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13. Reisetag        19.02.2011 – Puerto Varas

Wir verlassen Pucon und fahren entlang des Lago Villarrica in Richtung der gleichnamigen Stadt. Wir nutzen die gerade aufgegangene Sonne um noch ein letztes Bild über den See zum wieder gleichnamigen Vulkan zu machen, auf den wir gestern gestiegen waren. Insgesamt gibt es in Chile etwa 5000 Vulkane, wovon die weit aus meisten aber als inaktiv gilt. Unser erster richtiger Halt soll in Valdivia sein. Die Stadt am Pazifik hält den traurigen Rekord, dass sie direkt vom stärksten jemals gemessenen Erdbeben heim gesucht worden ist. Über das Erdbeben hatte ich ja schon vor einigen Tagen etwas berichtet. Das Aussehen von Valdivia wurde damals radikal verändert. Die Stadt sank zeitweise bis zu 4m ab. Nördlich des 38°30‘ südlicher Breite kam es zu einer Hebung von 1,80m südlich davon zu einer Absenkung von 1,5m. Flüsse überschwemmten riesige Gebiete, eine Insel bei Chiloe stieg dauerhaft 3m empor. Insgesamt gingen dabei 40000 Hektar Land verloren. Seekarten des Gebietes wurden unbrauchbar, Flüsse veränderten ihr Flussbett.  Der Rio San Pedro wurde verschüttet, was zu einem Anstieg des Wasserspiegels im Lago Rinihue von 20m führte. Man senkte den Damm sofort mit schwerem Gerät auf 15m, um ein mehr oder weniger geordnetes Ablaufen der Wassermengen zu gewährleisten. Bei einem Erdbeben um 1575 hat ein ähnlicher Fall mit anschließendem Dammbruch verheerende Auswirkungen gehabt. Bei dem Erdbeben 1960 entwich übrigens das gesamte Wasser aus der Bucht von Valdivia, um etwa eine Stunde mit einer großen Welle zurück zu kommen. Dabei starben unzählige Menschen, die auf dem trockenen Meeresboden Krebse sammelten. Inzwischen stellt man wieder eine langsame Versandung der Feuchtgebiete nördlich von Valdivia statt. Flüsse bewegen sich wieder in Richtung der alten Flussbetten.

Valdiva wird auch die Stadt der Flüsse genannt, hier vereinen sich der Calle-Calle und der Rio Cau-Cau zum Rio Valdivia. Der Name Valdivia stammt übrigens von Pedro Valdivia, Soldat, Konquistador und erster Gouverneur Chiles und auch Gründer von Santiago. Die Stadt ist Hautstadt der Region der Flüsse. Was liegt da näher, als eine kleine Bootsfahrt auf den Flüssen zu machen. Es geht vorbei an Werften, dem Feuchtgebiet nord-östlich der Stadt, und natürlich sehen wir auch Schwarzhals-Schwäne, die hier seit dem Erdbeben zahlreich geworden sind. Die chilenische Marine hat direkt am Markt auch ein ausgedientes U-Boot, das man besichtigen kann. Auf der Flussseite des Marktes liegen zahlreiche riesige Seelöwen und lauern auf den Fischabfall vom Markt. Auf dem Markt selbst gibt es folglich viele Arten von Fisch, Muscheln in unendlichen Variationen aber auch ein großes Angebot an Früchten.

Nach einem kurzen Stopp auf einem Markt für Kunsthandwerk fahren wir weiter in Richtung Küste. Valdivia liegt etwa 15km landeinwärts, unser Ziel ist die alte spanische Festung Fuerte Niebla. Valdivia hatte früher für die Spanier eine herausragende Bedeutung. Sie war nach der Umrundung von Feuerland bzw. der Fahrt durch die Magellan-Straße der erste Hafen mit Süßwasser. Während der Fahrt über den Ozean sammelte sich außerdem  zahlreicher Bewuchs an der Unterseite der Schiffe an, was diese dann zunehmend schwerer machte. Im Süßwasser starb dieser Bewuchs ab und konnte leicht entfernt werden. Und natürlich konnte hier auch der eigene Süßwasservorrat aufgefüllt werden. Dieser ungeheure strategische Vorteil war den Spaniern natürlich klar, so bauten sie in der Zufahrt zum Hafen 17 Forts mit insgesamt über 100 schweren Kanonen. Diese Festungen lagen sich praktisch jeweils gegenüber und erlaubten so, jedes Schiff unter Kreuzfeuer zu nehmen, das versuchte in den Hafen zu gelangen. Aufgrund dieser Übermacht versuchte das aber kein Pirat oder anderes feindliches Schiff jemals. So konnte Spanien die Westküste Südamerikas dadurch sicher Jahrhunderte für sich beanspruchen, ohne dass auch nur eine der Kanonen jemals abgefeuert wurde. Auch dann nicht als im Unabhängigkeitskampf O’Higgens britische Freibeuter mit der Zerstörung der Anlagen beauftragte. In einem dichten Nebel zerstörte Lord Cockrane die erste Festung an der Einfahrt in die Bucht. Sie hatte eigentlich nur die Funktion die anderen Festungen zu informieren, wenn sich ein Schiff näherte. Anschließend ging Cockrane an Land und griff die Festung praktisch von der Schutzlosen Rückseite an. Zahlreiche Festungen fielen ihm so nahezu kampflos zu, da viele spanische Soldaten flohen. Zwei Tage nach dem er für seinen Auftrag bezahlt worden war, kehrte er zurück und raubte die Stadt aus.

Wir fahren zurück in Richtung Valdivia machen aber auf halber Strecke einen Stopp bei Kunstmann. Ein eigentlich deutscher Name mit einem sehr deutschen Produkt: Bier. Die Kunstmann Brauerei , der Gründer war übrigens Schweizer, offeriert acht verschiedene Sorten Bier, die meisten davon sind eher nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Wir probieren uns mit einem kleinen Schlückchen schon mal durch, um dann von einem davon ein „richtiges“ Glas zu bestellen. Dazu gibt es Pommes - Currywurst, wenn schon denn schon. Das Bier war gut, die Pommes auch, die Currywurst war eher eine Bockwurst mit Ketchup und Curry-Gewürz. Da ist noch ordentlich Luft nach oben. Wir hatten aber schon ziemliche Probleme überhaupt rein zu kommen. Wir haben Samstagnachmittag und das auf bayrisch gemachte Lokal ist völlig überfüllt. Die Speisekarte beinhaltet vor allem Speisen, wie man sie auch in Bayern erwarten würde, das ganze Ambiente ist aber ein wenige überzogen. Man muss, wenn sich die Gelegenheit bietet, wohl da gewesen sein, aber das reicht dann auch.

Für uns geht es weiter auf der Panamericana nach Süden. Sie ist hier die wichtigste Straßenverbindung in Chile. Von ihr zweigen immer mal wieder rechts und links größere Straßen ab, die zu den wichtigen Städten des Landes führen. Die Panamericana ist „die“ Autobahn, man sieht am Straßenrand aber auch Tramper stehen oder auch einen Mähdrescher vor sich fahren. Unser heutiges Ziel ist Puerto Varas am drittgrößten See des Landes dem Llanquihue mit dem Osorno im Hintergrund. Auch der Osorno ist „natürlich“ ein Vulkan und präsentiert sich heute wolkenlos, was für ihn eher untypisch ist. Unser Hotel ist hier das El Grecco, eine Mischung aus Herberge und Museum. Insbesondere im Foyer ist eine größere Anzahl von Exponaten aus längst vergangenen Tagen zu sehen. Aber auch die Fassade mit den Holzschindeln ist sehr traditionell für diesen Teil des Landes.