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19.08.05      13. Reisetag – Fraser Lake

Heute hieß es Abschied nehmen von Jasper und den Nationalparks in der Rocky Mountains. Am Morgen beim Einsteigen in den Bus hatten wir 39°, blöd war nur das es in Fahrenheit gemessen worden war. Die offizielle Version wird zwar in Celsius gemessen, aber gerade ältere Kanadier tendieren teilweise noch zu den alten Einheiten. Dabei hat Kanada 1976 die alten Einheiten des britischen Empire abgeschafft und ist zum metrischen System gewechselt, das gilt auch für die Temperaturmessung in Celsius. Immer noch gibt es aber daneben auch die Angabe in Meilen oder Pounds. Bei diesem etwas frischen Klima war unser erster Stop an einem weiteren Gletschersee, aber das erste richtige Ziel war der König in den kanadischen Rocky Mountains – der Mt. Robson. Mit seinen 3965 m ist er der höchste Berg hier in den Rockys. In Kanada gibt es aber in den Nordwest - Territorien Berge mit Höhen um die 6000 m. Der Mt. Robson ist aber gleichwohl einiges bekannter, da seine großen Brüder in einem ziemlich unzugänglichen Nirgendwo im kalten Norden liegen, und praktisch kaum ein Kanadier sie jemals zu Gesicht bekommt. Auch der Mt. Robson liegt etwas versteckt am Highway. Wenn man wie wir aus süd-westlicher Richtung kommt, liegt er quasi plötzlich leicht hinter einem im Blickfeld. Als wir bei ihm eintreffen ist der Gipfel noch mit Wolken verhangen. Nach einer kurzen Wanderung am Fuß des Berges verschwinden die Wolken langsam und der schneebedeckte Gipfel wird von der Sonne perfekt ins Licht gesetzt. Das letzte Bild aus den Nationalparks wird geschossen, aber es fehlt immer noch der ultimative Bär.

Kurz nachdem wir die Nationalparks verlassen, wird auch schon die Holzwirtschaft ein Thema. In den Nationalparks ist der Holzeinschlag verboten, aber sobald man die Parks verlässt trifft man schon bald auf große abgeholzte Flächen. So liefert Kanada etwa 40% des Weltbedarfs an Zellulose. Entweder schon die fertige Zellulose oder das Holz für die Herstellung derselbigen. Noch in den Achtziger des 20. Jahrhunderts hat man jedes Jahr eine Fläche des Bundeslandes Schleswig Holstein im Kahlschlagverfahren abgeholzt. Dabei wurde nur für 4 geschlagene Bäume ein neuer gepflanzt. Selbst Kanada, das noch heute Waldgebiete von der zwölf fachen Fläche der gesamten Bundesrepublik hat, musste erkennen, das es so nicht weiter gehen konnte. Inzwischen gibt es Richtlinien der Regierung in Ottawa, das für jeden geschlagenen Baum zwei neue gepflanzt werden müssen. Doch die genaue Umsetzung obliegt den Provinzen. Dazu muss man wissen, das etwa 90 % des kanadischen Walds im Besitz des Staates Kanada bzw. der jeweiligen Provinzen ist. Sie vergeben Lizenzen an Firmen der Forstwirtschaft zur Abholzung bestimmter Gebiete. Dafür bekommen sie dann für jeden gefällten Baum eine Gebühr. Und gerade in der Provinz British Columbia, in der wir uns hier befinden, ist die Holzwirtschaft neben der Förderung von Erzen der Wirtschaftsfaktor Nr. 1. Vor 20 Jahren hat die Forstwirtschaft noch für 20% der Exporte Kanadas gesorgt. Zu der Zeit war die Holzwirtschaft der größte Arbeitgeber des Landes, man beschäftige 4% aller Arbeitnehmer und erwirtschafte 23% des Bruttosozialprodukts. Beide Zahlen sind heute wesentlich niedriger, aber noch immer ist die Holzwirtschaft ein wichtiger Faktor, insbesondere hier in der waldreichsten Provinz British Columbia, die ansonsten schwach an Industrien ist. Hier noch eine Zahl, die die Dimensionen klar macht: nur für das Drucken der New York Times werden in heute in jedem Jahr 5 Millionen kanadische Bäume zu Zellulose. Neben der Zellulose ist auch die Bauindustrie ein wichtiger Holzabnehmer. In Kanada wohnen etwa 70% in ihren eigenen vier Wänden. Dabei handelt es sich vor allem um Häuser, die in Holzrahmenbauweise erstellt werden. Dazu werden noch OSB-Platten innen und Holzplanken außen für die Wände verbaut. Manchmal verblendet man die Wände inzwischen aber auch. Auf jeden Fall macht es den Hausbau hier in Kanada sehr viel schneller, man kann fest mit einer Bauzeit von nicht mehr als 3 Monaten bis zum Einzug rechnen. Auch die Kosten mit etwa 60000 bis 70000 kan$, also etwa 45000 bis 55000 Euro, incl. einer Grundausstattung wie Küche und schon ein paar technischen Geräten wie Fernseher, sind sehr viel niedriger. Dabei wird allerdings kein Keller gebaut und der Dachboden nicht ausgebaut. Man baut so aber auch nicht für die Ewigkeit oder gar für viele Generationen. Es ist eher die Regel, das man sehr mobil ist und ein Haus auch öfters wegen Umzug wieder verkauft und anderswo ein neues kauft oder baut.

Je weiter wir nach Westen kommen, desto offensichtlicher wird auch die fehlerhafte Forstwirtschaft gerade der Vergangenheit. So sind heute noch viele Kahlschlagstellen deutlich sichtbar. Selbst dort wo aufgeforstet worden ist, ist es eigentlich immer nur mit schnell wachsenden Nadelhölzern wie Fichten und Kiefern bepflanzt worden. Doch diese Monokulturen sind dann natürlich anfällig für Schädlinge mit entsprechenden Auswirkungen. Die Kahlschlag-Abholzung war übrigens einer der Gründe zur Entstehung von Greenpeace. Die Organisation ist im kanadischen Vancouver gegründet worden, sie kämpfte anfangs vor allem gegen die völlige Abholzung der Wälder in Kanada, erst später kamen auch andere Projekte in der ganzen Welt dazu. Viele Kanadier sind aber nicht gut auf Greenpeace zu sprechen, sie sehen durch die Organisation ihre relativ gut bezahlten Jobs in der Holzwirtschaft bedroht. Bis heute kommt es auch immer wieder zu Konflikten zwischen der Holzindustrie und Bürgerinitiativen wegen der Art der Abholzung. Zwischen 1870 und 1990 sind etwa 40 % des kanadischen Waldes abgeholzt worden, ohne das eine nennenswerte Aufforstung statt gefunden hätte. Das ist heute zum Glück anders. Es dürfen nicht mehr riesige Flächen im Kahlschlag buchstäblich völlig platt gemacht werden, die Teilflächen sind auf etwa 4 ha begrenzt. Außerdem müssen 4 – 10 % der Bäume stehen gelassen werden, was meist in Form von kleinen Inseln geschieht. Diese Inseln sollen die natürliche Aufforstung unterstützen. Sicherlich ist diese Art der „sanften“ Holzwirtschaft noch nicht optimal, aber auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.