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21.10.2009      4. Reisetag - Muscat

Heute ist es Zeit vom Oman Abschied zu nehmen, um in den Oman zu kommen … Hä??? Ganz einfach, der Oman besteht aus drei Teilen, einmal Musandam, eine kleine Enklave zwischen Dibba und Al-Fujarath und eben dem eigentlichen Kernland. Die Landesgrenzen der heutigen Länder bzw. Emirate sind nicht unwesentlich von den damaligen Verbündeten / Besatzern, den Briten, gezogen worden. Und eigentlich hätte Musandam auch zu einem der Emirate gehören sollen. Der damalige Sultan hat sich dagegen aber erfolgreich zur Wehr gesetzt. Zumal der Oman schon früher offiziell Anspruch auf das Gebiet angemeldet hatte, übrigens auch auf Anraten der Briten hin. Jetzt könnte man natürlich sagen, was sollte denn das. Dort sind keine Bodenschätze, die Topografie des Landes ist schwierig und Menschen lebten auch nur relativ wenige dort, eigentlich ein nutzloser Flecken „Nichts“. Aber es gibt die Straße von Hormus, ein schmaler Zugang zum Persischen Golf von gerade einmal rund 21 Seemeilen. Und auf der anderen Seite liegt dann auch schon gleich der heutige Iran. Dank der großen Ölvorkommen in dem Gebiet um den Persischen Golf herum, hat diese Seestraße natürlich weltpolitische Bedeutung bekommen. Und von den Bergen Musandams hat man einen schönen Überblick über diesen Seeweg. Jedenfalls wenn die Luft nicht derart feucht ist, wie zu der Zeit unseres Besuchs. Und dieser Dunst wurde im laufe des Tages noch eher dichter, so wurde es für uns nichts mit dem Blick nach Persien bzw. dem heutigen Iran.

Vielleicht noch so als Überblick zu Musandam ein paar Daten. Wie ja schon gesagt leben etwa 17000 Menschen in Khasab als größte Stadt, insgesamt sind es etwa 40000 in ganz Musandam. Insgesamt inklusive der kleinen vorgelagerten Inseln ist es kaum 100km lang und weniger als 40km breit. Die Halbinsel hat aufgrund der unzähligen Küstenfaltungen aber immerhin eine 650km lange Küstenlinie.

Am Morgen fahren wir noch zu einer kurzen Stippvisite zu den Felszeichnungen im Wadi Tawi. Ihr Alter wird auf etwa 2000 Jahre geschätzt. Die meiste Zeit davon befanden sie sich aber in einer Höhle, deshalb sind sie auch nur relativ wenige verwittert. Vor etwa 80 Jahren stürzte die Höhle ein, weshalb vermutlich noch weitere Zeichnungen unter den Geröll verschüttet sein dürfte. Deutlich jünger als die Felszeichnungen ist das Fort von Khasab. Erstmals erwähnt wurde es 1644. Damals waren noch die Portugiesen, die Erbauer des Forts, im Land. Später bauten die Briten es weiter aus, da sie genauso wie auch die Portugiesen die strategische Lage erkannten. In der Neuzeit ließ der Sultan das Fort seit 1992, solange gibt es auch erst Tourismus in Musandam, drei mal renovieren bzw. auch als Museum ausbauen. Heute wird dort die Geschichte des Omans anhand von zum Teil alten authentischen Exponaten gezeigt.

Gegen 11 Uhr wurde es dann aber endgültig Zeit für unsere Fahrt von Khasab nach Muscat, der heutigen Hauptstadt des Omans. Und wie ja schon gesagt, gehören zu der Wegstrecke von rund 600km auch zwei Grenzübertritte. Zuerst von Musandam (Oman) in die Vereinigten Arabischen Emirate und dann wieder in den Oman. Beide verliefen problemlos, die Ausreise aus dem Oman bzw. die Einreise in Emirate verlief sogar ohne persönliche Gesichtskontrolle. Die Wiedereinreise verlief mit Gesichtskontrolle, wobei der Grenzposten alle Pässe vorliegen hatte, und dann anhand der Bilder versuchte die Pässe den entsprechenden Personen zuzuordnen. Dass das nicht ganz einfach ist, mag jeder selbst ahnen, wenn er sich mal das eigene ja eventuell schon fast 10 Jahre alte Bild ansieht. Aber mit ein bisschen „Hilfe“ klappte alles, und wir konnten ungehindert weiter fahren. Interessant vielleicht noch folgendes, nach der Ausreise aus den Emiraten aber noch vor der Einreise in den Oman bin ich an der Grenzstation auf einer arabischen Toilette gewesen. Dabei handelt es sich um ein mit einer Edelstahlwanne ausgestattetes Plumpsklo. Toilettenpapier sucht man dort vergebens. Dafür steht dort eine kleine Gießkanne zum Spülen. Und eine kleine Handbrause um sich den „Allerwertesten“ abzuspülen. Die Araber essen nur mit der rechten Hand, die linke ist eher für das Ende der Nahrungskette eingeplant. Deshalb gilt diese eben auch als unrein. Wasser zum Händewaschen ist natürlich immer vorhanden. Und wenn man mit einem Papiertaschentuch oder sogar mitgebrachten Toilettenpapier einen solchen Ort aufsucht, ist das sicherlich nicht gerade ein Nachteil. Aber besonders vorteilhaft ist die Konstruktion für die westliche Kleiderordnung eben nicht. Wenn man die arabische Dischdascha trägt, sieht das natürlich schon anders aus. Die Dischdascha der Männer ist ein etwa knöchellanges Gewand, das ein bisschen was von einem Überwurf hat. Das Gewand ist meist weiß, aber auch schwarz, braun- bis beige sind nicht ungewöhnlich. Am Hals hat sie eine meist parfümierte Quaste und dazu lange Ärmel. Einer unserer Fahrer sollte uns später erzählen, er hätte etwa 30 Exemplare, alle für ihn angefertigt. Davon wären praktisch 10 ständig in der Reinigung, dabei sieht man eigentlich nie einen Araber mit einer verunreinigten in den Straßen laufen. Die Dischdaschas, die wir aus nächster Nähe erlebten, raschelten immer wie synthetischer Stoff es eben tut, was auch dazu beitragen dürfte, das der Staub leicht wieder abfällt. Aber Atmungsaktiv ist das natürlich nicht gerade. Die Dischdascha ist im Oman ebenso Alltagskleidung wie auch insbesondere für festliche Anlässe angesagt. Ebenso wird man einen Beamten nicht ohne Dischdascha am Arbeitsplatz sehen. Dabei gibt es insbesondere im Alltag aber keinerlei Vorschriften bezüglich der Kleidung. Lediglich kurz Hosen gelten als lächerlich, da diese mit Unterwäsche gleich gesetzt werden. So tragen auch viele Omanis westliche Kleidung, zum Teil auch unter der Dischdascha, wo traditionell eigentlich ein ähnliches Kleidungsstück wie die Dischdascha selbst, wenn auch mit maximal kurzen Ärmeln, getragen wird. Aber ob westlich oder traditionell gekleidet, so haben wir eigentlich nie einen Omani ohne Kopfbedeckung gesehen. Da gibt es zum einen den Kumma, eine Art runde Kappe. Aber traditioneller ist der Musar. Dabei handelt es sich um ein viereckiges Tuch, das zum Dreieck gefaltet um den Kopf gewickelt wird. Dabei wird dieses mit großer Sorgfalt in eine bestimmte Form gebracht, dazu gehört auch, das soweit es Fransen hat, diese als letzte „Schicht“ von rechts einmal um den Kopf herum geführt wird, um dann am Hinterkopf befestigt zu werden. Dabei zeigen die Fransen nach oben, bei der darunter liegenden „Schicht“, die in entgegen gesetzter Richtung gewickelt wird, werden diese unsichtbar umgefaltet. So sieht man nach ein paar Tagen schon an der Art, wie der Musar getragen wird, ob es sich um einen Omani handeln dürfte. In Jordanien etwa konnte ich ja schon erleben, dass das Tuch eher ein bisschen lieblos „irgendwie“ um den Kopf geschlungen wird. Saudis zum Beispiel tragen das Tuch völlig offen auf den Rücken geschlagen, und befestigen es mit einem schwarzen Ring auf dem Kopf.

Die Gastarbeiter fallen nun eben wegen der völlig anderen bzw. der fehlenden Kopfbedeckung auf. Die Anzahl der Gastarbeiter geht aber zurück, was auch politisch so gewollt ist. Man bezeichnet das als Omanisierung. Dazu muss ich vielleicht noch einen kleinen Ausflug in die Geschichte unternehmen. Bei der Machtergreifung des heutigen Sultan Qaboos (gesprochen Kabuus) bot er allen im Land lebenden Arabern die omanische Staatsbürgerschaft an. Davon machten insbesondere viele mit iranischen Wurzeln gebrauch. Gleichzeitig rief er auch die omanisch stämmigen Menschen im ostafrikanischen Sansibar (heute Tansania) auf, in ihre Heimat zurück zu kommen. Sansibar gehörte einmal zum Oman, ja es war sogar mal zeitweise Hauptstadt des Omans. Gerade weil die „Afrikaner“ oft kein Wort arabisch oder auch nur englisch sprachen, war es natürlich eine Herkulesaufgabe die zahlreichen Heimkehrer einzugliedern. Man denke dabei vielleicht auch mal an Parallelen in Deutschland mit dem Zuzug vieler Menschen aus Osteuropa bis hin zu Kasachstan. So leben heute etwa 2,5 Millionen Menschen im Oman mit seinen etwa 308000 km². Das macht also etwa 8 Einwohner pro km². Zum Vergleich in Deutschland beträgt dieser Wert etwa 230. Aber der Anteil junger Menschen unter 25 Jahre beträgt etwa 65% an der Gesamtbevölkerung. Da man natürlich für die vielen neu auf den Arbeitsmarkt drängenden jungen Omanis auch Arbeitsplätze zur Verfügung stellen will, führte man Quoten für die verschiedenen Berufe ein. Eine Firma muss also für bestimmte Tätigkeiten einen gewissen Prozentsatz Omanis beschäftigen. Bei den Fahrern beträgt diese Quote inzwischen 100%, also dürfen nur noch Omanis als Fahrer arbeiten. Gleichzeitig gibt es aber auch Berufe in denen kein Omani arbeiten möchte. So gibt es praktisch kein Omani, der als Frisör arbeitet. Das betrachten sie als „würdelos“. Gleichzeitig gehen aber viele sehr häufig hin, denn dort lassen sie sich auch rasieren. Denn ein Omani, der etwas auf sich hält, rasiert sich nicht selbst. Einer unserer Fahrer berichtete davon, alle zwei bis drei Tage zum Frisör zu gehen. Eben zum rasieren und wo er schon da ist, auch die bei ihm kurzen Haare in Form bringen zu lassen. Vor einigen Jahren hat man diese Quoten auch im medizinischen Bereich eingeführt, was dazu führte, das zwar viele junge omanische Ärzte eine Stelle fanden, aber dafür gleichzeitig viele erfahrene Ärzte das Land verlassen mussten. Das betraf vor allem Ärzte aus Europa, Amerika oder auch Australien. Das hatte natürlich zur Folge, dass das Niveau der medizinischen Versorgung darunter gelitten hat. Sie gilt immer noch als gut, hat aber eben an Qualität verloren. Die meisten Gastarbeiter bekommen auch nur eine Aufenthaltsgenehmigung für zwei Jahre, wobei diese schon vorher eine Arbeitsstelle nachweisen müssen. Verliert nun ein Gastarbeiter seine Arbeit hat er zwei Wochen Zeit eine neue Arbeit zu finden, oder aber seine Aufenthaltsgenehmigung verfällt und er wird abgeschoben. Diese Praxis ist insbesondere für die „Billiglöhner“ also vor allem Pakistani oder Bangladeschi schwierig. Sie haben kaum genug Geld für die Heimreise, da sie während des Aufenthalts soviel Geld wie möglich zur Unterstützung ihrer Familien in die Heimat schicken. Denn der zwar im Oman geringe Lohn liegt immer noch deutlich über den normalen Verdienstmöglichkeiten in ihrer Heimat.

Mir scheint, ich bin ein bisschen von unserem Tagesablauf ab gekommen. Eben ging es noch um arabische Toiletten an der Grenze. Aber danach hieß es ja auch vor allem Kilometer zu machen. Nach einer Fahrzeit inklusive zweier kleiner Pausen von etwa 8,5 Stunden erreichen wir unser Hotel in Muscat. Dabei hat man schon sehr viel früher das Gefühl gleich da zu sein, aber Muscat ist eben eine zwischen Meer und Bergen begrenzte Stadt mit einer Ausdehnung von etwa 70km. Und jedes Jahr wird sie noch ein bisschen größer. Und da gehört natürlich auch ein kleiner Stau dazu und auch eine kleine Anekdote zum Thema Glück ist Geschick: Eine der großen Brücken auf eine der Zufahrtsstraßen führt als kurze Hochstraße über eine andere der großen Verkehrsadern der Stadt rüber. Gut gedacht, nur leider hat man bei der Statik vergessen, dass es ein paar Fahrzeuge gibt, die etwas schwerer als ein PKW sind. So müssen sich die LKW sich weiter unter an der Ampel anstellen, während die PKW oben drüber weg fahren. Aber es kommt eben immer wieder auch zu Rückstaus, was dann dafür sorgt, das zeitweise eben auch mal niemand mehr über die Brücke fährt.