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15. Reisetag          Gorelij – 24.08.2018

Heute heißt es früh aufstehen. Geplant ist 5:00 Uhr, OK ich bin ein paar Minuten hintendran, aber die Abfahrt ist ohnehin erst für 6:00 Uhr geplant, und wird dann auch noch ein bisschen später. Wie das eben bei Gruppen immer so ist, irgendwer kramt immer noch herum. Womöglich weil er/sie noch etwas geringfügig modifizieren möchte, und sei es die Befestigung der Gamaschen. Wir fahren mit dem Kamaz zum Geothermalkraftwerk, in dem Strom erzeugt wird. Hier ist noch mal das gleiche Phänomen, so geht es dann erst ca. 7:45 Uhr tatsächlich los. Unser Ziel ist heute der Krater des Mutnovskij auf einer Höhe von ca. 1600m. Wir schlagen einen Halbkreis um das Kraftwerk, was übrigens eine ordentliche Geräuschkulisse produziert. Die Arbeiter sind 14 Tage hier, um dann 14 Tage bei ihren Familien zu sein. Betrieben wird das Kraftwerk derzeit von der amerikanischen Firma Aecom, die sich auf den Betrieb von öffentlichen Bauwerken spezialisiert hat. Darunter sind Flughäfen, Gefängnisse und eben auch einige Kraftwerke wie hier. Der Einsatz von erneuerbaren Energien hat insbesondere mit der Wasserkraft vor allem in den 50er und 60er Jahren des 20 Jahrhunderts in Russland eine lange Tradition. Auch wenn wegen der eigenen großen Vorkommen an Kohle, Öl und Erdgas diese lange weniger aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit oder gar aus ökologischen Gründen ausgebaut wurde, es war eher eine gerade im fernen Osten im Überfluss vorhandene Ressource, die nicht aufwendig zu den Orten mit entsprechendem Bedarf transportiert werden musste, sondern einfach verfügbar war. Das erste Geothermalkraftwerk wurde auch bereits im Jahre 1966 in Pauzhetka hier auf Kamtschatka gebaut. Dann blieb es lange ruhig um diese Energiequelle. Im Jahre 1997 erhielt die russische Firma Geoterm einen Kredit von 99,9 Millionen Dollar von der Europäischen Entwicklungsbank. Zunächst errichtet man am Mutnovskij einen Kraftwerksblock mit einer Nennleistung von 12MW, es folgte dann Anfang des Jahrtausends noch ein weiterer mit 40MW. Insgesamt verfügt Russland über eine Kapazität von 79MW, die sich komplett in Kamtschatka befindet. Insgesamt wird das Potential auf ca. 5000MW allein in Russland geschätzt, überhaupt wird am pazifischen Feuergürtel in vielen Ländern auf diese gleichmäßig zur Verfügung stehende Energiequelle zurückgegriffen. In Russland befindet sich, wie man den vorher genannten Zahlen entnehmen kann, rund 2/3 der genutzten Kapazität in der Kraftwerksanlage am Mutnovskij. Die Energie wird über 17 Bohrlöcher gewonnen, aus denen das heiße Wasser austritt, über Wärmetauscher wird dann die Energie gewonnen, und das dann relativ kalte Wasser über sechs weitere Löcher wieder am Vulkan versenkt, wo es sich in der Tiefe wieder erhitzt, und der Kreislauf beginnt von vorne. Das Kraftwerk deckt übrigens rund 30% des Strombedarfs auf Kamtschatka. In unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk befindet sich ein ehemaliges Hotel, das eigentlich für zahlungskräftige Touristen gedacht war. Sich aber nicht recht durchsetzen konnte, man könnte auch sagen, es war ein völliger Fehlschlag. Gelegentlich machen hier Trainingsgruppen von russischen SKI-Leistungskadern Station. Aufgrund des Klimas liegt hier früh Schnee, und dann auch bis April / Mai hinein. Heute wird das ehemalige Hotel vor allem als Herberge für die Arbeiter des Thermalkraftwerks genutzt. Es dürfte damit wohl zu den luxuriösen Unterkünften von russischen Arbeitern gehören.

Auch auf dem weiteren Weg zum Mutnovskij Krater begleiten uns noch Zeichen des Kraftwerks. Man sieht einige der Bohrungen, aus denen es zischt und dampft. Sie bilden ein bisschen eine Geräuschkulisse einer viel befahrenen Bundesstraße. Gefühlt laufen wir in einer sehr sanften Steigung um den halben Berg herum, in Wirklichkeit ist es nicht ganz so weit. Erst nachdem wir ein größeres Schneefeld überquert haben, geht es ein bisschen steiler bergauf. Aber auch das ist gut erträglich. Es geht über einen kleinen Kamm, und dann wieder über eine Querung eines kleinen Schneefelds durch eine kleine Schlucht in den Krater des Mutnovskij hinein. Eigentlich sind es insgesamt vier Krater, die sich wie an einer Perlenkette aufreihen. Im ersten Krater gibt es kaum Fumarolen, dafür aber größere Schneefelder, die teilweise vergletschert sind. Diese Felder sind noch deutlich mit Sand und feinem Geröll bedeckt, was ihnen in der noch scheinenden Sonne eine gelbliche Farbe gibt. Der zweite Krater ist deutlich höher gelegen und man erkennt von unten die deutlich blauschimmernden Gletscherflächen, dazu Fumarolen die in unmittelbarer Nähe ihre heißen Gase ausstoßen. Ein etwas seltsamer Anblick. Ein kleines Stück weiter am Weg, der sich durch die verschiedenen Krater, die zusammengenommen ein langgezogenes Tal im Zentrum des Berges bilden, kommt man an sehr aktiven Fumarolen vorbei, die allerhand schweflige Gase ausstoßen. An ihnen kann man unmittelbar vorbeigehen, und so auch die vom Schwefel gelblich gefärbten Öffnungen deutlich erkennen. Das direkte Umfeld dieser Fumarolen ist mit einer dicken grauen Schicht bedeckt. Unser Weg führt uns weiter über ein Schneefeld, unter dem sich vermutlich auch ein Gletscher befindet, der das Aussehen des Tales maßgeblich beeinflusst haben dürfte. Am Ende des Anstiegs sieht man dann in einen mit Schnee und Eis bedeckten Kegel, dessen Zentrum ein kleiner türkisfarbene See bildet, den dritten Krater. Der vierte und letzte Krater liegt in unmittelbarer Nähe, um in ihn hinein sehen zu können, muss noch eine kurze steile Passage an einem alten Tau überwunden werden. In diesem Krater werden die deutlich meisten Gase ausgestoßen, deren Schwefelwasserstoff ist deutlich von weitem am Berg zu sehen, und bildet die für den Mutnovskij so typische aufsteigende Qualm Wolke, die ihn so markant macht. Je nach Windrichtung sind es aber auch die gleichen Gase, die einem unangenehm ins Gesicht schlagen, sobald man die kurze steile Passage überwunden hat. Immerhin ist es das Ziel der heutigen Tageswanderung. Wir haben dabei rund 13 km und 800 Höhenmeter zurückgelegt, und wegen für meinen Geschmack zu vielen und zu langen Pausen fast 7 Stunden gebraucht. Zugegeben ist heute Vormittag der Himmel auch meist wolkenlos gewesen, und lädt damit natürlich auch zu zahlreichen Fotostopps ein. Auf dem Rückweg machen wir noch nach dem Ausgang aus der Kraterkette einen kleinen Schlenker zu einer nahegelegenen Schlucht, in der sich der Namensgeber des Mutnovskij in einen ca. 90 m hohen Wasserfall hinabstürzt. Bei dem Wasser handelt es sich um Schmelzwasser, das zahlreiche Sedimente transportiert, und dabei fast ein bisschen wie „plöriger“ Milchkaffee aussieht. Mutnovskij heißt übrigens übersetzt „der Trübe“, warum er den Namen trägt ist bei dem Wasser nur zu verständlich. Eigentlich bezieht sich das auf eben jenes Wasser, man kann das aber auch auf das hier häufig vorherrschende Wetter beziehen, das ganze Jahr muss mit Nebel und auch teilweise tagelangen Niederschlägen gerechnet werden, die vom nahegelegenen Pazifik hereingedrückt werden, und hier auf den 2322 m hohen Mutnovskij treffen. Vom Wasserfall geht es auf direktem Weg zurück zu dem Pfad, auf dem wir auch hergekommen sind. Der Rückweg ist insgesamt deutlich zügiger, immerhin geht es ja auch mehr oder weniger sanft bergab. Lediglich in den Schneefeldern ist es ein bisschen anstrengender, zumal der Schnee ein bisschen sulzig ist. Insgesamt kommen so 12,5 Stunden und 29 km zusammen, bis wir zurück beim Geothermalwerk wartenden Kamaz sind. Mit dem geht es dann über die arg rumplige Piste zurück zum Camp, wo schon das Abendessen auf uns wartet, als wir mit der einsetzenden Dunkelheit zurück sind.