Fall eben nach richtigem Apfel. Ich bin eigentlich kein „Kuchenfan“, und der im Supermarkt übliche in Folie vor Wochen eingepackte Kuchen, bekehrte einen natürlich auch nicht gerade. Außerdem gab es in der Bäckerei etwas, was für uns auf dieser Reise bisher völlig neu war: Mülltrennung. Die Getränkedosen in eine Kiste, und jeweils eine weitere für die recyclbaren  Kaffeebecher und den Restmüll. Mit meinem frischen Geld, bin ich natürlich auch im örtlichen Megastore an der richtigen Adresse, der auch am heutigen Sonntag offen ist. Allgemein wird für die Gruppe für die nächsten Tage eingekauft, da es für uns nun in eine selbst für kanadische Verhältnisse entlegene Gegend gehen wird. Nur alkoholische Getränke und Zigaretten sind im Supermarkt nicht zu haben. Wobei eine Mitreisende Probleme hatte, an Zigaretten zu kommen, da man in dem kleinen am Supermarkt angegliederten Shop nicht wirklich das Angebot sehen konnte, sondern schon sagen musste, was man wollte. Dabei sind die Marken natürlich ein bisschen andere wie bei uns in Europa. Und das zu Preisen, bei denen man froh ist, Nichtraucher zu sein. Ein anderes Thema war die Versorgung mit Bier und Wein. Wir sind schließlich vor einem nicht unbedingt Vertrauen erweckenden Gebäude gelandet, vor dem ein paar „Gestalten“ zu sehen waren, denen man nicht unbedingt sein gesamtes Hab und Gut anvertrauen wollen würde. Das Gebäude sah eher aus wie eine größere fensterlose Lagerhalle. Der Verkaufsbereich war wieder nur wenige Quadratmeter groß und mit Gittern und Panzerglas gesichert. Dort konnte man seine Bestellung aufgeben und bezahlen, woraufhin jemand dann die Ware aus dem Lager im rückwärtigen Raum ran schaffte. Immerhin gab es hier ein Verzeichnis des Warenangebotes.

Nach dem wir uns ausreichend mit allem versorgt haben, was wir in den nächsten Tagen zu brauchen glauben, machen wir am Yukon ein Mittagspicknick, direkt in der Nähe der S.S. Klondike, worin es danach auch zur Besichtigung geht. Während dessen wird das Fahrzeug noch einmal bis zum Rand vollgetankt, da nicht ganz klar ist, ob die Tankstelle an der Abzweigung zum Dempster Highway, den wir dann morgen in Angriff nehmen möchten, geöffnet ist bzw. man dort am Automaten Benzin kaufen können würde. Während wir noch kurz warten, erleben wir unseren ersten richtigen Regenschauer hier in Alaska. Eigentlich hatte ich mit viel mehr Regen gerechnet, und auch heute Nachmittag stört er uns nicht wirklich, da wir von Whitehorse den restlichen Tag Richtung Nordwesten auf dem Klondike Highway unterwegs sein werden. Aber schon wenige Kilometer später scheint auch wieder die Sonne. Am Nachmittag machen wir noch einen weiteren Stopp bei einer Bäckerei. Ein Mitreisender hatte in seinem Reiseführer etwas über Riesen-Zimtschnecken gelesen – natürlich die größten der Welt. Und ich bin geneigt diesen Superlativ zu glauben. Auf einem normalen Kuchenteller sind die nicht unterzubringen, und die Rede ist hier von einer einzigen. Darüber hinaus schmecken sie aber auch noch, auch wenn ich nur ein kleines Stück „gemopst“ habe. Aber man soll es mit dem Kuchen auch nicht gleich übertreiben. Unser Tagesziel ist der Twin Lakes Campground. Auch er ist ein staatlicher Campingplatz, und wie der Name schon sagt, an zwei Seen gelegen. Genau genommen führt sogar der Highway zwischen diesen beiden Seen hindurch. Der links vom Highway gelegenen See begeistert durch ein prächtiges Farbenspiel in der Sonne. Der auf der rechten Seite gelegene ist deutlich größer und wirkt mit ein paar kleinen bewachsenen Inselchen nicht minder malerisch. An diesem ist auch der Campground. Kurz nach dem Abendessen beginnt es noch ein wenig zu tröpfeln, aber das Spülen des Geschirrs kann ja auch noch einen Moment warten. Vielleicht auch ein Wink des Schicksals, sich zunächst einmal das Feierabendbier zu gönnen, und die Kulisse inklusive kleinem Regenbogen zu genießen.