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10. Reisetag Hvitarvatin – 19.08.2017

Heute ziehen wir wieder um, aber da wir nicht unsere eigenen Zelte aufgebaut hatten, heißt es also nur packen und die vorhandenen Zelte ausfegen. Frühstück bleibt wie gehabt um 8:00 Uhr. Geplant ist, dass wir gegen 9:30 Uhr abgeholt werden. Tatsächlich kommt der Bus dann aber erst kurz vor 10:00 Uhr, was bei dem einen oder anderen auch schon gleich wieder ein leises Murren auslöst - die Deutschen eben. Das Fahrzeug sieht wieder wie ein normaler Bus aus, dabei haben wir heute einige Kilometer Schotterpisten und vor allem einige Furten vor uns. Aber wichtiger ist eigentlich auch, dass der Fahrer diese kennt und genau anfährt. Die erste Etappe sind dann ca. 25 km Schotter, die mehr oder weniger parallel zum Myrdal, in den auch die Krossar mündet, in Richtung Küste führen. Für die Strecke benötigen wir ca. 1 Stunde, wir sehen hier übrigens auch unsere ersten Kühe auf Island. Dazu muss man vielleicht noch wissen, dass keine Milchprodukte nach Island eingeführt oder gar importiert werden dürfen. Offiziell will man sich damit vor dem Einschleppen von Krankheiten schützen, ein Hintergedanke könnte aber der Schutz der heimischen Landwirtschaft sein, um sie insbesondere vor den sonst vermutlich übermächtigen irischen Milchbauern zu schützen. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Seljalandsfoss Wasserfall. Wie so viele hier an der Südküste von Island hat er eine Höhe im Bereich von 50 bis knapp 70 m. Hier sollen es genau 66 m sein, nun gut. Diese Höhe hat sich zum Ende der letzten Eiszeit auf Island vor etwa 10.000 Jahren ergeben. Damals ist ein dicker Eispanzer von der Insel abgeschmolzen, was dafür gesorgt hat, dass die ganze Südinsel ca. 50 m aus dem Meer aufgestiegen ist. Das Besondere an dem Seljalandsfoss Wasserfall ist, dass man hinter ihm durchgehen kann. So gelingen hier ein paar Bilder durch den Wasserfall auf die umgebende Landschaft. Dazu haben wir auch heute wieder Bilderbuchwetter. Das ist eigentlich schon alleine ungewöhnlich genug, denn von hier sind es nur noch etwa 20 km bis Vik. Der Ort ist für seine Regenwahrscheinlichkeit von deutlich über 200 Tagen im Jahr bekannt – und damit Spitzenreiter auf Island. Ungewöhnlich für Island hat die 326 Seelengemeinde keinen Hafen, dafür soll sie aber einen der weltweit zehn schönsten Strände haben. Er ist allerdings schwarz und das Wasser ist wohlwollend als „belebend“ zu beschreiben, was auch für den Ozean hier zutrifft, auch er ist häufig sehr wild. Heute findet der Marathon in Reykjavík statt, was von den Isländern als großes Volksfest zelebriert wird. Trotzdem sind auch viele Touristen heute hier am Wasserfall, jedenfalls wenn man von unseren bisherigen Campingplätzen ausgeht. Andere meinten, für das Wetter wäre es ziemlich leer.

Wir fahren von hier einige Kilometer auf der N1 in Richtung der Hauptstadt. In einem kleinen Örtchen mit Supermarkt und einem Vinbudi, so heißen die staatlichen Alkoholshops , machen wir einen Stop. Nur in diesen Shops kann man alkoholische Getränke kaufen. Das gilt auch für Bier, die einzige Ausnahme wäre Bier mit einem Alkoholgehalt von maximal 2,5 %, dass man auch im Supermarkt bekommen könnte. Die Preise dafür schwanken innerhalb des Landes aber gewaltig. Hier kostet es den Spottpreis von 200 Kronen, umgerechnet ca. 1,60 € pro Dose. Unsere Köchin, bei der ich noch zwei Dosen Schulden habe, hatte vor ein paar Tagen an einer der Verbindungsstraßen zwischen den Camps welches für 450 Kronen, also etwa 3,60 € erstanden. So zahle ich es mit ein bisschen Zinsen in Naturalien zurück. Später auf der Reise zurück in Reykjavik sehe ich in der Gastronomie aber auch Preis von umgerechnet neun bis elf Euro, dafür dann aber auch im Glas. Außerdem gönne ich mir noch ein landestypisches Eis. Ein riesiges Softeis mit Karamellüberzug. Gut letzterer ist nicht wirklich der Hit, ist mir aber lieber als Schoko. Beides verkompliziert aber das Essen, weil unter dem Überzug immer mal wieder ein paar Tropfen geschmolzenes Eis herauslaufen, die man aber wegen des Überzuges nicht kommen sieht, bis sie auf der Hand oder wenn man wirklich schnell ist, auf der Waffel runter laufen.

Nach der Mittagspause geht es weiter nach Geysir, hier ist auch der Namensgeber des Ortes und des Phänomens, dessen Namen es auch gleich in viele Sprachen dieser Welt geschafft hat. Früher war „der“ Geysir mit großer Regelmäßigkeit aktiv. Durch Veränderungen in der Erdkruste schleudert er aber heute nur noch etwa einmal im Monat seine Wasserfontäne etwa 70 m in die Höhe. Wobei die Aktivitäten des Geysirs im Verlauf der Jahrhunderte ohnehin relativ starken Schwankungen unterlegen sind. Er gilt als der älteste Geysir der Welt. Im Jahre 1845 schätzte man seine Höhe auf bis zu 170 m, die meisten Ausbrüche schafften allerdings auch damals „nur“ um die 60 m. Im Jahre 1915 stellte er dann für einige Jahre die Tätigkeit völlig ein, um 20 Jahre später wieder zu beginnen. Das dauerte allerdings auch wieder nur ein paar Jahren, bis er erneut versiegte. In den siebziger Jahren hat man ihn noch ein paar Mal mit Schmierseife provoziert, was auf den berechtigten Druck der Umweltverbände aber wieder beendet worden ist. Im Jahre 2000 begann er infolge eines Erdbebens wieder. Im Juni erreichte er an zwei Tagen wieder die beachtliche Höhe von über 120 m. In der Folge beschränkte er sich auf sein heutiges Verhalten, von etwa einem Ausbruch pro Monat. Man muss nun aber nicht einen Monat warten, um dort den Ausbruch eines Geysirs sehen zu können. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Strokkur, er schafft auch immerhin einer Höhe von 25-30 m. Und das tut er alle etwa zehn Minuten, heute geht es sogar noch schneller. Sein Ausbruch kündigt sich durch eine Blase an der Oberfläche an. So ist er ein relativ dankbares Fotomotiv. Womit noch zu klären wäre, wie überhaupt ein Geysir entsteht, und was dafür nötig ist. Es braucht Sickerwasser oder noch besser eine wasserführende Schicht, die ein unterirdisches Wasserreservoir speist. Dieses Wasserreservoir wird durch eine unterirdische Wärmequelle wie etwa einer Magmablase in einen überhitzten Zustand gebracht. Das heißt das Wasser ist eigentlich über 100° C heiß und müsste verdampfen, hat aber gleichzeitig keinen Platz sich entsprechend auszudehnen. Nun gibt es einen Kanal an die Erdoberfläche, der auf dem Weg nach oben eine Verengung hat. In diesem Kanal befindet sich eine Wassersäule, deren Temperatur unter 100° ist. Die Säule fungiert praktisch als Deckel für das Wasserreservoir. Da die Temperatur unten im Wasserreservoir immer weiter ansteigt, steigen irgendwann einzelne Bläschen durch die Wassersäule nach oben. Dadurch entsteht ein kleiner Hohlraum in dem Wasserreservoir, was dieses aufgrund der erhöhten Temperatur sofort ausnutzt und sich explosionsartig ausdehnt. In dem Zuge wird die darüberstehende Wassersäule inklusive des unten entstehenden Wasserdampfs und einigen mineralischen Sedimenten durch den Kanal an die Erdoberfläche geschleudert. Nur durch diese Verengung entsteht der zeitliche Verzug. Gebe es sie nicht, würde es sich um eine normale heiße Quelle handeln. An diesem Punkt setzen auch die Veränderungen durch Erdbeben an. Durch die Verschiebungen im Erdmantel werden die Engstellen erst geschaffen, geschlossen oder auch geweitet. Es entstehen die unterschiedlichen Druckphasen, und damit die Höhe des Austritts. Oder im Extremfall eben auch gar keine Tätigkeit mehr an der Erdoberfläche. Die Abfolge ist auch sehr gut beim Strokkur zu erkennen. Man sieht die Blase mit dem eingeschlossenen Wasserdampf sich nach oben wölben, dann das herausschießende Wasser, um dann unmittelbar danach in eine Kuhle zu schauen, in die das Wasser zurückläuft und die neue Wassersäule im Aufstiegskanal bilden wird.

An den Geysiren ist übrigens ordentlich Tourismustrubel, immerhin sind wir jetzt auch am „Golden Circle“. Von Reykjavík werden Bustouren angeboten, die vom Pingvellig bzw. dem Ort des alten Thing, zum Gullfoss und dann zum hiesigen Geysir und wieder zurück nach Reykjavik führen. Der Gullfoss ist auch unser nächstes Ziel. Bei ihm handelt es sich um einen Wasserfall am Hvita Fluss, der nur wenige Kilometer entfernt liegt. Er besteht aus zwei Stufen mit einer Höhe von 11 bzw. 21 m, letzterer stürzt in eine kleine Schlucht, die im Verlauf ihrer Länge von 2,5 Kilometer eine Tiefe von bis zu 70 m erreicht. Der Gullfoss gehört bezüglich der Wassermenge zu den größten Wasserfällen des Landes. Durchschnittlich fließen hier 109 m³ Wasser in der Sekunde, im Sommer sind es noch ein paar mehr mit etwa 130 m³. Die größte je gemessene Menge betrug allerdings 2000 m³. Und dass es ihn heute so noch gibt, ist Sigridur Tomasdottir zu verdanken. Ihr Vater, der auf einem nahegelegenen Hof lebte, weigerte sich, sein Land an eine britische Gesellschaft zu verkaufen. Sie selbst ging gegen das Vorhaben der britischen Gesellschaft vor, die den hiesigen Wasserfall gepachtet hatte, und einen Staudamm zur Elektrizitätsgewinnung plante. In der juristischen Auseinandersetzung war übrigens Sveinn Björnsson ihr Rechtsbeistand, der später Präsident des Landes wurde. Sie drohte schließlich damit, den Freitod in den Fluten zu suchen, sollte das Projekt umgesetzt werden. Gestoppt wurde das Vorhaben letztlich aber aufgrund einer von der britischen Gesellschaft verspätet bezahlten Pacht. Im Jahre 1975 gab es erneut Überlegungen zwei Drittel des Wassers abzuzweigen und zur Stromgewinnung zu nutzen. Dieses Vorhaben wurde dann aber abgelehnt und zwei Jahre später das Gebiet zum Nationalpark erklärt. Heute gibt es hier ein Denkmal für eine der ersten Umweltaktivistinnen des Landes.

Gegen 16:00 Uhr verlassen wir diesen touristisch überlaufenen Ort wieder. Wir fahren in Richtung Hvitarvatin, dass sich übrigens Quitavatn spricht, unserem nächsten Campingplatz. Dabei wird die Straße schon nach wenigen Kilometern zur Schotterpiste. Die Anreise gestaltet sich schon ein bisschen schwierig, da weder der Fahrer noch unser Guide den genauen Ort der Furt kennen. Und den normalen direkten Weg dorthin können wir nicht nehmen, da über einen größeren Wasserlauf auf dem Weg dorthin nur eine Brücke für Fahrzeuge bis 2 t führt. Und wir sind mit unserem Bus definitiv schwerer. So müssen wir einen Umweg fahren, unser Fahrer findet dann aber schnell die beschriebene Stelle. Hier müssen wir nur noch das Küchenzelt selbst aufbauen, und dann unsere eigenen. Neben unseren Zelten gibt es lediglich ein weiteres, und dazu zwei Damen die in einer einsamen und unbewirtschafteten Hütte Unterschlupf gefunden haben. Im Abendlicht bietet sich ein großartiger Blick auf den Nordurjökull, einer Gletscherzunge des Langjökull, dem davorliegenden Hvitavatn, er hat immerhin eine Fläche von 30 km². Vatn bedeutet übrigens See, womit schon erklärt ist, dass hier der Hvita entspringt, der sich später den Gullfoss herunterstürzt. Dazu noch die Schutzhütte auf einer großen Grünfläche mit ein paar versprengten Schafen und dem letzten Sonnenlicht. Bei dem Wetter ein tolles Kontrastprogramm zu den Stationen am Golden Circle mit den Touristenmengen. Aber wenn der Regen auf das Zelt prasselt, und der Wind pfeift, könnte die Gefühlslage natürlich auch ganz anders ausfallen.