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30.10.2009      13. Reisetag - Muscat

Heute heißt es mit der Sonne aufstehen, was aber auch kein größeres Problem ist. Gestern sind wir trotz Lagerfeuer relativ früh in die Schlafsäcke gekrochen. Während der Nacht sind die Temperaturen merklich herunter gegangen. Gestern hatten wir hier 35 – 40°C, im Sommer sind auch Temperaturen jenseits der 50°C nicht ungewöhnlich. Heute Morgen hatten wir bei unserem Aufbruch gegen 8.00 Uhr 16°C. Also waren wir auch bei Sonnenaufgang noch deutlich vom Gefrierpunkt entfernt, was einem aber ja in der Wüste schon mal passieren kann. Man weiß zwar, dass es dort tagsüber heiß und nachts kalt ist, und doch ist man immer wieder überrascht, wie schnell die Temperaturen nach Sonnenuntergang fallen, und am Morgen dann auch wieder ansteigen.

Wir verlassen heute die Rub-Al-Khali auch schon wieder. Dazu nehmen wir mit den Jeeps den gleichen Weg, auf dem wir gestern gekommen sind, zurück. Schon dabei gewinnt man einen kleinen Eindruck davon, welche Strapazen es gewesen sein müssen, als die großen Karawanen noch durch die Wüste zogen. In diesem Bereich ist die Wüste ja meist flach bis völlig eben, aber wer mal eine der großen Dünen hinauf gelaufen ist, weiß wie anstrengend das ist. Die bis zu 300m hohen Dünen der Rub-Al-Khali werden auch noch vom Wind vorwärts bewegt, sie sind daher auch auf der dem Wind zugewanden Seite etwas fester, als auf der anderen Seite. Überhaupt sind die Formationen der Dünen nicht irgendwie wirr durcheinander. Wenn man sie sich von Weltraum ansieht, kann man erkennen, dass die Dünen scheinbar von Norden nach Süden verlaufen, was schlicht und einfach an den vornehmlichen Windrichtungen liegt. Insgesamt hat die Wüste eine Ausdehnung von etwa 780000km². Sie ist nahezu unbewohnt und gilt auch noch als wenig erforscht und als eine der unzugänglichsten Gebiete der Erde. Auch in der Wüste gibt es Niederschlag, er beträgt hier durchschnittlich etwa 50 ltr/qm im Jahr. Dadurch gibt es verständlicherweise nur wenige Lebewesen in dieser Wüste, es finde sich neben einigen wenigen Pflanzenarten, ein paar kleinere Nagetiere, Insekten und Spinnen. Wobei die Tiere nahezu komplett nachtaktiv sind, von ihnen sieht man am Morgen lediglich ein paar Spuren im Sand.

Mit dem Jeep ist man ja schon deutlich schneller als mit dem Kamel unterwegs, aber noch sehr viel schneller ist natürlich das Flugzeug, so sind wir nach weniger als 1,5 Stunden Flugzeit von Salalah nach Muscat gelangt. Im Hotel in Muscat, in dem wir jetzt schon zum dritten Mal einchecken, gibt es dann auch Gelegenheit den Sand aus Nase und Ohren wieder heraus zu waschen, es ist doch immer wieder erstaunlich, wohin der feine Wüstensand trotz des nur leichten Windes in der Wüste so kommt.

Am heutigen Abend begegnen wir noch einmal einer omanischen Familie in deren Wohnhaus. Wie es Sitte ist, zieht man sich die Schuhe nach dem Betreten des Hauses aus und wäscht sich die Hände. Da gleich noch ein Anmerkung dazu, den Wasserhähnen konnte man nicht mehr ansehen, ob sie jemals verchromt oder was auch immer waren, in Deutschland hätte man die sicherlich schon vor 25 Jahre ausgetauscht. Aber hier legt man nicht so sehr viel Wert auf die Ausstattung des Hauses. Es war überall sehr sauber, keine Frage, aber wenn da ein Riss in der Wand ist oder wie hier die Wasserhähne das Waschen der Hähne eigentlich ein bisschen absurd erscheinen lassen, dann ist das für die Omanis kein Problem. Dabei ist die Familie hier keineswegs arm, wie er uns später sagte, war er zum Beispiel mit seiner ganzen Familie vor ein paar Jahren drei Monate in den USA unterwegs. Wie überhaupt das Reisen und Kennenlernen von fremden Ländern und Kulturen hoch im Kurs steht. So war er selbst auch schon in Deutschland. Aber zurück zu unserem Besuch, bei ihm im Wohnraum gab es Sitzmöbel nach westlichem Vorbild, was aber eben nicht immer so sein muss. Gerade in ländlicheren Gegenden ist es normal auf dem Boden zu sitzen. Dabei sollte man aber immer darauf achten, dass die Fußsohle nicht auf andere schon gar nicht den Gastgeber zeigt. Es folgt eine kurze Runde der Vorstellung, woher wir kommen und was wir so machen. Weiter geht das Gespräch so um allgemeine Themen. Im Oman, wie in der ganzen arabischen Welt, ist es traditionell üblich, vor dem Essen die Neuigkeiten auszutauschen. Das Essen bestand heute Abend aus dem obligatorischen Reis, Kartoffeln mit Fleisch, Ziegenfleisch und dazu nicht angemachter Salat und selbstgebackenes Fladenbrot. Insbesondere das Fleisch wird hier ein bisschen anders angeboten als bei uns. Die Knochen, Sehnen und Knorpel werden nicht vorher entfernt, sondern eher alles in kleine Teile gehakt und dann gekocht. So ist das Fleisch eher etwas trocken und man hat eben einen Haufen Knochen und sonstiges dabei. Als Abschluss gab es frisches Obst und den obligatorischen mit Kadarmon versetzten Kaffee. Im Oman ist es, anders als bei uns, dann üblich auch kurz nach dem Essen zu gehen, also genau anders herum wie bei uns. Hier finden zuerst die Gespräch statt, dann das Essen. Ganz allgemein ist man im Oman relativ spät. Im Oman kommt man zu einer Familieneinladung übrigens auch nicht mit einem kleinen Geschenk, wenn man seinen Dank für die Einladung ausdrücken möchte, schickt man am nächsten Tag einen Boten mit einer kleinen Aufmerksamkeit und ruft am nächsten Tag noch einmal an, und bedankt sich im Nachhinein dafür. Vielleicht noch eine Besonderheit bei so einem Abendessen, der Gastgeber selbst isst üblicherweise nicht mit. Und wo wir schon beim Essen sind. Das Essen ist für uns Europäer gut verdaulich. Wie unsere Reiseleiterin sagte, gibt es praktisch nie Probleme mit Unverträglichkeiten oder anderen Problemen des Verdauungstraktes, was ich auch so bestätigen kann. Ich bin was meine Ernährung angeht, sicherlich nicht gerade im „Mainstream“, ich lasse da einiges lieber aus, aber hier gab es damit keine „Probleme“. Die Preise für das Essen sind durchaus erträglich, wobei ich die Bandbreite etwa in den Hotels als relativ groß empfunden habe. Extrem günstig sind so kleine Mitnahmegerichte wie Shawarma. Dabei handelt es sich um Hühnchen oder Lammfleisch, das mit ein bisschen Salat in ein Fladenbrot gewickelt ist, alternativ gibt es oft Rührei statt des Fleisches. Diese „Sandwichtes“ sind oft schon für wenige Hundert Baisa zu haben. Beim Leitungswasser in den kleinen Restaurants ist durchaus ein bisschen Vorsicht geboten. Auch wenn erstes oft kostenlos ist, sollte man da lieber auf Mineralwasser oder andere Softdrinks setzen. Gerade in den kleineren Restaurants sieht man häufig Gäste mit den Fingern essen. Dabei neigen sie ihren Kopf in Richtung Tischplatte und formen dann mit der rechten Hand kleine Bällchen, die sie dann essen. Da sieht nicht immer wirklich sehr schön aus, aber funktioniert bei ihnen mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. Auch wenn der Bereich um den Teller, nach der Mahlzeit so ein bisschen an ein Schlachtfeld erinnert.

Eine der bestimmenden Größen, wenn nicht die bestimmende Größe auch im Oman ist der Islam. Im Oman gibt es aber Religionsfreiheit und auch eine Judikative nach westlichem Vorbild, wenn auch mit zum Teil etwas anders gelagerten Gesetzen. Aber es gibt auf jeden Fall eine Gerichtsbarkeit. Den Religionsgemeinschaften ist es im Oman nicht erlaubt, Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften aktiv zur Konvertierung zu drängen. Der Islam gehört neben dem Christentum und dem Judentum zu den drei großen Buchreligionen. Alle drei haben auch gemeinsame Wurzeln in der Abraham ein wichtige Rolle spielt. Auch Moses und Jesus sind für Muslime wichtige Wegbereiter des Islam, und auch die Thora und die Bibel gelten als heilige Bücher, das wichtigste ist aber der Koran. Im Koran sind nicht nur religiöse Dinge geregelt, sondern auch sehr alltägliche wie die Tischsitten, Verhalten beim Niesen, die Erziehung, das Verhältnis von Männern und Frauen, Erbrecht, Staatsrecht und Almosenvorschriften. Denn der Islam ist weit mehr als nur eine Religion, so kann es im Islam auch keine völlige Trennung zwischen Religion und Staat geben. Sogar ein Rechtssystem mit der Scharia ist Teil des Islams. In einigen muslimischen Ländern gehört die Scharia auch heute noch zum praktizierten Recht, inklusive der Steinigung oder öffentlichen Abtrennung von Gliedmaßen. Vielleicht noch zwei Begrifflichkeiten: Das arabische Wort Islam bedeutet soviel wie „Völlständige Hingabe“, Menschen die den Islam praktizieren sind dann die Muslime. Ein Muslim würde sich aber niemals als Mohammedaner bezeichnen. Das wäre auch ein unglaubliche Anmaßung, da der letzte und endgültige Prophet Mohammed für sie der gesandte Gottes, also ein Mensch war. Aber nicht wie Jesus im Christentum der Sohn Gottes, da Allah (arabisch= Gott) keinen Sohn haben kann. Auch der Glaube an den einen Gott verbindet die drei Buchreligionen.

Wie schon angedeutet bezieht sich der Islam auf Mohammed. Wer war nun dieser Mohammed? Er wurde im Jahre 570 nach unserer Zeitrechnung geboren. Der arabische Kalender richtet sich ja anders als unser gregorianische nach den Mondphasen, was zur Folge hat, das sich das Jahr zu unserem jedes Jahr um 11 Tage nach vorne verschiebt. Auch so heilige Feste wie der Ramadan, die gemeinsame Fastenzeit, ist nach den Mondphasen festgelegt und findet im neunten Monat statt. Daher kann sich auch der genaue Beginn des Ramadan in den verschiedenen islamischen Ländern leicht verschieben. Aber zurück zu Mohammed, er war Sohn eines Kaufmanns, der aber bereits relativ jung verstarb. So begann Mohammed schon früh sein Geld als Karawanenführer zu verdienen. Er arbeitet dabei auch für seine spätere Frau einer Kaufmannswitwe. Durch seine Reisen erhielt er schon früh einen Einblick in andere Kulturen und Stämme. Denn zu dieser Zeit war die arabische Welt noch sehr stark in Stämmen organisiert. Er selbst lebte in Mekka, wo schon damals die Kaaba, der schwarze Stein, ein Heiligtum war, man aber viele Götter hatte. Im Jahre 610 erschien Mohammed der Engel Gabriel und verkündete ihm Allahs Wort. Er selbst begann die gesellschaftlichen Regeln und Sitten anzuprangern, und er verlegte sich darauf, dass es nur einen Gott gibt. Gerade das brachten ihm eine Menge Feindschaften ein, da die Bewohner von Mekka um ihren Einfluss auch durch das Heiligtum Kaaba fürchten. So musste Mohammed im Jahre 622 n. Chr. sein Heimatstadt verlassen und zog in das benachbarte Medina, wo seine Reden auf sehr viel fruchtbareren Boden fiel. Dieses Jahr gilt auch als Gründungsjahr des Islams. In der Folge kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Mekka und Medina, die schließlich Mohammed mit seinen Gefolgsleuten gewann und so auch zum Führer in Mekka wurde. In der Folgezeit breitete sich der Islam sehr schnell über die arabische Halbinsel und auch das nördliche Afrika aus. Das geschah teilweise durch Kriege, teilweise aber auch durch freiwillige Übernahme des Glaubens wie im Oman. Im Jahre 632 starb Mohammed in Medina. Die Ausbreitung wurde auch durch die vier Kalifen (Kalif : arabisch Nachfolger) vorangetrieben. Der neue Glaube ermöglichte die zerstrittenen Stämme zu vereinen und gemeinsam für Allah zu kämpfen. Auch nahm der neue Glaube erstaunliche viele Elemente der eroberten Gebiete und besiegten Völker auf, was die Integration wesentlich erleichterte. Die ersten vier Kalifen waren Abu Bakr, Omar, Othman und Ali, sie werden auch als die Rechtgeleiteten bezeichnet. Es kam aber immer wieder zu Streitigkeiten über die Führungsanspruch, die nach der Ermordung Alis in eine Aufspaltung des Islam mündete. Die Schiiten erkennen nur die direkten Nachfolger Ali an, während die Sunniten keine direkte Blutsverwandtschaft als erforderlich erachten. Die Sunniten haben heute einen Anteil von 80 – 90% der rund 1,6 Mrd. Muslime. Eine weitere Splittergruppe waren die Kharijiten aus denen die heutigen Ibaditen, die eine deutlich liberalere Einstellung hatten, hervor gingen. In ihren Augen durfte der Glauben nicht für Kriege missbraucht werden. Sie waren deutlich toleranter gegenüber Andersgläubigen und hatten Anfänge von demokratischen Strukturen. Bei ihnen wurden die Imame, also ihre Führer, von der Umma, der Gemeinschaft der Gläubigen gewählt. Bewerber musste lediglich eine religiöse Bildung und politisches Geschick vorweisen können. Sogar eine Abwahl war möglich. Zwischen Ibaditen und Sunniten kam es schon kurze Zeit später zu Verfolgungen, was dafür sorgte, das die Ibaditen in die unzugänglichen Berge des Omans flohen. So ist der Oman heute das einzige Land, das mehrheitlich von Ibaditen bewohnt wird.

Der Imam bei den Ibaditen hat vor allem die religiöse Macht, aber anders als etwa bei den Sunniten nur wenig weltliche. Dafür gab es einen Sultan. Beide wurden gewählt, es war sogar möglich, dass eine Position eine zeitlang nicht besetzt wurde, wenn sich kein geeigneter Bewerber fand, oder aber jemand sowohl Imam als auch Sultan in Personalunion war. Durch die Zweiteilung der Macht kam es im Verlauf der Zeit aber auch immer wieder zu Kämpfen zwischen dem Imam und dem Sultan. Zeitweilig war der Oman auch aufgeteilt, so unterstand die Küstenregion dem Sultan und das innere des heutigen Oman dem Imam. Heute hat der Oman lediglich einen Sultan, das Amt des Imam wurde 1950 abgeschafft.

Aber zurück in die ältere Geschichte. In der ersten Hälfte des Mittelalters erlebte der Islam einen ungeheuren Aufschwung. Es gab viele Gelehrte, die sowohl Bücher übersetzten als auch in der Astrologie, der Medizin und vielen Wissenschaften führend war. Mit den Christen gab es bis zu den Kreuzzügen eine mehr oder weniger friedliche Toleranz. Durch das Blutbad, das die Kreuzritter in Jerusalem anrichteten, kam es zur offenen Feindschaft. Das Ende des großen islamischen Reiches besiegelten dann aber die Mongolen mit der Einnahme von Bagdad im Jahre 1258. In der Folgezeit drängte man auch in Europa die Muslime aus Spanien zurück, gleichzeitig rückten aber die Osmanen bis vor die Tore von Wien. Obwohl diese keine Zwangskonvertierungen durchführten, gehen auf sie die muslimischen Gemeinden in Bosnien und Albanien zurück. Nicht zuletzt aus diesen religiösen Spannungen zerfiel ja auch das damalige Jugoslawien im ausgehenden 20 Jahrhundert. Nach dem Zerfall des omanischen Reiches fiel auch die Hochkultur des islamischen Raumes vom Fortschritt in eine Rückständigkeit gegenüber Europa. Zahlreiche Gebiete wurden in der Folgezeit zu Kolonien vor allem der Briten aber auch der Franzosen. Noch heute bestehen zahlreiche Grenzen, die diese beiden Länder auf Karten gezogen haben, weil sie nie selbst in diese Landstriche vorgedrungen sind. So wurden einige Grenzen von Saudi Arabien noch sehr viel später in Abgekommen vor nicht einmal 40 Jahren geregelt. Streitpunkt war dabei in der jüngeren Geschichte eigentlich weniger das Land selbst, sondern die Bodenschätze wie Öl und Gas die sich darunter befinden.

Jetzt noch ein paar weiter Informationen zum Islam im Allgemeinen. Der Leitfaden für das Leben der Muslime ist der Koran. Es gilt als reines Buch, so hat man sich vor dessen Studium zu waschen, wobei die Reinheit hier natürlich auch im übertragenen Sinn gilt. Auf dem Koran darf kein anderes Buch liegen. Es beschreibt die fünf Pflichten eines Muslims. Dazu zählen das Glaubensbekenntnis, die Pilgerfahrt nach Mekka, das Fasten im Ramadan, die Almosengabe und das Beten. Schon hier sind ein paar Punkte dabei, die den Islam zu einer Zeit zu einer sehr fortschrittlichen Einrichtung machten. Das gemeinsame Fasten im Ramadan soll ein starkes Gemeinschaftsgefühl bestärken. Gleichzeitig aber auch zum Nachdenken anregen. Während des Fastens ist es verboten zwischen Sonnenauf- und Untergang zu essen, zu trinken, zu rauchen oder auch menschlichen Gelüsten nachzugehen. Ausgenommen davon sind Kranke, schwangere Frauen, Kinder oder Reisende. Erwachsene müssen die Fastentage aber nachholen. Am Ende des Ramadan gibt es dann ein großes dreitägiges Fest. Bei der Abgabe der Almosen muss man zwischen den sadaka, den freiwilligen Abgaben, und dem zakat unterscheiden. Letzteres bedeutet soviel wie moralische Reinheit. Dabei sind alle Muslime aufgerufen einen bestimmten Teil ihres Vermögens abzugeben. Mit dem Geld werden die Armen unterstütz, oder auch soziale und religiöse Einrichtungen geschaffen. Dabei ist es umstritten, wer wie viel zahlen sollte, da dies im Koran nicht festgelegt worden ist. Wie ja schon weiter oben angedeutet, greift der Koran aber nicht nur religiöse Themen auf. Auch wenn man es heute kaum glauben mag, aber er verbesserte die Lage der Frauen dramatisch. Er beschrieb eine Beschränkung auf vier Frauen, zuvor hatten Männer zum Teil sehr viel mehr. Zum Teil wurden sie sogar verkauft oder vererbt. Dazu kam, das alle Frauen gleich behandelt werden mussten. Zuvor konnten Frauen in weiten Teilen des arabischen Raums nichts erben. Außerdem wurde für eine Eheschließung jetzt die Zustimmung der Frau zwingend notwendig. Auch bei der Hygiene setzte der Koran zu seiner Zeit Maßstäbe. So wurde sehr viel Wert auf Reinheit gelegt, nicht nur zu den Gebeten, auch sonst wurden die Menschen bei vielen Gelegenheiten dazu angehalten. Auch das die Nahrung nur mit der rechten Hand zum Mund geführt werden soll, diente genau diesem Zweck. Dadurch war die linke Hand frei, die schmutzigen Dinge zu tun, ohne das Krankheitserreger sofort mit der Nahrung aufgenommen wurden. Auch die Gastfreundschaft ist im Koran beschrieben, so hatte man einem Reisenden Schutz zu gewähren und mit Nahrung und vor allem frischem Wasser zu versorgen. Diese Gastfreundschaft währt aber nur drei Tage, dann ist es genauso auch die Pflicht des Reisenden weiter zu ziehen, damit wurde dafür gesorgt, das Reisende die Gastgeber selbst nicht über Gebühr belasteten, denn das Leben in der Wüste ist durch Mangel und Entbehrungen geprägt. Auch das diente enorm den Reisemöglichkeit und damit den Handelsmöglichkeiten, die ja auch Mohammed während seiner Zeit als Karawanenführer kennen gelernt hatte. Wobei die Menschen auf der arabischen Halbinsel immer schon Beduinen und damit Nomaden waren, und dadurch bedingt auch immer schon Handel getrieben haben. Überhaupt ist im Koran den Reisenden ein paar Sonderrechte zuerkannt worden. So darf ein Muslim auf Reisen die eigentlich geforderten fünf Gebete am Tag auf drei zusammen legen. Auch besonders auf die Reisenden ist das Recht gemünzt, auf Reisen die Waschungen notfalls mit Sand durchführen zu dürfen, um kostbares Wasser zu sparen. Nicht geregelt ist im Koran allerdings das Aussehen einer Moschee. Oder auch nur das zum Gebet eine Moschee aufgesucht werden sollte. Üblich ist es eigentlich nur auch nur am Freitag. Unter der Woche betet man an dem Ort, an dem man sich gerade befindet. Aber auch da ist es nun nicht so, das jeder Muslime, wenn der Muezzin ruft, augenblicklich mit dem Gebet beginnt. Ja sehr viele lassen es auch aus, aber die Anhänger des christlichen Glaubens, sind ja nun auch nicht gerade jeden Sonntag in der Kirche zu finden. Nicht zuletzt wegen der Vermengung von Staat und Religion sind aber viele Araber eben sehr gläubig. Er glaubt auch, dass Allah sein Schicksal bestimmt. So antworten sie auch auf viele Pläne und Absprachen für die Zukunft mit „Insha´allah“, was soviel bedeutet wie so Allah will.

So als letztes noch ein paar politische Ansichten und Ansätze. Im Oman stehen die Menschen Dingen wie Jihad oder Märtyrern sehr skeptisch gegenüber, weil man glaubt, dass diese von einigen wenigen „Irrgläubigen“ völlig falsch gebraucht werden. Der Jihad beschreibt nach Meinung der meisten Muslimen eher den Kampf mit sich selbst, den eigenen Glauben zu stärken und bei den eigenen Prüfungen zu bestehen, nicht aber ein Kampf gegen andere. Auch der Märtyrertod ist für sie falsch, da der Koran es verbietet, sich selbst umzubringen. Ja man glaubt sogar, dass die ganze Familie dafür von Gott gestraft wird. In der Sure 60, der Koran ist in 114 Suren aufgeteilt, ruft der Koran sogar zur Gerechtigkeit gegenüber den anderen Buchreligionen auf. Natürlich steht in der Sure 2, Vers 191 „Und tötet die heidnischen Gegner, wo immer ihr sie zu fassen bekommt, … denn das ist der Lohn der Ungläubigen.“ Bereits im nächsten Vers 192 steht dazu aber auch noch folgendes: „ … greifen sie euch an, dann schlagt sie tot, … aber wenn sie ablassen, ist Allah verzeihend und barmherzig, … so sie ablassen sei keine Feindschaft“. So sind auch viele der Kriege im islamischen Raum eher politisch motiviert, und weniger in der Religion begründet, mit der sie dann aber später legitimiert werden sollen. Aber das kennen wir in der westlichen Welt ja genauso. So als wirklich letzten Punkt noch eine persönliche Anmerkung: Ich habe ein bisschen den Eindruck, das der Islam auch deshalb in der Welt den Anschluss ein wenig verloren hat, weil man Mohammed als den letzten und endgültigen Propheten ansieht. Also kommt da nichts mehr, so wie er es beschrieben hat, so muss es sein und bleiben. Dass sich die Anforderungen ständig ändern, kann da nicht mehr ausreichend berücksichtigt werden. So modern der Koran bei seiner Entstehung auch war, für das was dort geschrieben steht, hat man in Europa zum Teil noch 1000 Jahre gebraucht, so sehr ist er inzwischen auch in die Jahre gekommen.