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15. Tag         23.08.2013 – Terkhiin Tsagaan nuur

Heute gilt es vor allem Strecke zu machen. Da eine Mitreisende heute die Rundreise abbricht, muss ein Jeep sie zuerst zurück nach Tsetserleg bringen. Von dort wird sie mit einem öffentlichen Bus die rund 500km bis nach Ulan Bator zurück fahren und am morgigen Samstag von dort nach Hause fliegen. Bis der Fahrer alles entsprechend mit dem Ticket geregelt hat, und sie sicher im Bus sitzt, dauert es etwas. So kommen wir erst gegen 8.45 Uhr los. Zusätzlich wird heute der erst vor zwei Tagen dazu gekommene russische Kleinbus wieder ausgetauscht. Er hatte massive Probleme an allen Steigungen mit dem zu heißen Kühler, aber auch auf ebenen Passagen mit dem Tempo, was aber natürlich nicht zuletzt wegen der Verhältnisse nicht mit dem zu vergleichen ist, was bei uns unter zügigem Fahren zu verstehen wäre. Das Fahrzeug hatte schlicht schon Problem mit 60km/h auf der Teerstraße. Unser neues Fahrzeug ist ein Kleinbus aus südkoreanischer Produktion. Da dieser mehr Sitzplätze hat, wechsle ich vom japanischen Jeep in den Kleinbus. So müssen sich auch nicht mehr 4 Personen der mongolischen Begleitmannschaft auf den Rücksitz quetschen, wie in den letzten beiden Tagen. Seit wir den 20-Sitzer abgegeben haben, in dem zuletzt auf den hinteren Plätzen unser Gepäck transportiert wurde, sind schlicht die Sitzplätze etwas knapp geworden. Ein Umstand den die örtliche Reiseagentur in Ulan Bator zu verantworten hat. Gleiches gilt auch grundsätzlich für den Umstand, dass die Fahrzeuge nicht der Ausschreibung entsprachen.

Unser erster Stopp heute ist am Taikhaar chuluu bei Ikhtamir. Es handelt sich dabei um einen Fels-Monolithen. Ihm haben die Menschen in diesem Gebiet offensichtlich bereits seit Jahrtausenden eine große Bedeutung beigemessen. An ihm befinden sich einige sehr alte Inschriften. Heute sind diese zunehmend durch neue überlagert. Man könnte auch weniger zurückhaltend formulieren, dass der Taikhaar chuluu zunehmend mit Grafiti beschmiert wird. In diesem Bereich fahren wir auf einer guten Teerstraße, so kommen wir sehr gut voran, wegen der Teerstraße ist es natürlich ein großer Vorteil, jetzt nicht mehr auf den zweiten russischen Kleinbus warten zu müssen. Unser Cheffahrer mit dem anderen baugleichen Fahrzeug quetscht alles aus seinem Auto raus, er hat zwar auch leichte Probleme mitzuhalten, kommt damit aber deutlich schneller voran. So haben wir auch schon zur Mittagszeit den nächsten Haltepunkt erreicht. Am Ende der Teerstraße kommen wir über eine Brücke über den Chuluut gol. Der Fluss hat sich durch das Lavagestein eine bis zu etwa 50m tiefe Schlucht gegraben. Dabei erscheint die Fläche aus der Entfernung wie eine große Ebene. Erst als wir praktisch direkt an der Schlucht sind, erkennt man sie überhaupt als solche. Noch weit aus bizarrer sind aber die Lärchen, die in diesem Gebiet stehen. Der Wald besteht praktisch nur aus Lärchen, bei uns würde man wohl von einer Monokultur sprechen, ist hier aber natürlich. Lärchen sind relativ anspruchslos und kommen ganz offensichtlich auch mit der kürzen Vegetationszeit relativ gut zurecht. Sie wachsen wegen der klimatischen Bedingungen entsprechend langsam. Die Bäume sind auch deshalb in der Höhe relativ klein. An einem gefällten Stamm von vielleicht 50cm Durchmesser kann man ihr Alter fast nur erahnen. Auf der Breite eines Fingers zählen wir 25-30 Jahresringe, was wegen der sehr dünnen Ringe kaum sauber zu zählen ist. Nicht wenige der Stämme weisen auch Blitzschäden auf. Wobei die Bäume auch die Widerstandsfähigkeit praktisch aller Lebewesen in dieser so lebensfeindlichen Umgebung symbolisieren. Nicht wenige Lärchen haben schwere Brandschäden davongetragen. Schlagen dann neu aus und bilden einen neuen Stamm aus. Hier steht auch der traurige Rest eines von den Mongolen verehrten Baums - der Baum der 100 Äste. Manche meinen, der sehr alte Baum ist schon früher von einem Blitz getroffen worden, und hat anders als die anderen nicht nur einen neuen Stamm ausgebildet, sondern hat viele Äste ausgebildet. Eben wegen dieser Widerstandsfähigkeit verehrten die Menschen ihn. Vor vielen Jahren ist er dann erneut von einem Blitz getroffen worden, ist aber wieder weiter gewachsen, was die Verehrung nur noch mal gesteigert hat. Es bildete sich einer der typischen Ovoos. Dort werden nicht nur die Gebetstücher als Opfergaben für die Götter gegeben, sondern auch allerhand anderer Gegenstände. Zu ihnen gehören auch kleine Öllampen, und genau die haben ihn vor etwa sieben Jahren dann das Leben gekosten. Bei einem weiteren Blitzschlag haben sich diese entzündet und den Baum endgültig verbrannt.

An diesem netten Ort machen wir auch unsere Mittagpause. Zu diesem Zeitpunkt haben wir bereits 100km geschafft, ein fast sensationelles Ergebnis. Aber natürlich vor allem der guten neuen Teerstraße geschuldet, die ja nach einem Plan der Regierung schon bald alles Aimag-Zentren mit Ulan Bator verbinden sollen. Auf dem weiteren Weg sieht man auch schon einen teilweise meterhohen Schotterwall, der die Grundlage für die zukünftige Straße bilden soll. Nur fährt in seinem jetzigen Zustand noch praktisch niemand auf ihm, da er von unzähligen kleinen Schlaglöchern überseht ist. So werden eben neben der zukünftigen Straße unzähligen Fahrspuren „eingefahren“. Auf einer dieser Fahrspuren sind wir auch unterwegs, als es plötzlich kurz scheppert und unser Kleinbus hinten links deutlich absackt, und wir eine ordentliche Bremsung hinlegen. Die Verbindung von der Blattfeder zum Stoßdämpfer ist abgerissen. Etwa 100m weiter steht eine Jurte. Unser Fahrer inspiziert den Schaden und beginnt mit einem der anderen Fahrer zu telefonieren. Es ist schon erstaunlich, wie gut das Mobilfunknetz in einem so riesigen Land funktioniert. Inzwischen gibt es etwa 2,6 Millionen Mobiltelefone in Mongolei, also haben statistisch gesehen 80% der Mongolen, vom Kleinstkind bis zum Greisen, eins. Hier in der direkten Umgebung gibt es außer ein paar Jurten praktische keine Menschen, aber das Mobilfunknetz ist stabil. Unser Fahrer bestellt bei einem der anderen Fahrer zwei Metallbügel. Darauf geht unser Fahrer zu der Jurte hinüber und kurz darauf fährt ein Junge mit dem Moped los, um die beiden Bügel in der etwa 20 Fahrminuten entfernten nächsten Ortschaft zu holen. Der Junge ist 13, sieht aber eher wie 8 oder maximal 10 aus. Wobei die Schätzung natürlich mit Vorsicht zu genießen ist. Ich habe nicht unbedingt ein Auge dafür, und noch dazu kommen Mongolen eben aus einem anderen Kulturkreis. Einen Führerschein hat er natürlich nicht, aber reichlich Fahrpraxis. Der Großvater lädt uns in die Jurte ein und bietet uns warme Kuhmilch und Schwarzen Tee an. Dazu gibt es auch noch eine Art getrockneten Quark. Über die Kuhmilch bin ich einigermaßen glücklich, denn Stutenmilch ist für meine Geschmacksnerven dann doch sehr gewöhnungsbedürftig. Der Schwarze Tee wird in einem großen Topf auf dem Ofen, in dem ständig in der Jurte brennenden Feuer zubereitet. Wir haben besonderes Glück ihn überhaupt anzutreffen, denn eigentlich lebt der Großvater mit seinen drei anwesenden Enkeln in der Stadt und nicht hier draußen in der Steppe, bei seinen etwa 500 Schafen und Ziegen, und dazu noch etwa 60 Kühen. Draußen sieht man auch zahlreiche der Quarkstücken, die in der Sonne trocknen. Anfangs ist er wegen eines Fotos etwas reserviert, später aber doch sehr bereitwillig. Er bittet dann aber um einen Papierabzug, den wir an seine Postadresse in der Stadt schicken möchten. Bei der Postadresse handelt es sich um ein hier übliches Postfach. In der Mongolei wird nicht wie bei uns die Post täglich zugestellt, sondern bei der nicht immer regelmäßig geöffneten Post im nächstgelegen Zentrum abgeholt. Wobei uns unser mongolischer Guide die Adresse in kyrillischer Schrift aufschreibt, damit die Post später auch wirklich ihren Weg in der Mongolei machen kann. Noch während wir beim Tee sitzen, hat unser Fahrer das Auto repariert. Wer in der Mongolei ein Auto fährt, ist eben fast automatisch auch Mechaniker. Die ganze Reparatur hat inklusive der Beschaffung der Teile etwa 75 Minuten gedauert. Dazu war es auch nötig, die hintere Sitzbank los zu schrauben, da die dafür benutzten Schrauben für die Befestigung der Metallbügel gebraucht wurden, die vor Ort auch noch ein bisschen „nachjustiert“ werden mussten. Für die Sitzbank taten es schließlich auch ein paar etwas dünnere Schrauben, die sich noch in der Werkzeug- und Ersatzteilkiste des Autos fanden. Beim Abschied lädt uns noch der Großvater ein, bei unserer Rückkehr in zwei Tagen wieder bei ihm vorbei zu schauen.

Wir fahren aber einstweilen mit flottem Tempo in Richtung Tamir, die nächste Ortschaft, von wo auch die Ersatzteile für unseren Kleinbus her beschafft worden sind. Hier befindet sich auch der Eingang zum Nationalpark Khorgo Terkhiin Tsagann nuur. Der erste Teil Khorgo ist der Name des Vulkans, den wir heute noch besuchen wollen. Mit vollem Namen heißt er dann Khorgo uul. Sein Gipfel ist etwa 2400m hoch. Mit geländegängigen Fahrzeugen kann man einen Parkplatz unterhalb des Gipfels ansteuern. Dort kann man noch Schwarzen Tee und andere Kleinigkeiten kaufen, bevor man den Anstieg von geschätzt 150 – 200 Höhenmetern in Angriff nimmt. Oben angekommen kann man in den etwa 100m tiefen Vulkankrater schauen. Er hat einen Durchmesser von etwa 200m. Ihn kann man auch recht einfach umrunden. Der Vulkankegel selbst ist gut erhalten, obwohl die letzte Eruption bereits rund 8000 Jahre zurück liegt. In unmittelbarer Nähe kann man immer noch das alte Lavafeld erkennen. Heute befindet sich auf dem sich deutlich schwarz abhebenden Bereich ein Lärchenwald.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Vulkan befindet sich der Terkhiin Tsagaan nuur, was übersetzt soviel wie Weißer See bedeutet. An ihm werden wir heute auch wieder Jurten beziehen. Das verspricht eine etwas wärmere Nacht als die Letzte. In der Nacht hatten Mitreisende im Zelt eine Temperatur von 7,8°C gemessen, vor dem Zelt war es entsprechend noch etwas kälter. Die Jurten hier im Ger „muffeln“ auch nicht so, wie im letzten in Karakhorum. Dafür kommt aber auch niemand, der ein Feuer im typischen Ofen entfachen will. Es wäre aber auch ohnehin kein Holz da, nur ein paar kleine Holzstückchen zum entfachen. Dafür findet sich aber auch wieder eine warme Dusche im Sanitärgebäude des Ger. Die übrigens je nach eigenem Gusto benutzt werden kann, als wir ankommen gibt es warmes Wasser und auch am nächsten Tag soll es zur Verfügung stehen. Im letzten Jurtencamp gab es dafür genaue Zeiten. Und dann ist da natürlich noch die Aussicht. Ich wohne „nur“ in der zweiten Reihe. Aber bis zum See sind es keine 50m. Einen Strand gibt es nicht, lediglich einen kleinen Streifen Kiesel, aber zum Baden ist mir der See auch ohnehin eindeutig zu kalt. Das geht nicht allen so, aber mir reichen eindeutig nasse Füße und später die warme Dusche. Nach dem Abendbrot genieße ich noch ein „Schlummer-Bier“, es gibt nur die üblichen 0,5L Dosen. Aber in der Jurte ist dann noch länger nicht an Schlaf zu denken. Auch in der Mongolei ist heute Wochenende, und meinen Nachbarn ist ganz offensichtlich noch nicht nach Schlafen zu Mute. Ich denke noch so über den Tag nach, und mir fällt auf, trotz der Panne, die in Deutschland wohl zwei Tage in der Werkstatt bedeutet hätten, sind wir gut mit dem Zeitplan zu recht gekommen. Und das auch ohne, dass etwas auf später oder gar nicht möglich verschoben werden musste. Das gibt Hoffnung für die kommenden Tage. Schließlich ist der Weg zurück nach Ulan Bator noch lang.