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9. Reisetag    18.02.2012 – Kisoro

Heute ist wieder einer dieser Tage, die praktisch ohne besondere Ereignisse verlaufen sollten, es gilt einfach nur unsere nächste Station zu erreichen. Oder anders gesagt wollen wir heute von unserem Campingplatz am Lake Mburo nach Kisoro kommen. Das erste Stück geht es auch sehr gut voran. Bei unserem Tankstopp in Mbarara vertreten wir uns nur kurz die Beine. Aber in einem der Läden direkt auf dem Gelände der Tankstelle gibt es ein Geschäft, das ganz offensichtlich eine „ein Produkt“ Strategie fährt, aber davon eben viele. Es geht um Eier, dort standen grob überschlägig gezählt mehr als 700 30er Eierpappen, also über 20000 Stück. Man sieht jetzt zwar unterwegs überall ein paar Hühner auf den Höfen und in den Gärten herum laufen, aber wie man dabei auf so viele Eier kommen kann, erstaunt mich dann doch. Zumal die meisten Eier wohl eher für den Eigenbedarf benötigt werden. Selbst wenn man bedenkt, dass Mbarara zu den größeren Städten gehört, gleichzeitig ist das aber sicherlich auch nicht der einzige Umschlagplatz für Eier hier. Und dann ist da ja auch noch das Problem der Lagerung, noch mal so zur Erinnerung hier sind tagsüber praktisch jeden Tag 30°C drin, und eine zuverlässige Kühlung sucht man auch vergeblich.

Für uns geht es nach dem Tanken weiter auf der Hauptstraße immer weiter in Richtung Südwesten. Nach relativ kurzer Wegstrecke kommen wir in eine Baustelle, einen richtigen Stau gibt es zwar nicht, aber durch die mitten auf der Strecke wendenen schweren LKWs und schweren Baumaschinen verlieren wir doch allerhand Zeit. Bei der Baustelle wird nicht nur die Straße neu angelegt, sondern auch ein Seitenstreifen angelegt. Dazu vielleicht gleich mal ein paar Zahlen, in Uganda gibt es etwa 70000km Überlandstraße (Stand 2003), das hört sich viel an, aber zum Vergleich gibt es in Deutschland rund 230000km, und in Uganda sind davon nur etwa ein Viertel befestigt, der Rest sind Schotterpisten. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass Deutschland etwa die 1,5fache Größe von Uganda hat.

Es ist auch gleich eine gute Gelegenheit über die Verkehrsregeln zu berichten. Verkehrsschilder gibt es nur wenige, hier und da mal ein Tempolimit, aber viel mehr auch nicht. Dafür sehen wir an jedem „Fahrtag“ mehrere Polizeiposten, die scheinbar nach dem Zufallsprinzip immer mal wieder Fahrzeuge raus winken. Was genau sie kontrollieren weiß ich nicht, uns selbst haben sie nur einmal angehalten. Nach einem kurzen Gespräch zwischen Polizisten und unserem Fahrer ging es auch schon weiter, Papiere wurden keine gezeigt. Ob es vielleicht daran lag, dass offensichtlich Touristen im Auto waren oder was auch immer, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall handelte es sich dabei um einen Polizisten in weißer Uniform, und die sind nur für die Verkehrsregelung zuständig. Ansonsten herrscht auf den Straßen die Macht des Stärkeren. LKWs und PKWs respektieren sich noch, die Fahrer der unzähligen Mopeds schlängeln sich so durch, machen im Zweifelsfall aber lieber Platz. Fahrradfahrer sehen meist rechtzeitig zu, dass sie von der Fahrbahn kommen, wenn sich ein motorisiertes Fahrzeug nähert. Neben vielen Straßen sind deshalb auch Pfade von Radfahrern und den unzähligen Fußgängern zu sehen. Fußgänger sieht man praktisch immer am Rand laufen. Und hier und heute sieht man auch viele ihr Fahrrad schieben auf dem oftmals fünf bis sechs komplette Bananenstauden gebunden sind, zusammen kommen die schnell auf 200kg. Entsprechend qäulen sich die Leute auch die alten klapprigen Räder über die unzähligen Hügel zu schieben. In praktisch jedem größerem Ort finden sich dann Sammelstellen, an denen die Bananen auf Kleinlaster gestapelt werden. Was natürlich auch alles in Handarbeit passiert

Aber zurück zu unserem Tag. Eigentlich wollten zur Mittagszeit in Kabale sein, was aber wegen der Baustelle nicht klappt. So legen wir unseren Stopp irgendwo an der Straße ein. Es wird der Küchenwagen aufgeklappt, ein paar  schnelle Stullen und dazu Tomaten, Ananas, Avocados und natürlich Bananen satt. Wobei mir inzwischen die kleinen besser schmecken als die großen. Man sieht auch an vielen der LKWs irgendwo unter der Ladefläche Kochbananen hängen, sie sind an jeder Straße zu haben, billig und nahrhaft, also wie geschaffen für die Fernfahrer, die in ihren Wagen quasi ihr halbes Leben lang unterwegs sind, und Lenk- und Ruhezeiten wie bei uns kennen sie natürlich auch nicht. So scheint es bei ihnen nur zwei Zustände zu geben, entweder schlafen sie, oder sie fahren.

Als wir dann Kabale erreichen, biegen wir von der großen Asphaltstraße ab auf eine Nebenstrecke. Auch hier wird eifrig gebaut. Unsere Fahrer freuen sich ziemlich darüber. Früher brauchten sie für das restliche Stück schon mal sieben oder acht Stunden, heute planen sie eher drei Stunden. Auch wenn wir dort schon bald wieder mitten im Baustellenverkehr stecken. Früher war die Piste nur einspurig, und wenn ein Fahrzeug entgegen kam oder gar liegen geblieben war, musste man nicht selten wieder rückwärts an eine breitere Stelle zurück fahren. Die Gegend weist schon ordentliche Berge auf, und so sind dort gleich neben der Strecke auch immer wieder steile Abhänge, was die Strecke sehr unfallträchtig machte. Inzwischen ist an der ganzen Strecke aber überall ein breiter Streifen frei geräumt worden, das gilt auch für die felsigen Passagen. Eines der Hauptargumente für den Ausbau der Strecke in Richtung Kisoro ist der Biwindi Nationalpark bzw. der Tourismus. Dort gibt es die Berggorilla, die wohl die bekannteste touristische Attraktion Ugandas darstellen. Die Berggorilla, die wir auch noch besuchen wollen, bringen dem Land viele Devisen ein, und ohne sie wäre der Tourismus in Uganda wahrscheinlich kaum der Rede wert, auch wenn insbesondere für Vogelfreunde die Natur hier eine unglaubliche Artenvielfalt bereit hält. Auch hier ein paar Zahlen dazu, mein Permit für Berggorilla wurde vor etwa zwei Jahren vom Reiseveranstalter bestellt und bezahlt. Für meine Reise kostete es rund 500 US$, im benachbarten Ruanda, das neben Uganga die einzigen Berggorilla der Welt beherbergt, werden heute schon 750 US$ gezahlt. Auch hier in Uganda will man den Preis für die Permits erhöhen, weil die Wartezeiten eben lang sind, und es ganz offensichtlich ein großes Interesse daran gibt. Zumal auch die Anzahl der Permits nicht unbeschränkt ausgebaut werden kann, jede Gruppe der Berggorilla darf nur einmal am Tag von einer kleinen Gruppe von Touristen für eine Stunde besucht werden, um die Tiere eben auch möglichst wenig in ihrem normalen Verhalten zu stören, aber dazu in ein paar Tagen mehr, wenn wir dort sind.

Wir kommen gegen 16.30 Uhr bei unserer heutigen Herberge an. Schon bei der Einfahr t in Kisoro kommen wir an einem Flüchtlingscamp des UNHCR vorbei. Die UN hat ja hier in Uganda ihr Headquarter für das südliche  Afrika, und auf diesem Kontinent gibt es für die Vereinten Nationen leider immer mehr als genug zu tun. Und so wurde hier im äußersten Südwesten des Landes eben auch ein Flüchtlingslager eingerichtet. Versorgt und auch hergebracht werden die Flüchtlinge mit dem Flugzeug, dazu nutzt die UN den hiesigen Flughafen mit, über dessen Rollbahn fährt man übrigens auch bei der Einfahrt in den Ort.

Noch während wir beim Abendbrot sitzen, immerhin in den Räumlichkeiten, die zu unserer heutigen Herberge gehören, geht ein schweres Gewitter nieder. Nicht so schön, zumal wir morgen unsere Bergwanderung machen wollen, und die Wege dort ohnehin schon als „sehr schlüpfrig“ beschrieben worden sind. Aber das sind erst die Probleme von morgen.