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5. Reisetag         Cocuy – 05.20.2020

Heute steht ein Akklimatisationstag auf dem Programm. So ist das Frühstück für 7:00 Uhr geplant. Danach geht es zur örtlichen Vertretung der Nationalparkverwaltung. Dort erklärt man uns, dass der Park aktuell nur auf drei Routen begehbar ist. Vor ca. fünf Jahren wurde er komplett für die Öffentlichkeit geschlossen. Wobei es verschiedene Versionen für den Grund dafür gibt. Offiziell geht es auf eine von der örtlichen Kirche initiierten Volksbefragung zurück, bei der eine knappe Mehrheit für die Sperrung gestimmt hat. Als Erklärung diente damals die Aussage, dass die Sierra Nevada del Cocuy, in die auch der Nationalpark fällt, für die örtlichen indigene Bevölkerung heilige Stätte beheimatet. Es gibt auch Aussagen, das der dortige Schnee und das Eis der indigenen Bevölkerung heilig ist, und es deshalb verboten ist diesen zu berühren. Es gibt aber auch Stimmen, dass der wahre Grund der Entzug einer Konzession zu Betreibung des Basecamps war. Diese hatten zuvor zwei Schwestern, die einen großen Einfluss auf die örtliche Kirchenführung hatten. Auch eine Rolle mag gespielt haben, dass die Gegend früher von der Guerilla gerne als Schmuggel- bzw. Rückzugsweg nach Venezuela benutzt worden ist. So hatte auch die Regierung durchaus ein Interesse, dass sich in diesem Gebiet niemand mehr aufhält. Vor der Sperrung kamen zahlreiche Wanderer nach Cocuy, da hier der Ausgangspunkt für eine der beliebtesten mehrtägigen Wanderrouten in Kolumbien war. Es waren vor allem ausländische Touristen, die hier ihre Rundtour um Teile der Sierra Nevada del Cocuy starteten. Diese bildeten für die örtliche Bevölkerung dann auch die Möglichkeit ein bisschen am Tourismus zu verdienen. In der Folge der Schließung des Nationalparks brach diese Einnahmequelle logischerweise weg. Das führte dazu, dass die Bevölkerung des Ortes deutlich zurückging. Nachdem der Park teilweise wiedereröffnet wurde, kamen auch wieder die ersten Touristen, und die Bevölkerung steigt seitdem wieder etwas an. An der Stelle noch ein paar Informationen zur Sierra Nevada del Cocuy. Sie ist das größte Hochgebirge und der Nationalpark logischerweise auch der höchste Kolumbiens. Hier befinden sich alleine 15 Berge mit einer Höhe von mehr als 5000m. Die Sierra Nevada del Cocuy besteht aus zwei nahezu parallel verlaufenden Bergketten. In den Anden bezeichnet man diese Bergketten übrigens als Kordillere, was sich vom spanischen Wort Cordillera, eine Verniedlichung des lateinischen corda für Seil, Strick, Leine ableitet. In Kolumbien gibt es die drei folgenden: Die Westliche Kordillere, die Zentral Kordillere und, man mag es schon ahnen, die Östliche Kordillere, zu dieser gehört auch die Sierra Nevada del Cocuy. Ungeschickterweise gibt es die gleichen Bezeichnungen auch in anderen südamerikanischen Ländern, nur haben die so bezeichneten Gebiete dann leider so gar nichts mit denen in Kolumbien zu tun, sind auch keine Verlängerungen der gleichen Gebirgszüge als Teil der Anden, sondern einfach nur simple Namensüberschneidungen.

Nur wegen der Wiedereröffnung des Nationalparks, inzwischen zumindest auf den drei festgelegten Routen, sind schließlich auch wir hier. Heute möchten wir uns als Vorbereitung auf die beiden folgenden Tage zur Höhenanpassung eine Wanderung zu den Las Lajas unternehmen. Diese liegen noch außerhalb des eigentlichen Nationalparks, und gehören deshalb auch nicht zu den drei offiziell freigegebenen Routen. Dennoch sind wir jetzt in der Nebenstelle der Parkverwaltung in Cocuy, und lassen uns bereits registrieren. Übermorgen werden wir dann eine dieser offiziellen Routen gehen. Für die Registrierung benötigt man einen lokalen Guide und eine Versicherung für den Nationalpark. Dort ist dann auch eine Gebühr für das offizielle Permit zum Betreten des Parks fällig. Darüber hinaus zeigt man uns noch einen kleinen Videoclip, in dem auf die Besonderheiten der Flora und Fauna und deren Schutz im Nationalpark hingewiesen wird. Von hier geht es dann wieder mit unserem Kleinbus zu unserem Startpunkt außerhalb des Ortes und der auch bereits ein gutes Stück höher liegt. Kurz bevor wir den eigentlichen Startpunkt erreichen, sind wir noch auf einem landwirtschaftlichen Gehöft auf einen Tee zu Gast. Die Männer sind bereits auf einem benachbarten Feld und schneiden mit einer Sichel das Korn und bündeln es zu Gaben. Das Gefälle des Feldes macht die harte körperliche Arbeit auch nicht gerade leichter, gleiches gilt natürlich auch für die Kartoffelernte auf dem benachbarten Acker. Dort stehen schon einige Säcke mit einem Teil der Ernte auf dem Feld verteilt. Auch die geschieht hier per Hand. Auf dem Weg hier hoch standen bereits einige Leute mit ihrer Milch am Wegesrand, und warteten auf den Milchwagen. Dabei befand sich die Milch in 20 Liter Kanistern, und nur die wenigsten hatten mehr als zwei davon, viele gar nur einen Kanister. Und bei dem Milchwagen handelt es sich nicht wie bei uns um einen Tanklastzug, sondern um einen Pritschenwagen auf dem verschiedene Kannen und Kanister auf der Ladefläche transportiert werden. Die Bauern hier haben meist auch nur wenige Milchkühe. Darüber hinaus sieht man auch noch einige Bullen auf den Weiden grasen. Doch auch insgesamt scheinen die meisten kaum auf eine zweistellige Anzahl von Tieren zu kommen. Viele der Weiden werden bewässert. Dafür liegen an vielen Stellen über lange Strecken PE-Schläuche, in denen Wasser aus höher gelegenen Bächen abgeleitet wird und über kleine Sprenger auf den Weiden versprüht wird. In den Morgenstunden sieht man deshalb um viele dieser Sprenger auch mit Eis überzogenes Gras. Solange das Wasser fließt bleibt es flüssig. Nachdem es dann aber versprüht worden ist gefriert es auf dem kalten Boden, was dann zu diesem merkwürdig erscheinenden Phänomen führt. Auf dem kleinen Hof, den wir besuchen, gibt es neben den obligatorischen Hunden noch ein paar Schafe. Aber insgesamt ist die Landwirtschaft in diesem Teil Kolumbiens sehr kleinteilig und das Leben der Bauern entsprechend schwierig und reich an Entbehrungen.

Nach einer weiteren kurzen Fahrt wird es dann für uns ernst. Wir starten gegen 10:00 Uhr auf einer Höhe von ca. 3500 m. Mit dabei ist ein örtlicher Führer, der für alle Unternehmungen im und um den Park herum Pflicht ist. Wie schon auf der ersten Wanderung ist er, obwohl selbst bereits 63 Jahre alt, ein bisschen zügig unterwegs, und unsere Gruppe verliert sich schnell ein bisschen. Daher sind immer wieder Pausen nötig, bis auch die Letzten eingetrudelt sind. Kaum ist das der Fall, geht der örtliche Guide aber auch meist sofort weiter, und lässt den Nachzüglern kaum Pausen. Der Weg geht sanft bergauf, der Boden ist sandig und gut zu laufen. Und hier und da geht es über ein paar Stacheldrahtzäune. Ursprünglich begrenzten die Bauern ihre Hofgrenzen mit Steinmauern. Später kamen dann die besagten Stacheldrahtzäune dazu. Wobei viele davon in den höheren Lagen in einem eher schlechten Zustand sind. Erst kurz vor einer kleinen Lagune wird es dann steinig. Kurz nach 12:00 Uhr sind wir dann an der Lagune auf einer Höhe von ca. 3850 m. Dort machen wir dann bei einem ziemlich lebhaften Wind unsere Mittagspause. Anschließend geht es in einer Schleife zurück zu unserem Fahrzeug, dabei verläuft das erste Stück auf einer gefühlten riesigen Felsplatte, um dann für ein kurzes Stück durch eine Fläche mit vielen Frailejon-Pflanzen zu kommen. Diese mündet dann wieder auf den ausgedehnten Weideflächen. Gegen 14:30 Uhr erreichen wir wieder unseren Kleinbus, der am Rande einer Weide geparkt ist, da die Pisten hier meist nur einspurig sind. Dort wartet ein Bauer, und erhält einen kleinen Obolus für die Nutzung seiner Weideflächen. Er fährt dann noch ein kleines Stück mit uns runter in die Nähe seines Hofes. Dazu muss man wissen, dass die örtlichen Bauern mit ihrer kleinteiligen Landwirtschaft und den schwierigen Lebensbedingungen wirtschaftlich kaum über die Runden kommen. Ihr Transportmittel sind Maultiere, mit denen sie ihre nicht für den Eigenverbrauch benötigen Erzeugnisse runter zur Straße bzw. in den nächsten Ort bringen. Auf gleichem Wege, natürlich auch die Dinge des täglichen Lebens zu Ihren Höfen schaffen. Nach etwa 1 Stunde erreichen wir wieder unsere Unterkunft in Cocuy.

Am Abend brechen wir noch mal mit unserem Fahrzeug auf, um ein gutes Stück oberhalb von Cocuy, das in einem Talkessel liegt, die Aussicht beim Sonnenuntergang zu genießen. Aufgrund der Äquatornähe ist der Sonnenuntergang natürlich ein kurzes Vergnügen, die Sicht ist eher dunstig, von daher nicht so wirklich spektakulär, auch wenn die schneebedeckten Berge auf der gegenüberliegenden Talseite natürlich schon ein schöner Anblick sind. Nach dem Sonnenuntergang wird es dann ziemlich schnell ziemlich frisch, wofür ein kleines Lagerfeuer und eine warme Suppe dann natürlich gerade recht kommen. Als wir dann schließlich aufbrechen und wieder zurück zu unserer Herberge fahren, ist das Licht, obwohl es noch nicht mal 20:30 Uhr ist, auf den Höfen an denen wir vorbeikommen, längst erloschen. Dabei haben nahezu alle auch einsam gelegenen Höfe einen Stromanschluss. Dabei ist die Elektrizitätsgesellschaft staatlich, und nur deshalb werden die vielen verstreut liegenden Höfe überhaupt erschlossen, unter rein wirtschaftlichen Aspekten gesehen ginge das für den Betreiber natürlich nicht auf. Das Landschaftsbild leidet natürlich ein bisschen unter den scheinbar kreuz und quer verlaufenden Leitungen. Es sieht eher nicht nach einer geplanten, sondern eher nach einer gewachsenen Leitungsstruktur aus. Aber auch bei der staatlichen Gesellschaft kostet der Strom den einfachen Leuten natürlich Geld. Und so wird das Leben der Bauern offensichtlich eher vom Sonnenlicht bestimmt.