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03.11.2007      17. Reisetag - Kapstadt

Am Morgen geht es erst einmal in ein Museum, das sich mit der Entdeckung Südafrikas durch die Weißen beschäftigt. So ist auch ein Nachbau der Karvelle mit der Bartholomeou Diaz hier her kam zu sehen, jedenfalls wenn das Gerüst nicht da gewesen wäre, mit dessen Hilfe man das Dach des Museums in Stand setzen wollte. Das Gerüst steht auch schon seit einigen Wochen da, nur weiter ging es bisher noch nicht. Afrika hat eben die Zeit, aber keine Uhr. Dieses Schiff hat Diaz im Prinzip auch umsonst mitgeführt. Eine Karvelle ist ein relativ kleines Schiff, mit nur relativ geringen Tiefgang mit dem man eigentlich die Flüsse herauf fahren wollte, um das entdeckte Land näher zu untersuchen. Nur kann man in Südafrika keinen Fluss weiter als 14 km mit einem derartigen Schiff befahren. Viele Flüsse sind sehr flach, und führen oft große Mengen an Bodenteilchen mit sich, die sich durch Erosion irgendwo gelöst haben. Das zieht dann eine Versanndung der Flüsse nach sich. Außerdem weisen viele Flüsse wegen der Topologie des Landes relativ dicht an der Küste große Wasserfälle auf. Oftmals reichen die Höhenzüge bis dicht an die Küste heran. Im Tsitsikamma Gebiet kann man auch ein treppenartiges ansteigen des Erdniveaus sehen. Biologen schließen daraus, dass der Meeresspiegel in den letzten Millionen von Jahren hier zwischen 350 m niedriger und 250 m Höhe gelegen haben muss. Eine interessante Geschichte in Bezug auf die in Europa heiß geführte Klimawandel-Diskussion.

Es wurde dann auch Zeit, dass wir uns auf den Weg machten, schließlich hatten wir heute eine der längsten Teilstrecken mit etwa 480 km zu bewerkstelligen. Der nächste Stopp war in Swellendam, der dritt ältesten Stadt in Südafrika. Sie wurde von den Kapholländern 1743 gegründet. So war es der damaligen Verwaltung in Kapstadt ein Dorn im Auge, das viele ihrer Siedler sich immer weiter entfernten, und man so den Einfluss auf sie verlor. So wurde 1746 in Swellendam ein Magistrat eingesetzt, der dort für Recht und Ordnung im Sinne der Kapverwaltung sorgen sollte. Heute sind die alten Gebäude ein Museum, indem man alte Möbel aus den letzten Jahrhunderten besichtigen kann, oder auch die Gebäude alter Handwerksbetriebe, wie etwa einem Schmied, einem Böttcher oder auch eine alte Mühle ist zu sehen.

Weiter ging es dann in Richtung Hermanus. Einem der ganz wenigen Orte in der Welt, an denen man Wale direkt von der Küste aus sehen kann. Die Landschaft auf dem Weg dorthin wechselt immer stärker von Weideland in Ackerbau und hier zum weit größten Teil in Weizenfelder. In Südafrika erntet man den Weizen im Frühjahr. Die haupt Regenzeit ist hier im Winter, im Sommer ist es die einfach zu trocken. Dort wo die Kap Faltenberge dicht an der Küste liegen, kann man etwa 800 bis 900 l Regen /qm /Jahr erwarten, in diesem Teil ist es kaum mehr als die Hälfte. Auch bei der Besiedlung des Landes durch Weiße haben die Kap Faltenberge lange ein fast unüberwindliches Hindernis dargestellt. Man kam erst nach langem Suchen nach Pässen an wenigen Stellen mit den Ochsenwagen hinüber. Dann fuhr man oft eine Zeit lang in der kleinen Karoo, eine Ebene etwa 350 m über dem Meeresspiegel, um dann an wenigen Stellen die Ausläufer des Hochplateaus erklimmen zu können. Die kleinen Karoo liegt also in einem Becken, auf der einen Seite geht es bis circa 1100 m hinauf und auf der anderen Seite in Richtung Landesinnere auf etwa 1400 m. Das bedeutet auch für diesen Landstrich relativ wenig Regen, da dieser bereits an dem Küstengebirge abgeregnet ist. Auch die kleinen Karoo ist vor allem vom Getreideanbau geprägt. Aber unser Ziel waren ja ohnehin die Wale bei Hermanus. Und wir hatten Glück, kaum mehr als 50 m von der Küste trieben einige der großen Säugetiere im Meer. Wale, wie auch Delphine, sind ja eigentlich keine Fische sondern Säugetiere, und müssen deshalb immer wieder an die Wasseroberfläche kommen, um atmen zu können. Wale können bis zu 90 Minuten unter Wasser bleiben, zum Glück taten sie uns gerade den Gefallen, sichtbar an der Oberfläche zu schwimmen. Dass die Wale hier überhaupt zu sehen sind (etwa Juni bis November) liegt daran, dass das Ufer hier sehr schnell recht tief abfällt. Hier in diesen Gewässern paaren sich die Wale und bringen dann ihre Jungen hier im warmen Wasser zur Welt. Anschließend ziehen sie wieder in die Antarktis um dort in den kalten Gewässern Plankton und Krill (ca. 1,5mm große Krustentiere) zu fischen. Beim Fischen nehmen sie große Mengen Wasser in ihr Maul, und drücken mit der Zunge das Wasser wieder heraus. Die an ihren Barten wie in einem Sieb hängen bleibenden Kleinlebewesen schlucken sie dann herunter. Ausgewachsene Tiere können über 1 t davon am Tag fressen, weil sie relativ schlechte Futterverwerter sind. Von der dabei aber entstehenden Fettschicht zehren sie während ihrer Zeit in den nicht so planktonreichen Gewässern vor Südafrika. Die Babys saugen anfangs bei ihrer Mutter, dabei nehmen sie bis zu 600 l Milch am Tag zu sich, und das bei einem Fettgehalt von etwa 46%. Entsprechend schnell wachsen dann aber auch die Jungen heran. Bei der Geburt sind sie etwa 6m lang und wachsen in der ersten Zeit etwa 3cm am Tag. Wegen der extremen Auszehrung der Mutterkühe kalben diese auch nur alle vier bis fünf Jahre. Die bei Hermanus zu sehenden Wale nennt man Southern Right Whales. Der Name stammt aus der Zeit, als die Wale noch gejagt wurden. Sie waren die „richtigen“, geradezu idealen Wale zum Jagen, da sie viel von dem begehrten Tran und den Barten enthielten. Außerdem gehen diese Tiere nach dem Erlegen nicht unter, sondern schwimmen an der Wasseroberfläche. Neben dem Menschen sind Orcas, auch Killerwale genannt, ihre einzigen natürlichen Feinde. Bei der Paarung paart sich ein Weibchen mit bis zu 7 Männchen. Die Tiere sind von der Natur nicht mit „Waffen“ ausgestattet worden, um um ein Weibchen zu kämpfen und um Konkurrenten in die Flucht zu schlagen. Daher hat sich im Laufe der Evolution eine sogenannte „Sperma-Konkurrenz“ entwickelt. Das Männchen, welches die größte Samenmenge produziert, hat die größte Chance, sich fortzupflanzen. So ist es zu erklären, daß ein Männchen bis zu 500 kg Samen produziert. Ein charakteristisches Merkmal der Southern Right Whales sind die hell gefärbten Auswüchse am Kopf, die „Callosities“. Sie sind bei jedem Wal anders und dienen als Unterscheidungsmerkmal. Hervorgerufen werden sie durch Tausende von sogenannten „Wal-Läusen“. Das sind natürlich keine Läuse, sondern kleine Krustentiere (Cyamids). Sie bleiben ihr ganzes Leben lang auf dem Wal und ernähren sich von der abgestorbenen äußeren Hautschicht.

Weiter geht es auf der Küstenstraße und später auf der „N2“, auf der wir schon so viele Kilometer zurückgelegt haben in Richtung der „Mother City“, besser bekannt als Kapstadt, der Keimzelle des modernen Südafrikas. Auch die vielen Kilometer am heutigen Tage bieten noch mal wieder Zeit, ein bisschen über Südafrika zu sprechen. Es gibt in Südafrika ein kostenloses Gesundheitssystem für die armen Teile der Bevölkerung. Alle Bevölkerungsgruppen die zahlungsfähig sind, müssen dafür auch in den staatlichen Einrichtungen zahlen, ausgenommen sind schwangere Frauen und Kinder bis 11 Jahre. Nur wer ohnehin schon zahlen muss, der geht gleich zu einer Privatklinik, in der die Versorgung deutlich besser ist. Das geht schon mit dem Personal los, gilt aber im Prinzip auch für die Ausstattung, insbesondere wenn die eine Einrichtung früher für eine andere ethnische Gruppe als die Weißen bestimmt war. Das Personal wird in den privaten Kliniken beziehungsweise privaten Arztpraxen besser bezahlt, und so wandern insbesondere die qualifizierten in die privaten Einrichtungen ab. Um das fehlende Personal auszugleichen, setzt man Ärzte aus Cuba ein. Mit diesem Land hat die regierende ANC Partei aus der Zeit des Unabhängigkeitskampfes noch traditionell gute Beziehungen. Da ist es dann aber nicht unbedingt gesichert, dass der Arzt Englisch entsprechend spricht beziehungsweise versteht. Dazu kommt noch, dass man dort unter Umständen Stunden wartet, um dann zu sehen wie abgeschlossen wird, da die Dienstzeit zu Ende ist. Wer es sich also leisten kann, geht zu den Privatanbietern. Gegen die Kosten kamen sich auch bei einer entsprechenden Versicherungsgesellschaft versichern. Dort kann man dann frei wählen, was man versichern möchte, ob nur Krankenhausaufenthalte, wobei diese dann meist erst ab 24 Stunden abgedeckt werden, wenn man nur den Krankenhausaufenthalt versichert hat. Wenn man also mit der Ambulanz abgeholt wird und dann nach der Untersuchung meinetwegen einen Gips an beiden Beine bekommt, und am selben Tag wieder entlassen wird, zahlt man selbst. Oder aber man schließt zum Beispiel auch Arztbesuche und eventuelle Arzneien ein, dann wird die Versicherung eben entsprechend teurer. Um jetzt mal ein Beispiel zu bringen, ein 45 jähriger Mann zahlt nur für das Krankenhaus circa 1500 Rand mit Arztbesuchen gut 2000 Rand im Monat. Um das Ganze noch ein bisschen zu verkomplizieren, tragen nicht alle Versicherungsgesellschaften die Behandlungen in allen Privatkliniken. Solange man also noch den Mund auftun kann, sagt man besser wo man hingebracht werden will. Bei einem Unfall etwa mit dem Auto wird abgeschätzt wo der Patient hingebracht wird, ob privat oder staatliches Krankenhaus. Hat man nun eine Privatversicherung aber diese leider nicht mit dem Krankenhaus eine Vereinbarung, hat man eben Pech gehabt.

Ein anderes landesweites Problem aus dem Gesundheitswesen passt hier noch ganz gut in den Kontext: Aids. Die Immunschwäche tragen etwa 25% der Südafrikaner in sich. Dabei gibt es aber erhebliche Differenzen der Landesteile und auch der Bevölkerungsschichten. Eingeschleppt wurde die Krankheit vor circa 14 Jahren in Südafrika vermutlich durch LKW-Fahrer. So ist diese Gruppe insbesondere jetzt die Fernfahrer auch mit einer Infektionsrate von 56% trauriger Spitzenreiter in der Statistik. Auch in der Bevölkerung gibt es entlang der großen Fernstraßen einen erhöhten Anteil. Der Staat Südafrika bestreitet auch bis heute die allgemein anerkannten Übertragungswege und hier vor allem den ungeschützten Sexualverkehr. Eine Aufklärung der Bevölkerung über dieses Risiko findet kaum statt. Erst in jüngster Zeit beginnt sich hier etwas zu tun. Man fängt auch an, die Heilerin vor Ort dafür zu benutzen, gerade die armen Landbevölkerung zu erreichen. Gerade dort ist die Aufklärung besonders wichtig aber auch besonders schwierig, da hier der Bildungsstand besonders niedrig ist. Die Lebenserwartung ist in Südafrika in den letzten Jahren gesunken, so haben Frauen eine Lebenserwartung von etwa 50 Jahren, Männer von etwa 44 Jahren. Dieses wirft auch ökonomische Probleme auf. Viele Menschen sterben relativ kurz nach der Schule, sie Kosten also eine Schulausbildung, kommen dann aber nicht mehr dazu, diese über Steuern zurückzuzahlen. Das mag sich makaber anhören, ist aber ein Problem. Dazu kommen etwa eine Million Waisenkinder, und das mit allen sozialen Folgen, die das oftmals nach sich zieht. Viele dieser Kinder sind aber selbst auch bereits über die Mutter infiziert worden. Durch den ungeregelten Zuzug von Menschen insbesondere aus Simbabwe wird das Problem Aids aber auch die in Südafrika schon einmal fast ausgemerzte Malaria noch zusätzlich weiterverbreitet.