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1.-3. Reisetag          Paratunka 10.08.– 12.08.2018

Dieses Reisetagebuch beginnt schon mal seltsam, der erste Eintrag beinhaltet gleich drei Reisetage. Es scheint also irgendetwas ein bisschen merkwürdig zu sein. Die Auflösung ist relativ simpel. Ich fahre am 9. August mit dem Zug nach München. Es geht gegen 10:30 Uhr auf dem Heimatbahnhof los, hätte jedenfalls losgehen sollen. Aufgrund von umgestürzten Bäumen insbesondere im Raum Hamburg ist meine Bahn 10 Minuten verspätet. Eigentlich entspricht das genau meiner Umsteigezeit auf dem Hauptbahnhof in Bremen. Es ist aber kein Problem, da auch der Anschlusszug etwas verspätet ist. So geht es wie geplant nonstop in die bayerische Landeshauptstadt. Von dort dann mit der S-Bahn weiter in Richtung Flughafen. An der letzten Haltestelle davor in Hallbergmoos steige ich schließlich aus. Die Haltestelle liegt ein bisschen außerhalb, von hier sind es noch etwa 2 km zu Fuß bis zu meinem Hotel. Im Vorfeld hatte ich gelesen, es gäbe eine Bushaltestelle direkt vor dem Hotel, nur braucht man mehr als 2 Stunden um vom Bahnhof dahin zu gelangen. Und auch am nächsten Morgen wird mir die Haltestelle nichts nutzen, da die Busse hier dann schlichtweg noch nicht fahren. Nach einem schnellen Abendessen gehe ich ziemlich früh ins Bett, so bin ich gegen 21:00 Uhr bereits eingeschlafen.

Am 10. August geht es einigermaßen früh wieder raus, mein Taxi fährt gegen 6:45 Uhr in Richtung Flughafen. Die Alternative wäre gewesen, wieder die Strecke vom Vortag zurück zu laufen, nichts was ich mir am frühen Morgen schon wünsche. Zumal meine Reisetasche zwar wasser- und staubdicht ist, und auch Schultergurte hat, aber den Tragekomfort eines Rucksacks bietet sie bei weitem nicht. So waren die beiden Schultern gestern bereits ein kleines bisschen gerötet. Und schon vor dem Beginn der eigentlichen Reise, auf der wir wieder, wenn auch nur mit einem Tagesrucksack, ein bisschen zu Fuß unterwegs sein werden, sind lädierte Schultern zum Start auch nicht gerade der Hit. Abgesehen davon gibt es in meinem Hotel am Wochenende, heute ist Samstag, Frühstück leider erst ab 7:00 Uhr. Bedeutet für mich, ich hatte noch keins. Ich bin wie vom Reiseveranstalter empfohlen bereits 3 Stunden vor dem Abflug am Flughafen und auch am Schalter der Aeroflot. Blöd nur, dass von der Fluggesellschaft noch niemand da ist. Gegen 7:30 Uhr nimmt man dann dort die Arbeit auf. Ich frage noch nach einem Gangplatz, und wie sich später in der Maschine herausstellen wird, ist es sogar einer am Notausgang, also mit etwas mehr Beinfreiheit, was mir natürlich sehr entgegenkommt. Der Sicherheitscheck am Flughafen geht relativ zügig, und so bin ich bereits eineinhalb Stunden vor dem geplanten Abflug am Gate und gönne mir mein Original „Flughafen Frühstück“ zu einem entsprechenden Preis in einer zu erwartenden Qualität. Aber das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau.

Der Flug selbst startet planmäßig und landet ebenso planmäßig am Flughafen Scheremetjewo in Moskau. Er ist übrigens einer von vier großen internationalen Flughäfen im Umkreis von weniger als 50 km vom Stadtzentrum der russischen Metropole. Hier reisen wir offiziell in Russland ein, und müssen entsprechend an einem ziemlich grimmig dreinschauenden Grenzbeamten vorbei. Er vergleicht fast schon gekünstelt penibel das Passbild mit dem eigenen Antlitz. Hier bekommen wir auch ein kleines weißes Zettelchen ausgehändigt, das dann später bei der Ausreise zum Ende der Reise an gleicher Stelle wieder vorgelegt werden muss. Entgegen der zunächst gemutmaßten Informationen, konnten die meisten von uns das Gepäck direkt bis nach Petropawlowsk durchchecken. So bleibt es auch mir erspart, das Hauptgepäck über gefühlt den gesamten Flughafen zu schleppen. Angekommen sind wir im Terminal D, wo wir mit der Einreise in Russland quasi den Sicherheitsbereich verlassen, und dann rüber zum Terminal B müssen, dazu benutzt man auch die automatisch verkehrende Bahn des Flughafens, um dort wieder durch den Sicherheitsbereich zu gehen. Aus diesem Umstand rührt auch die Vorgabe, mindestens 1,5 Stunden für den Umstieg einzuplanen. Auch ohne das eigenhändige Bewegen des Hauptgepäcks geht auf diese Prozedur, die eigentlich zügig von Statten geht, eine gute Stunde ins Land, bis wir am Gate für den Weiterflug nach Kamtschatka, oder genauer gesagt eben Petropawlowsk, ankommen. Beim Boarding erleben wir eine positive Überraschung, unsere Plätze befinden sich in der Business Class. Auch hier starten wir wieder pünktlich. Während des Fluges sehen wir die Sonne über dem Mündungsbereich des mächtigen Strom Ob unter und auch sofort wieder aufgehen, weshalb es nie wirklich dunkel wird am Horizont.

Insgesamt beträgt die Flugzeit Moskau - Petropawlowsk rund achteinhalb Stunden, und ist damit der vermutlich längste Inlands-Linienflug der Welt. Wir landen sogar ein bisschen zu früh am Flughafen von Petropawlowsk, der sich aber genau genommen im ca. 40 km entfernten Elizovo liegt. Dabei befindet sich das Gepäckband außerhalb des Hauptgebäudes des Flughafens in einer Art Zelt. Wir sind ganz offensichtlich in der Provinz angekommen, von Deutschland aus gesehen am anderen Ende der Nordhalbkugel. Wie machen noch einen kleinen Stopp an einen Supermarkt, wo wir auch gleich die Gelegenheit nutzen, dort ein bisschen Geld aus dem Automaten zu ziehen. Immerhin stehen hier fünf Stück von verschiedenen Anbietern in Reih und Glied. Alle nehmen auch die bei uns üblichen Maestro-Karten an. Mein Automat bietet den Dialog sogar in Englisch an, was die Sache für mich nicht unwesentlich erleichtert, denn die kyrillischen Schriftzeichen sind mir doch sehr fremd. Das gleiche Gefühl beschleicht mich auch auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt. Irgendwie kommen mir die Werbeanzeigen sehr fremd vor, nicht nur dass ich praktisch keinen „Brocken“ russisch kann, durch die mir zusätzlich fremden Buchstaben bin ich zusätzlich verwirrt. Von hier geht es dann direkt nach Paratunka, unserem heutigen Quartier. Dort treffen wir am frühen Nachmittag des 12. August ein. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde machen wir uns noch auf in ein benachbartes Thermalbad. Der Zustand ist sichtlich nicht unbedingt mit westeuropäischen Standards vergleichbar und auch schon ein bisschen vom Zahn der Zeit gezeichnet, es hat zwei Becken von eher überschaubarer Tiefe, mit unterschiedlich warmem Wasser. Wobei das größere noch ein bisschen wärmer ist. Es wird von einer der hiesigen heißen Quellen gespeist, ist aber ansonsten eher wie ein Freibad bei uns. Das warme Wasser tut dem müden Körper sehr gut, verleitet aber auch nach der Rückkehr ins Hotel noch mehr dazu, sich hinzulegen, und einfach nur noch zu schlafen. Denn wie immer konnte ich im Flugzeug mal wieder nicht wirklich schlafen. Das höchste der Gefühle ist immer ein bisschen Dösen. Um dann aber nicht das Abendessen komplett zu verschlafen, und dann dafür irgendwann nach Ortszeit mitten in der Nacht aufzuwachen, beschäftige ich mich ein bisschen mit eigentlich sinnlosem herum geräume. Das Restaurant des Hotels versprüht ein bisschen den Charme einer Bahnhofshalle mit ein bisschen schriller Deko, dafür flimmert ein übergroßer Fernseher aus chinesischer Produktion im Hintergrund lautlos an der Wand. Die russischen Einblendungen bei den Nachrichten, helfen mir natürlich auch nicht wirklich weiter. Und trotzdem fällt der Blick immer wieder auf das Gerät, und wenn es auch noch so sinnlos ist. Nach den Nachrichten kommt dann noch ein alter amerikanischer Filmklassiker, was ich ehrlicherweise jetzt nicht unbedingt erwartet hatte. Aber für mich geht es heute ohnehin wieder früh ins Bett.