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7. Reisetag         Cocuy – 07.02.2020

Heute haben wir nur einen Programmpunkt, die Wanderung zur Laguna Grande. Und dafür geht es früh raus: Frühstück um 5:00 Uhr. Da wir ohnehin in der Holzhütte wohnen, die Dusche eh nur eiskalt ist und in den Zimmern nur die drei „Bioheizungen“ im Bett liegen, heißt es vor allem möglichst wenig Körperwärme zu verlieren. Draußen ist es noch dunkel und vermutlich um den Gefrierpunkt herum. Also nur schnell Zähneputzen, noch eine schnelle Katzenwäsche – fertig. Dann noch schnell das bisschen Geraffel für die eine Nacht wieder verpacken, und ich bin bereit. Zum Frühstück gibt es heute als ersten Gang wieder eine Kartoffelsuppe mit Fleischeinlage wie gestern Abend. Dazu dann noch Rührei mit einer Art Brötchen. Überhaupt besteht das Frühstück in Kolumbien vor allem aus Kaffee oder Schokolade, Eiern und üblicherweise einigen Früchten. Wurst und Käse sucht man üblicherweise vergebens. Eigentlich hatten wir geplant um ca. 5:40 Uhr loszufahren und dann gegen 6:00 Uhr, praktisch mit dem Sonnenaufgang, die Wanderung zu beginnen. Aber wir kommen schon ein bisschen verspätet los, und auch die Fahrt dauert ein bisschen länger als zuvor lose geplant. So ist es tatsächlich etwa 6:30 Uhr bis wir uns auf der Hazienda Esperanza, dem Startpunkt, in Bewegung setzen. Aber ein enges straffes Zeitkorsett ist ohnehin eher ein deutsches Problem und nicht unbedingt ein kolumbianisches.

Zunächst geht es über ein paar Weiden, und dann schon mit einem leichten Anstieg durch eine Buschlandschaft. Wie meistens bei trockenem Wetter trage ich meine Kamera um den Hals, um sie schnell einsatzbereit zu haben, wenn ein lohnendes Objekt ins Blickfeld kommt, und auch nicht alle Nase lang meinen Rucksack abnehmen zu müssen, um darin herum zu kramen. Heute zahle ich mal wieder einen Preis dafür. Mir fällt der vermutlich nicht ordentlich festgeschraubter UV-Filter vom Objektiv, natürlich direkt an eine kleine feucht etwas matschige Stelle. Dabei fällt der Filter offensichtlich noch gegen einen Stein, was ein kleines „klingendes“ Geräusch gibt. So bemerke ich überhaupt erst den Verlust, und finde den UV-Filter auch gleich wieder. Nur ist der nun natürlich komplett verdreckt, was sich hier an Ort und Stelle auch nicht beheben lässt. Mangels einer anderen Alternative wickle ich den also zunächst in mein Halstuch ein, und deponiere es im Rucksack ein. Ob der UV-Filter noch nutzbar ist oder nicht, muss ich später klären. Es wäre aber schon blöd, mit einem „nackten“ Objektiv herum zu laufen, und dann zu riskieren, dass dieses zerkratzt und damit zu Elektroschrott wird.


Auf unsere Wanderung lassen wir schon bald die Buschlandschaft hinter uns. Dabei kriecht auch langsam die Sonne über die umliegenden Berge. Das schafft nicht nur eine freundlichere Umgebung, sondern lässt auch die etwas frostigen Temperaturen in weitaus angenehmere Bereiche klettern. Nach unserer ersten richtigen Trinkpause liegt eine sich öffnende Ebene vor uns. An deren Ende ist eine kleine Holzbrücke, die den Übergang zu einem scheinbar nicht endenden Aufstieg markiert. Gestartet sind wir bei rund 3600 m, das Ziel liegt auf rund 4550 m. Auch hier ist der Untergrund zunächst bewachsen, wenn auch deutlich niedriger, besteht aus Sand und zuweilen einigen Steinen mit Aussetzung. Unter anderem kommen wir an einem kleinen Wasserlauf vorbei, der die offensichtlich eisenhaltigen Steine, über die er fließt, fast blutrot erscheinen lässt. Dabei ist das Wasser aber natürlich glasklar relativ kalt aber deshalb umso erfrischender. Ich fülle hier meine Trinkreserven wieder auf, da mir längst klar ist, dass meine 2 Liter Wasser hier und heute für mich nicht reichen werden. Je weiter wir nach oben steigen, desto mehr wird der Untergrund zu Stein und Geröll. Dabei schlängelt sich der Weg in unzähligen Serpentinen nach oben. Bevor wir unser Ziel erreichen, kommen wir an einigen weiteren kleinen Lagunen vorbei. Wobei die erste davon auch noch ausgetrocknet ist. Das hebt natürlich nicht gerade die Stimmung. Und auch die ersten kleineren Lagunen an denen wir vorbeikommen, sind kaum größer als eine ausgedehnte Pfütze. Ich denke dabei für mich schon darüber nach, wer diesen „Scheiß“ eigentlich gewollt hat. Zumal ich auch ein bisschen mit der körperlichen Anstrengungen in dieser Höhe kämpfe. Aber gegen 11:15 Uhr ist es dann endlich geschafft. Wir stehen direkt vor der Laguna Grande, und noch dazu wieder bei schönstem Sonnenschein von einem blauen Himmel. Die Gletscher der beiden benachbarten Berge Toti links und Pan de Azucar mit dem scheinbar darauf thronenden Pulpito del Diablo rechts scheinen zum Greifen nah. Wobei auch hier die Klimaerwärmung deutliche Spuren hinterlassen hat. Die Sierra Nevada del Cocuy ist das größte zusammenhängende Gletschergebiet in Kolumbien. Im Jahr 1850 hatte dieses noch eine Fläche von rund 150 km², heute ist davon kaum mehr als ein Zehntel übriggeblieben. Genau genommen lag der Ort, an dem wir stehen, vor noch gar nicht so langer Zeit noch unter dem Gletscher. Ich suche mir ein etwas windgeschütztes Plätzchen, und hole meine Brote aus dem Rucksack. Kaum, dass ich, wenn auch noch ein bisschen lustlos, in das erste Brot hineinbeiße, finden sich auch schon zwei kleine Vögelchen ein. Immerhin befinden wir uns hier auf 4550 m und einer Landschaft mit einem mehr als kargen Bewuchs. So sind sie natürlich daran interessiert die Mahlzeit zu teilen. Ich mache daraus ein Tauschgeschäft, einen Brotkrümel gegen Modell für ein Foto stehen. Nach ca. einer Stunde machen wir uns dann wieder an den Abstieg. Er führt über den gleichen Weg, auf dem wir auch gekommen sind. Nachdem wir über weite Strecken bei dem Aufstieg noch von unserem Reiseleiter geführt worden sind, der lokale Guide war auch hier wieder viel zu schnell für uns, so dass kein vernünftiger Rhythmus entstand, gehen wir beim Abstieg wieder jeder in seinem Tempo. Nach etwa 3 Stunden sind alle wieder wohlbehalten auf der Hazienda Esperanza angekommen. Von hier geht es dann wieder mit unserem Kleinbus zu der schon bekannten Posada in Cocuy, wo wir gegen 17:00 Uhr eintreffen. So bleibt bis zum Abendessen gegen 19:00 Uhr noch mehr als genug Zeit sich der eigenen Körperpflege zu widmen. Immerhin gibt es hier auch wieder eine mehr oder weniger warme Dusche. Dabei läuft das Wasser durch einen kleinen elektrischen Durchlauferhitzer. Das bedeutet dann natürlich, entweder mit einem ordentlichen Strahl duschen, aber dann leider sehr kalt, oder nur spärlich dosiert und dafür warm. Wie man sich denken kann, entscheide ich mich für das wenige Wasser. Anschließend kümmere ich mich noch um meinen verdreckten UV-Filter. Nach einer eingehenden Reinigung stelle ich fest, dass dieser zwar einen kleinen Kratzer aufweist, dieser aber bei einem Probebild auf dem Display der Kamera nicht sichtbar ist. Ich hoffe, dass es am heimischen PC später genauso sein wird, und lasse ich auf dem Objektiv. Lieber eine Pixelverunreinigung als das Objektiv riskieren, zumal der Schaden eher begrenzt zu sein scheint. Und zu Hause kann ich ihn dann gegen einen neuen UV-Filter tauschen.