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22.10.2009      5. Reisetag - Nizwa

Am Morgen verlassen wir Muscat auch schon wieder. Dieses Mal fahren wir aber nicht in einem Kleinbus sondern in Jeeps. Es geht vorbei an einer Reihe von Ministerien und auch am Arbeitspalast des Sultans. Er hat im Muscat einen, der vor allem zu Repräsentationszwecken benutzt wird, und etwas außerhalb einen weitern für das „alltägliche Geschäft“. Da dieser Palast von der Straße ein gutes Stück zurück liegt, ist noch ausreichend Platz für eine lange Zufahrt durch eine Palmenallee. Schon diese darf aber nicht mehr von nicht autorisierten Personen bzw. Fahrzeugen benutzt werden. Aber wir wollten ja auch nicht den Sultan besuchen sondern eine sehr viel unwichtigere Einrichtung: den Souq von Barka. Am Souq versorgen sich die einfachen Leute mit den Lebensmitteln des täglichen Bedarfs. In Barka werden vor allem Fisch und Gemüse gehandelt. Der Fisch kommt fangfrisch aus dem direkt am Souq befindlichen Meer. Das Gemüse kommt von den umliegenden Farmen. Wobei Farmen hier eher kleine Stücke Land sind, die durch Wassergräben unterteilt sind, die natürlich zur Bewässerung dienen. So gibt es Tomaten, Mangos, Papayas, Bananen, verschiedene Sorten Melonen und Limonen, wobei letztere genauso wie die Bananen relativ klein sind. Ach ja und natürlich gibt es Datteln. Daneben gibt es noch Futtergras, das in diesem Jahr besonders teuer ist, da es nur wenig geregnet hat, aber der Sommer sehr heiß war. Das Futtergras ist dabei nicht mit unserem „normalen“ Gras zu vergleichen. Es ist sehr viel nahrhafter und schon kleine Büschel genügen um etwa ein Kamel damit ausreichend zu versorgen. Neben dem Futtergras werden aber auch minderwertige Datteln als Viehfutter angeboten. Insbesondere für Kamele werden diese Datteln verfüttert. Früher haben übrigens schon die omanischen Seefahrer auf Datteln zurückgegriffen. Bereits zwölf Datteln am Tag genügen, um einen Menschen mit allem Notwendigen zu versorgen. Es sind alle wichtigen Vitamine und sehr viele Kohlenhydrate enthalten. Anders als bei den Europäern war hier die gefürchtete Skorbut nie ein Thema für die Seeleute. Dazu kommt noch, dass man nur wenig Ladungsraum für die Datteln benötigte, und so mehr Waren transportieren konnte.

Anschließend besuchten wir noch ein Wohnhaus des ehemaligen Imams. Er ließ es um ca. 1630 errichten, um eine Zwischenstation auf der Reise von Sohar nach Musat zu haben. Wobei das Wohnhaus auch gleichzeitig ein kleines Fort war. Es hat zwei Türme mit je drei Öffnungen für je eine Kanone. Damit konnte man das ganze Umfeld um das Fort abdecken. Sollte es dennoch erforderlich sein zu flüchten, so gab es einen unterirdischen geheimen Gang, der in die etwas abseits gelegenen Gärten führte. Im Gebäude selbst gab es einen Empfangsraum, ein Badezimmer, einen Vorratsraum, einen Raum für die Männer, einen für die Frauen, einen Aufenthaltsraum für den gesamten Clan und ein Schlafzimmer für den Imam. Außerdem hat man noch an einen kleinen völlig dunklen Raum als Frauengefängnis gedacht. Die Männer wurden unterhalb von einem der beiden Türme festgehalten. Der war zwar hell, nur wurde es darin am Tage eben auch unerträglich heiß. Oben auf dem Dach hatte man noch einen kleinen Raum mit einer Reihe von kleinen Öffnungen geschaffen, durch die Öffnungen gibt es einen beständigen Windzug, dadurch wird der Raum angenehm kühl gehalten, also eine Art klimatisierte Zone für den Imam in den heißen Sommermonaten. Das ganze Gebäude besteht aus Steinen, die mit Lehm verbunden und dann auch verputzt worden sind. So sind die Mauern selbst oben an den Zinnen etwa 75cm dick.

Einen ähnlichen Aufbau hat unser nächstes Ziel am heutigen Tag, das Fort von Nakhl. Aber das Fort von Nakhl ist deutlich großzügiger gestaltet und direkt auf einen Felsen gebaut, etwas oberhalb liegt der Jebel Nakhl. Nakhl selbst ist eine Oase mit tausenden von Dattelpalmen. Das Fort wurde immer wieder erweitert und war der Sitz des Wali. Ein Wali ist in etwa mit einem Stadthalter des Imam bzw. Sultans zu vergleichen. 1985 hat der heutige Sultan damit begonnen zahlreiche der alten Lehmforts, so auch dieses hier in Nakhl, restaurieren zu lassen. Da sie schon lange nicht mehr richtig bewohnt geschweige denn in Ordnung gehalten worden waren, waren viele dieser Forts eigentlich nur noch Ruinen. Man kann sich wohl unschwer vorstellen, was mit Lehm passiert, wenn er zuweilen kurzen aber heftigem Regenschauern und dann wieder monatelang dem Sonnenschein ausgesetzt ist. Aber auch in Nakhl machen wir nur einen kurzen Stop und fahren weiter zu den heißen Quellen von Ain Thowarah, die ganz in der Nähe liegen. Die Quellen werden durch Regenwasser gespeist, das durch das Kalkgestein sickert, sich dann in großer Tiefe sammelt und dann eben wieder an dieser Stelle aus der Erde gedrückt wird. So ist das Wasser direkt an der Quelle etwa 70° warm. Ein kleines Stück weiter, befindet sich dann ein bei den Omanis beliebter Treffpunkt direkt am Wasserlauf. Dort kann man im Schatten der Bäume sitzen und sein Picknick veranstalten. Auch hier ist das Wasser noch schön warm und einige vor allem Kinder planschen darin. Am heutigen Donnerstag geht es hier im Oman ja ins Wochenende, und so ist zum Zeitpunkt unseres Besuchs um die Mittagszeit bereits reger Betrieb hier.

Unser eigentliches Ziel heute ist aber Nizwa. Und Nizwa liegt auf der anderen Seite des Hajar-Gebirges, das sich von Musandam bis hinunter nach Sur erstreckt. Wir fahren dazu in das Wadi Bani Awf hinein. Auf dem Weg dorthin überqueren wir ein anderes Wadi. Unser Fahrer meinte dabei, hier hätte es gestern geregnet und das Wadi wäre zu einem richtigen Fluss – mit fließendem Wasser – geworden. Heute sieht man nur noch ein paar stehende Tümpel. Das Wadi Bani Awf ist völlig trocken. Es wurde eine Schotterstraße in das Wadi hinein gearbeitet. Wir kommen zeitweise wie durch einer Schlucht, die an den Seiten mit Palmen bewachsen ist. Ab und zu kommen uns andere Jeeps entgegen, aber ansonsten sieht man nur wenige Spuren von Menschen. Einige der Berge schimmern ein bisschen grünlich, was an dem enthaltenen Kupfer liegt. Schon im dritten Jahrtausend von Chr. hat man im heutigen Oman Kupfer abgebaut und verschifft. Heute gehört Kupfer neben Öl und Gas immer noch zu den wichtigsten Rohstoffen des Landes. Der Oman ist aber im Gegensatz zu Ländern wie Brasilien oder Australien fast noch weniger als ein Zwerg im weltweiten Erzhandel. Auch an einem kleinen Friedhof kommen wir entlang. Er scheint völlig verlassen von jeder Art von menschlicher Behausung zu liegen. Aber das ist eigentlich auch nicht wirklich verwunderlich. Hier begräbt man seine Toten im Sitzen nur in ein Tuch gehüllt und stellt je nach Geschlecht zwei Steine bei Männern und drei bei Frauen darauf. Diese Steine werden weder wie bei uns beschriftet noch sonst irgendwie kenntlich gemacht. Lediglich an der einheitlichen Ausrichtung der Steine nach Mekka erkennt man überhaupt, das es sich um einen Friedhof handelt, auch die Toten werden übrigens in diese Richtung ausgerichtet. Eine Grabpflege wie bei uns kennt man nicht, ja es ist nicht einmal erlaubt die Gräber der Angehörigen zu besuchen. Es gibt eine unbegrenzte Grabruhe, eine Wiederbelegung eine Grabstelle ist im Gegensatz zu unseren Geflogenheiten ebenso verboten wie eine Feuerbestattung. Im Islam begleiten traditionell im Trauerzug nur Männer den Toten, Frauen nicht einmal der Ehefrau ist das gestattet. Dafür gilt es als Ehre den Sarg ein Stück tragen zu dürfen, so begleiten zuweilen auch Passanten den Trauerzug, da man sich davon die Sündenvergebung erhofft. Im arabischen Raum erzählt man sich ja bekanntlich viele Geschichte, und genau hier wird auch das Andenken an die Toten hoch gehalten. Man pflegt nicht ein Grab mit Blumen sondern spricht mit den Enkeln und auch Urenkeln über die Vorfahren. So können heute selbst kleine Schulkinder zuweilen ganze Ahnenreihen aufzählen und etwas zu deren Leben berichten.

Aber wir wollten ja nicht auf einen muslimischen Friedhof sondern nach Nizwa. Auf unserem Weg über die Berge geht es auf Schotterpisten fast bis auf 2000m Höhe hinauf. Oben in den Bergen kamen wir auch an der Oase Bilad Said vorbei. Sie liegt mitten zwischen den Bergen. Sie hat mit ein paar hundert Einwohnern eine eigene Schule und seit sieben Jahren auch Strom, wie praktisch jede Siedlung im Oman. Das wichtigste aber ist ständig frisches Wasser zu haben. Und an diesem Ort leben seit über 3000 Jahren ununterbrochen Menschen, da es eben eine sehr gute und vor allem sichere Quelle gibt. Zur Zeit unseres Besuchs sieht man ein paar hundert Meter unter unsere Piste unzählige Menschen auf den Terrassenfeldern des Ortes arbeiten. Es ist alles Handarbeit und die Parzellen entsprechend klein. Man sieht aber auch hier das System an Gräben für die Bewässerung. Nun erwartet man für die nächsten Tage Regen, und so ist es eben wichtig die Felder zu bestellen.

Ein kleines Stück weiter steht ein alter Mann am Wegesrand. In der Umgebung sieht man nur etwa 500m entfernt und etwa 50m tiefer gelegen ein kleines weißes Häuschen (allerdings auch noch ohne Strom, da alleinstehend), das kaum mehr Platz als für ein Zimmer zu bieten scheint. In der unmittelbaren Umgebung sieht man noch eine handvoll Ziegen und ansonsten: Nichts. Da in unserem Fahrzeug noch ein Platz ist, nehmen wir ihn ein Stück mit. Er unterhält sich mit unserem Fahrer auf Arabisch, wie er uns später berichtet hat, tauscht man die neuesten Nachrichten aus. Nach einigen Kilometern gibt er unserem Fahrer ein Zeichen, und steigt wieder aus – ebenso an einem scheinbar verlassenen Ort. Aufgrund seiner äußeren Erscheinung hätte wohl niemand in Deutschland den Mann mitgenommen, aber im Oman herrschen diesbezüglich anscheinend ganz andere Sitten und Gebräuche. Vielleicht ist auch das ein Ausdruck der ausgeprägten Sicherheit in diesem Land.

Kurz nach dem der Mann ausgestiegen ist, sind wir buchstäblich über den Berg. Die Abfahrt verläuft sehr viel sanfter und das Gelände senkt sich eher ab, als das es steil abfällt. So gibt es hier dann auch wieder geteerte Straßen. Unser Weg führt uns auch an Al Hamra vorbei. Hier gibt es noch einen alten Ortskern aus zum Teil mehrgeschossigen Lehmhäusern, die zum Teil auch heute noch bewohnt werden. Wobei hier eher die Gastarbeiter leben, die Omanis selbst leben in neuen Häusern mit Strom und Wassertank. Viele dieser alten Lehmhäuser sind teilweise verfallen. In einigen Ecken liegt auch etwa Müll herum und zuweilen gibt es auch ein gewisses Maß auch Geruchsbelästigung, man könnte wohl auch sagen es stinkt. Aber immer noch haben viele der Häuser die zum Teil reich verzierten Holztüren. Natürlich haben auch die schon bessere Zeiten gesehen, aber noch heute werden aus den alten Häusern die Türen ausgebaut und aufgrund der filigranen Zierarbeiten als Tischplatten für viel Geld ins Ausland verkauft. Auf dem Weg aus dem Ort heraus machen wir noch Halt bei einem Bäcker. Mit unserer Reiseleiterin drängen wir uns mit acht Personen vor dem Verkaufstresen auf kaum mehr als 3 qm. Wir schauen erst einmal nur auf das Warenangebot. Es gibt allerhand in den Geschmacksrichtungen süß bis sehr süß. Dabei ist es dann allein schon wegen der Temperaturen weniger Schokoladen als Honig und sirupähnliches was zum Süßen benutzt wird. Ein Ernährungsberater würde wahrscheinlich sagen, die Kalorien, die da raus schauen, reichen für eine ganze Woche als Leckerei. Aber nun gut hierzulande mag man es eben so. Der Mann hinter dem Tresen erklärt auf Nachfrage, um was es sich dabei handelt und was so grob in dieser oder jener Leckerei enthalten ist. Zwischendurch kommt noch ein Mann mit seinem kleinen Sohn in den Laden, macht nach Absprache mit dem Kleinen seine Bestellung bezahlt und geht mit einem Grinsen wieder. Auch der Ladenbesitzer regt sich nicht auf, das wir seinen Laden „voll stellen“ und nicht zu einer Entscheidung kommen können, ob und wenn ja was wir kaufen wollen. Er fragt höchstens noch woher wir kommen und plaudert freundlich weiter. Auch das ist vielleicht ein Beispiel wie entspannt man hier lebt, Hektik und Stress ist eben nichts für die arabische Seele.

Da wir ja auch heute wieder viel auf den Straßen und Pisten unterwegs sind, ist es vielleicht auch mal ein guter Zeitpunkt über den Verkehr hier zu berichten. Man findet viele Kreisverkehre, die meisten davon sind zweispurig. Dabei wird auch schon mal von der inneren Spur direkt die Ausfahrt genommen. Als Deutscher vermutet man ja, dass es dann öfters zu Unfällen kommen müsste, aber es klappt erstaunlich gut damit. Ampeln findet man nur in den größeren Städten an den großen Kreuzungen. Die Geschwindigkeit ist überall auf höchstens 120 km/h begrenzt. Es gibt Blitzerkästen, aber auch hier gibt es wohl die „plus 20“ Regel, die die Fahrer dann beachten. In den Städten und an Gefahrenstellen arbeitet man auch wie etwa in Jordanien mit den „Sleeping Policemen“, das sind etwa 20cm hohe geteerte „Hubbel“ auf der Straße. Die schütteln auch einen Jeep gehörig durch, wenn man darüber zu schnell hinweg fährt. Insgesamt kann man sicherlich sagen, dass die Verkehrsteilnehmer erstaunlich entspannt miteinander umgehen. Man verzichtet schon mal auf seine Vorfahrt und wildes Gehupe gibt es überhaupt nicht. Auf den Highways gibt es kaum Leitplanken, auch nicht wenn man durch Ortschaften fährt. So ist dann die Auffahrt quasi überall. Damit bekommen die Highways eher etwa von unseren Bundesstraßen. An Fahrzeugen findet man vor allem PKW und LKW. Große Reisebusse finden sich seltener, sind aber für die Straßen hier, die zuweilen auch mal über ein Stück Schotter führen nicht unbedingt geeignet. Von den zahlreichen reinen Schotterpisten in den ländlichen Gebieten will ich da noch gar nicht anfangen. Einen öffentlichen Nahverkehr oder eine Eisenbahn gibt es nicht. Es gibt einige Routen von Überlandbussen, die die großen Städte verbinden, aber ansonsten höchstens Taxis, und auch die nur in den größeren Städten. Wie ich ja schon berichtet hatte, gibt es in Khasab kein einziges. Trotz der großen Wärme in dem Land gibt es aber schon ein paar Motorräder oder Fahrradfahrer. In ähnlich warmen Ländern ist mir deren Fehlen aufgefallen, aber hier fällt mir fast schon auf, dass es welche gibt. Das mit den Fahrrädern mag vielleicht auch ein bisschen an der Nähe zu Indien und den Gastarbeitern im Land aus dieser Gegend liegen. Am Ende jeder Straße liegt immer auch ein Ziel, und so erreichen wir am Abend auch unser Ziel in Nizwa.