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04.02.2010      5. Reisetag - Gipfeltag am Mt. Meru

Heute beginnt der Tag um 0:45 in der Früh. Jedenfalls brauche ich so lange, bis ich mich überwunden habe endlich aufzustehen. Der Tag beginnt damit in die kalte Nacht hinaus zu stapfen und die Zähne zu putzen. Waschbecken oder dergleichen sucht man hier vergebens. Um 01:00 Uhr bin ich dann auch wieder im gestern aufgestellten Zeitplan, Zeit für das Frühstück. Es gibt warme Getränke und Ingwer Kekse. Meine Kopfschmerzen sind praktisch verschwunden. Dennoch nehme ich eine Kopfschmerztablette. Wer mich kennt, weiß wie ungewöhnlich das eigentlich für mich ist. Aber es warten ja auch besondere Aufgaben. Zur gleichen Zeit wird auch wieder mein Camelbak aufgefüllt.

Nach der kurzen Stärkung machen wir uns abmarschbereit. Insgesamt liegen heute 19km vor uns, dabei geht es 1000 rauf und 2000m wieder runter. So kommt man auf eine geplante Gehzeit von 12-14 Stunden. Auf unserem Weg zum Gipfel des Mt. Meru mit seinen 4562m begleitet uns neben Safiri, dem Guide, auch James, Hilfsguide und Gute Seele des Teams in Personalunion. Die Nacht war kurz, und ich habe nicht wirklich gut geschlafen. Den Tipp nicht soviel darüber nachzudenken, konnte ich leider nicht so wirklich gut umsetzen. Trotzdem fühle ich mich eigentlich gut und bin mehr als bereit jetzt den Gipfel in Angriff zu machen. Ich habe mich heute Morgen für Fleece-Pullover und Fleece Jacke entschieden. Eine wind- und wasserdichte Jacke ist im Rucksack. Dazu auch ein Paar dünne und dicke Handschuhe. Die dünnen Handschuhe ziehe ich auch schon bald an, nachdem wir zunehmend in den Wind geraten. Auf den ersten Meter geht es praktisch auf dem Pfad nur durch die Büsche. Wir bilden mit unseren Stirnlampen eine kleine Lichtkarawane in der sonst totalen Dunkelheit. Ich verfolge eigentlich zur Hauptsache die blauen Gamaschen vor mir. Von unserem Umfeld bekommt man praktisch nichts zu sehen. Am Rhinopoint bei 3801m machen wir unsere erste Rast. Zeit auch mal nach Oben und Unten zu sehen. Durch die inzwischen aufgezogenen Wolken, in denen wir hier unterwegs sind, sehe ich aber keine anderen Lichter am Berg. Kurz hinter dem Rhinopoint kommt man zu einer Felsschräge, wie weit es hier aufwärts oder bei einem Fehltritt abwärts gehen kann, erkenne ich nicht. Aber der Untergrund ist auf jeden Fall steinig geworden. Ich versuche das erste Mal nach dem gestrigen Blick vom Little Meru abzuschätzen, wo wir uns ungefähr befinden könnten. Kann es aber nicht richtig einschätzen, aber das Problem hat sich ohnehin schon bald erledigt, als der Untergrund in einen dunklen etwas schlüpfrigen Untergrund wechselt, wir haben den Lavasand erreicht. Auch hier erkennt man links und rechts eigentlich nichts neben den Weg. Das wir auf Grad unterwegs sind, den wir gestern gesehen haben ist klar, aber wie weit es da abwärts geht, erkennt man nicht. Nach einiger Zeit erkennen wir ein gutes Stück vor uns eine einzelne Lampe. Neben der Gruppe der jungen Bayern geht mit uns zeitgleich noch eine Alleinreisende auf den Mt. Meru hinauf. Als der Lavasand noch einmal etwas dunkler, und leider auch steiler wird, haben wir „das Licht“ auch eingeholt. Meine Vermutung mit der Alleinreisenden und ihrem Guide war richtig. Wegen des wechselnden Untergrundes habe ich auch wieder einen neuen Anhaltspunkt, wo wir uns jetzt befinden sollten. Zumal ja auch gestern der stärkere Anstieg gut zu sehen war. Dieser Lavasand ist noch deutlich feiner, so kommt man etwas schlechter voran, macht man zwei Schritte, rutscht man auch einen halben oder auch ganzen wieder runter. Gefühlt ist das natürlich ein bisschen mühselig und auch anstrengend.

Zu diesem Zeitpunkt fühle ich immer noch gut, was mir weitere Zuversicht für den Rest der Etappe gibt. Dabei gilt meine Aufmerksamkeit neben den Garmaschen meines Vordermanns vor allem meiner eigenen Atmung. Ich versuche ruhig, gleichmäßig und tief einzuatmen. Im Lavafeld gelingt mir das auch ganz gut, schwieriger fällt es mir in den zunehmenden Abschnitten mit den Felsen, die mit zunehmender Höhe immer häufiger werden. Schon bald kommt auch ein Felsgipfel in Sichtweite. Aber der vermeintliche Gipfel erweist sich schon bald als kleiner Nachbar eines viel größeren. Dieser muss es dann aber sein … wir umrunden ihn halb, um dann zu sehen das es dahinter einen noch viel größeren gibt. Der Weg fällt mir zunehmend schwerer, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass man immer wieder das Gefühl hat, es jetzt gleich geschafft zu haben. Und dann geht es eben erst einmal ein kleines Stück bergab und dann noch weiter rauf. Ich merke schon, dass es langsam an die Substanz geht, aber bin immer noch guter Dinge es zu schaffen.

Inzwischen ist es bereits nach fünf Uhr, und wir wollten doch eigentlich bei Sonnenaufgang am Gipfel sein. Aber jeder sichtbaren Spitze folgt eine noch höhere. Je höher wir kommen, desto mehr zerrt es auch an mir, das wir jede Spitze ungefähr erklommen haben, um dann die mühsam erreichen Höhenmeter beim nächsten kleinen Abstieg wieder einfach hergeben zu müssen. Ich merke auch, dass ich mich meiner vernünftigen Leistungsgrenze langsam nähere. Der Weg wird schwieriger und verläuft fast nur noch auf Steinen. Es klappern auch immer öfter welche, weil ich eben nicht hundertprozentig den richtigen Punkt treffe, wenn ich rüber laufe. Und ich muss auch immer das Kippeln der Steine aus dem Fußgelenk ausgleichen. James, der ganz am Ende unserer kleinen Karawane läuft summt schon seit einiger Zeit Lieder. Anfangs hat es mich aufgeregt, dass er noch so viel Luft hat, noch locker vor sich hin zu summen. Man hörte nicht einmal an den etwas schwierigeren Stellen irgendwelche Unterbrechungen. Inzwischen beruhigt es mich aber zunehmend, und ich laufe einfach immer weiter. Und wieder umrunden wir einen Gipfel, aber dieses Mal geht Safiri nicht weiter sondern beginnt weiter hoch zu steigen. Und jaaa, da ist auch die Gipfelfahne oben im ersten Licht des Tages zu sehen. Am Horizont kann man auch schon die ersten roten Vorboten der Sonne sehen. Die letzten vielleicht 20 Höhenmeter sind noch mal steiler und in den Felsen sind auch ein paar größere Stufen zu meistern. Hier nehme ich dann auch meine Hände zur Hilfe, um mich abzustützen. Endlich gegen 6 Uhr sind wir auf dem Gipfel des Mt. Meru. Leider ist der Kilimanjaro wie das meiste des Horizonts wolkenverhangen, so wird es nichts mit dem legendären Sonnenaufgang über dem Kilimanjaro. Aber mir ist plötzlich entsetzlich kalt, dabei haben wir lediglich +2°C. Auf dem ganzen Weg hier rauf war mir warm, das Anziehen der dünnen Handschuhe war der einzige Tribut an die Temperaturen. Ich ziehe meine mitgebrachte Jacke an, aber es hilft kurzfristig nicht wirklich. Trotzdem bin ich “sooooo“ glücklich hier oben stehen und frieren zu dürfen. Erst kurz vor dem Abstieg kommt der Gipfel des Kilimanjaro langsam aus den Wolken. Die Sonne ist zwar schon ein gutes Stück gestiegen, aber trotzdem mache ich ein paar Fotos davon, aber ob die etwas geworden sind, bezweifle ich ja fast. Meine Hände zittern in den dünnen Handschuhen unsäglich, aber mit der dickeren Variante ist Fotografieren völlig ausgeschlossen. Meine Zweifel sollen sich später auch als unbegründet herausstellen, die Fotos sind ganz passabel geworden. Auch wenn ich vermutlich viel mehr auf den Bildern sehe, als eigentlich wirklich drauf ist. Der Kilimanjaro ist nicht viel mehr als ein krakeliger Strich am Horizont, man könnte ihn fast für eine Wolkenformation halten, aber näher komme ich eben mit meinem Objektiv auch nicht dran.

Unser Abstieg bei mehr oder weniger Licht offenbart die Hänge und Abgründe erst richtig. Es gibt jetzt keine tiefen Spalten oder die Gefahr, dass man bei einem Fehltritt ins Bodenlose stürzen würde, auch Höhenangst habe ich nicht. Und doch ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass man das in der Nacht nicht wirklich erkennen kann. Ohnehin ist es schon für mich etwas Besonderes gewesen, in der Dunkelheit zu laufen. Man hat nur eine ziemliche eingeschränkte Vorstellung davon, wo man sich wohl befindet, und doch weiß man, dass es noch ein gutes Stück sein muss. Für mich war die Uhr zum Navigationsmittel geworden. Nach der Uhrzeit habe ich abgelesen, wie weit es noch sein müsste. Und mit dem Timing zum Sonnenaufgang am Gipfel zu sein, hat es ja auch perfekt geklappt. Auch wenn ich unterwegs nicht wirklich wusste, wann genau die Sonne eigentlich aufgehen sollte. Und die vermeintlichen Gipfel unterwegs doch immer die Hoffnung geschürt haben, es jetzt gleich geschafft zu haben.

Auf dem Abstieg bemerke ich eigentlich erst wieder, wie ausgepowert ich eigentlich bin, so esse ich hier erst den ersten meiner mitgebrachten Energieriegel. Eigentlich viel zu spät, aber besser spät als nie. Die Luft ist feucht und immer wieder laufen wir durch um uns herum wabernde Wolken. Die Wolken hatten wir wenn auch weniger auch schon in der letzten Nacht, da hatten sie auch noch den unangenehmen Nebeneffekt in Kombination mit der beschlagenen Brille und der Stirnlampe, das die Sicht nicht immer völlig uneingeschränkt war.

Gegen 9:45 Uhr erreichen wir die Saddle Hut wieder. Nach einer kurzen Erfrischung gehen wir in die Zimmer und legen uns auf die Betten. Keine fünf Minuten später schlafe ich auch schon. Bis 11 Uhr ist eine kleine Erholungsphase geplant. Was soll ich sagen, gegen 10:50 wache ich wieder auf. So gibt es jetzt die erste richtige Mahlzeit des Tages. Nach dem Packen soll es auch wieder los gehen. Wir wollen weitere 1000m absteigen. Genau genommen fängt es pünktlich dazu ein bisschen an zu nieseln. Ich entscheide mich nur für die Regenjacke und der normalen Trekking-Hose. Wird schon nicht so schlimm werden. Wurde es dann aber leider doch, und nach 15 Minuten fing es auch noch an zu hageln. Hagel in Tansania – unglaublich. Den Abstieg nehmen wir jedenfalls mit zügigen Schritten in Angriff und auch Pausen schenken wir uns wegen dem Wetter. Erst kurz vor dem Erreichen der Miriakamba Hut hört es auf zu regnen. Je nach Einsatz von Regenjacke, Regenhose oder Poncho gibt es ein paar nasse Klamotten, die Schuhe hat es natürlich alle erwischt, aber es ist zumindest nicht kalt. Den einzigen wirklichen Schaden bei mir hat mein Toilettenpapier im Rucksack davon getragen. Es ist jetzt eigentlich nur noch ein feuchter Klumpen.

Bei mir selbst stelle ich immer noch leichte Kopfschmerzen fest. An der Höhe kann es nicht mehr liegen, ich vermute eher, dass ich zu wenig getrunken habe. Mit meinem Camelbak, den ich wegen der möglichen Temperaturen am Gipfel unter der Fleecejacke habe, sonst aber immer am Rucksack befestige, kann ich schlicht schlecht abschätzen, wie viel ich schon getrunken habe. Er hat auf jeden Fall den Vorteil immer mal unterwegs auch ein paar Schlucke zu trinken, ohne eine Flasche aus der Seitentasche des Rucksacks raus zu fummeln, oder den Rucksack ganz absetzen zu müssen. Nur man sieht eben auch nicht wie viel raus bzw. noch drin ist. Und ich möchte eben auch nicht riskieren, irgendwann ohne Wasser da zu stehen. Da ist sicherlich noch mal eine Optimierung für die ersten Tage am Kilimanjaro nötig. Wie auch immer, wir haben die Hütte gegen 14.30 Uhr erreicht und haben den restlichen Nachmittag frei. Die Füße sind an den Zehen und an den Hacken angegriffen. Dort haben sich ein paar kleine Krümel vom Lavasand in die Schuhe vorgearbeitet. So gibt es ein paar kleinere „Kerben“ in der Hornhaut, aber die Füße sind weiter blasenfrei, und das ist für die kommenden Aufgaben am Kilimanjaro das Wichtigste.