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10. Reisetag    29.07.2012 – Zufallhütte

Heute ist es dann wieder vorbei mit der Faulenzerei. Um 10 Uhr muss ich mein Zimmer räumen. Der Treffpunkt für die neue Gruppe, mit der ich die nächste Woche wandern möchte, ist hier um 13 Uhr in meinem Hotel. So packe ich mein Zeugs in meinen viel zu vollen und schweren Rucksack und setze mich in die Lobby, um ein bisschen zu lesen. Nach und nach treffen auch die anderen Gruppenmitglieder ein. Wegen leichter Probleme bei der Anreise bzw. das Auto irgendwo zu parken, geht es leicht verspätet los. Davor prüft unser Bergführer noch mal das Gewicht der Rucksäcke und die Schuhe auf Tauglichkeit. Auch er befindet meinen Rucksack als zu schwer, was mich nicht überrascht. Aber ich mache mir eigentlich auch keine Sorgen darum, denn mit dem Rucksackgewicht hatte ich bis hier keine Problem, und auch meine rechte Schulter, wegen der ich vor der Reise ein bisschen Bedenken hatte, bereitet mir keine wirklichen Probleme.

Als kleine Einstimmung auf die kommenden Tage geht es auf einen der Waalwegen rund um Meran los. Das Tal in dem Meran liegt, wird, wie ja schon mal gesagt, von der Sonne verwöhnt. Wie ich auch gestern schon von oben gesehen habe, wird im ganzen Tal Obst angebaut. Schon früh wurden zur Bewässerung der Anbaugebiete im Tal Wasserläufe angelegt – die sogenannten Waale. Sie gehen auf das 13. Jahrhundert zurück und sind teilweise noch heute genau so in Betrieb, teilweise aber auch erneuert, die Struktur ist aber bis heute weites gehend unverändert. Mit Hilfe der Waale wurde dann die Wasserzufuhr auf die Felder nach einem festen System und Zuteilungsquoten geregelt. An den Waalen verlaufen auch zahlreiche Wege, auf denen wir jetzt unterwegs sind. Da es hier im Tal sehr warm ist, dauert es auch nicht lange, bis bei mir der Schweiß läuft, und das obwohl wir hier oberhalb von Meran meist im Schatten unterwegs sind.

Nach einer kleinen Rast in einem Biergarten geht es mit Kleinbussen rüber ins Marteltal, wo wir über zahlreiche Serpentinen bis zur Materialbahn der Zufallhütte fahren. Nach den etwa 400m, die Meran über dem Meeresspiegel liegt, sind es hier bereits rund 2000m. Auch hier werden die Rucksäcke beim ersten Aufstieg wieder mit der Materialbahn nach oben gebracht. Dabei ist es hier nur ein kurzer Weg von vielleicht knapp 45 Minuten bis zur Hütte. Auch wenn wir wegen leichter Probleme beim Transport mit den Kleinbussen hier her schon ein bisschen spät für das Abendessen dran sind. Nach dem wir uns auf der Hütte gestärkt haben, beziehen wir unsere Zimmer. Hier hat jeder ein richtiges Bett, was gegen die Matratzenlager der ersten Nächte schon angenehmer ist, und in unserem Zimmer schlafen auch nur 6 Personen. Dass die Betten nicht eben übermäßig lang sind, stört da kaum, denn Platz ist auf den Hütten eben kostbar. Als alles für die Nacht bereitet ist, gönnen wir uns noch das obligatorische Hefeweizen. Ulli, der Hüttenwirt, erzählt noch ein bisschen was zum Obstanbau im Tal, da er früher selbst Obstbauer war. Er berichtet, dass die neueren Sorten auf eine längere Genießbarkeit gezüchtet werden. Also länger gelagert und dann anschließend auch noch länger genießbar bleiben, ohne auf dem Weg zum Endverbraucher noch nachzureifen oder im Geschmack nachzulassen. Er weiß auch zu berichten, das etwa 10% der in der EU verzehrten Tafeläpfel hier aus Südtirol kommen, aber für die Vermostung wenn überhaupt hier nur beschädigte Ware benutzt wird, zum Teil gehen diese auch in die Babynahrung. Da dafür unbeschädigte und gleichmäßige Ware eher eine untergeordnete Rolle spielen. Inzwischen werden hier auch einige Sorten biologisch angebaut. Was aber nicht heißt, dass diese nicht behandelt werden, nur eben nicht mit synthetischen Substanzen, sondern beispielsweise mit kupferhaltigen. Diese Anbaumethode erfordert auch, dass die Obstbäume öfter behandelt werden müssen, um gute Qualitäten zu erzeugen. Das wäre produktionstechnisch kein Problem mehr beim biologischen Anbau gleichmäßige Ware zu erzeugen, nur ist dieses eben arbeitsintensiver. Der Markt für Bioprodukte ist aber inzwischen so gesättigt, dass bei bestimmten Sorten in normalen Jahren bereits 30% der Bioäpfel als konventionelle Produkte verkauft werden, um auf der anderen Seite kein Preisdumping zu entfachen. Eigentlich ist das Tal um Meran ideal um Bioprodukte zu erzeugen, da hier das Klima sehr mild und gleichmäßig ist. Dazu fällt relativ wenig Niederschlag, was die Gefahr von Pilzbefall fördern würde. Gleichzeitig eine Bewässerung aber sehr kostengünstig möglich ist. Und doch ist er heute lieber Hüttenwirt als Obstbauer.