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5. Reisetag         11.02.2011 – San Pedro

Auch heute beginnen wir unseren Tag wieder weit vor der Sonne. Um 04.30 Uhr starten wir zu den etwa 100km oder anders ausgedrückt etwa 2,5 Stunden entfernten Geysiren von Tatio. Auch hier hatten wir Glück, wegen der schlechten Wegeverhältnisse konnte man sie in den letzten drei Tagen nicht erreichen. Deshalb werden sicherlich mehr Menschen dort sein, aber immerhin können wir sie überhaupt ansehen.

Die Geysire sind nur bei Sonnenaufgang aktiv, wobei sie nicht meterhohe Fontänen in den Himmel schießen lassen, sie sind da deutlich zahmer und kommen auch an den intensiveren Stellen kaum über 1,5m hinaus. Aber die Lage mit rund 4200m über dem Meeresspiegel ist dafür Rekord. Die Geysire verändern übrigens Jahr für Jahr ihr genaues Auftreten und verändern so auch das Aussehen des Tals, in dem sie sich befinden. Um sie herum sind Kreise mit kleinen Steinen gelegt, die die Sicherheitszone markieren. Denn auch wenn sie nicht so hoch ausbrechen, so ist ihr Wasser doch heiß und kann schwerste Verbrennungen hervorrufen. In den letzten Jahren kam es auch zu mehreren Todesfällen von all zu leichtsinnigen Zeitgenossen. So sind auch heute wieder einige Touristen für ihr ultimatives Foto direkt an einem der zuweilen untätigen Geysire in Position gegangen. Das Phänomen der Geysire entsteht übrigens in dem kaltes Wasser durch Spalten oder auch der Erdoberfläche sickert und dann auf heißes Gestein trifft. Dort erhitzt es sich und tritt dann an der Oberfläche wieder mit ca. 85°C aus. Bei den Tatio Geysiren spielt zusätzlich noch der Luftdruck eine Rolle, was eben dazu führt, dass sie nur von Sonnenaufgang bis etwa 8.30 / 9.00 Uhr aktiv sind. Danach tritt eigentlich nur noch Wasserdampf aus, aber auch der nimmt dann zunehmend ab. Wie auch wir haben zahlreiche andere Gruppen ihr zweites Frühstück, nach einem kleinen Lunchpaket für die Herfahrt, dabei. So findet man in kleineren „Blubberlöchern“ kleine Plastikbeutel mit Eiern oder einer Milchtüte, die hier dann rein biologisch erhitzt bzw. gekocht wird. Die Geysire sind übrigens ebenso wie die Vulkane in Chile, je nach Zählart entfallen etwa 10-15% der weltweit aktiven Vulkane auf das Land, ein Zeichen dafür, das die Anden noch ein sehr junges Gebirge sind, das noch nicht ganz „fertig“ ist, aber die Natur arbeitet daran. Mehr zu diesem Thema werde ich dann später noch mal sagen.

Heute möchte ich noch mal das Thema Lamas aufgreifen. Gestern hatte ich ja schon was zu den Vicunas geschrieben, der kleinsten Art von Lamas. Vor dem Eintreffen der Spanier gab es in den Anden auch praktisch keine größeren Säugetiere in den Anden außer den Lamas. Neben den Vicunas gehören noch die Alpacas, die Lama – gemeint ist eine Unterart mit dem gleichen Namen – und im Süden die Gunacos zu der Gattung der Lamas. Lamas und Alpacas haben wir heute auf der Rückfahrt von den Geysiren gesehen. Wobei mir die Unterscheidung relativ schwer fällt. Beide wurden als Nutztier domestiziert. So haben die von uns gesehenen Exemplare alle bunte „Trottelchen“ an den Ohren, die dienen zur Unterscheidung bzw. Anzeige des Besitzers. Lamas werden meist als Lastentiere aber auch als Lieferant von Fleisch und Milch gehalten. Ihre Wolle ist relativ grob und daher nur von minderer Qualität. Genau das ist dagegen die Stärke der Alpacas. Aber auch ihr Fleisch gilt mancherorts als Delikatesse. Wir haben sie in der Nähe eines kleinen Wasserlaufs gesehen, an dem relativ viel Grün war. Die Tiere befanden sich dabei aber nicht irgendwie auf einer eingezäunten Weide, sondern bewegten sich frei. Alpacas sind in der Statue etwas kleiner und pummeliger. Ihr etwas längeres Fell im Gegensatz zu Lamas ist gelblich-braun bis schwarz-braun. Lamas gibt es zusätzlich in schwarz und weiß. Alle Lama-Arten sind untereinander uneingeschränkt kreuzbar, daher kann heute auch nicht mehr genau gesagt werden, in welcher Reihenfolge die verschiedenen Arte entstanden sind. Allen gemein ist, das sie Fluchttiere sind. Als Verteidigungsmittel haben sie nur Tritte, kurze Bisse und die bekannteste ist wohl ihr Spucken. Carl Martin berichtete in seiner Landeskunde Chile 1923 folgendes: „Sie beißen und vor allem spucken sie abscheulich. Ehe man sich versieht, hat das alberne Tier einen eine mit einer bedeutende Ladung von lauem Wasser, Schleim und halbverdautem Futter übergossen (…)“. Diese Strategie dürfte meines Wissens einzigartig in der Welt sein. Ob sie nachhaltig erfolgreich sein kann, überlasse ich mal der eigenen Phantasie. Also ist die Flucht wohl auch nicht die blödestes Idee. Noch ein kleiner Einschub zur Ernährung der Vicunas. Sie leben ja frei hier in der Atacama Wüste. Auf dem Rückweg fahren wir über eine fast endlose Ebene, auf der man fast das Gefühl hat, sie wäre so planiert worden, in Wirklichkeit haben aber Wind und Wetter sie geschaffen. Hier und da sahen wir auf dem feinen Kieselboden schwarze runde Flecken. Dabei handelt es sich um die Toilette einer Vicunas Herde, die umfasst etwa 15 bis 20 Tiere. Entweder ist es ein Männchen mit seinem Harem oder eine Junggesellengruppe. Nur die stärksten Männchen schaffen es einen Harem zu übernehmen oder eine eigene Herde aufzubauen. Erst nach dem man uns darauf hingewiesen hat, erkennen wir am Boden kleine unscheinbare Pflänzchen, die kaum 2cm mit ihren zwei oder vier Blättern aus dem Boden vorlucken. Sie bilden aber eine der großen Nahrungsquellen der Vicunas in dieser lebensfeindlichen Umgebung. Lamas gehören zur Familie der Kamele und kommen nur in Südamerika vor. Im Gegensatz zu den anderen Kamelen fehlen ihnen die Höcker, sehr ähnlich ist aber die sehr weiche Schnauze.

Bei den Geysiren konnten wir noch Bergviscachas beobachten, sie gehören eigentlich nicht zu den Viscachas sondern zu den Chincillas. Manche bezeichnen sie auch als Hasenmaus, was sie auch schon sehr gut beschreibt. Sie hoppeln wie Hasen und haben auch etwa ihre Größe. Sie erreichen ein Gewicht von etwa 3kg und leben in Familienverbänden von 5 bis maximal 10 Tiere. Ihr Fell ist sehr dicht und weich und von einer gelblich-grauen Farbe. Das auffälligste ist vielleicht noch ihr etwas breiter ein bisschen flacher Schwanz. Die eher am Tage aktiven Bergviscachas verlassen die natürlichen Höhlen und Spalten in ihrem felsigen Lebensraum kaum weiter als 100m. Sie fressen alle Arten von Pflanzen inklusive Moose und Flechten. Sogar Neugeborene können sofort pflanzliche Nahrung aufnehmen. Nach acht Wochen werden die Jungen entwöhnt, ihnen ist aber auch nur eine Lebenszeit von selten mehr als drei Jahren beschienen.

Nach dieser längeren Exkursion durch die Tierwelt zurück zu unserem Tag. Auf der Rückfahrt kommen wir noch an einer Unfallstelle vorbei. Hier hatte sich am Morgen in der Dunkelheit ein Kleinbus auf der Fahrt zu den Geysiren überschlagen. Die Verletzten wurden mit Hubschraubern des Militärs zu einem Krankenhaus geflogen. Der erste Streifwagen ist bereits an der Unfallstelle, ein weiterer triff gerade ein, immerhin ist der Unfall schon über zwei Stunden her. Chile ist hier oben eben eine sehr einsame Gegend, in der Region Atacama leben nur 3,4 Menschen auf einem qkm. Zum Vergleich in Deutschland sind es 229 und in der Hauptstadtregion Chiles über 400. Im Landesdurchschnitt sind es 22. Bei Sonnenlicht betrachtet sieht man nun auch die Umgebung, die durch felsigen praktisch nahezu unbewachsenen Berge geprägt wird. Einzige weithin sichtbare Pflanzen sind die Kakteen. Etwas abseits der Hauptstraße gibt es dann aber doch einen grünen Streifen, die Thermalquellen von Puritama, wo wir gegen Mittag ankommen. Das Wasser plätschert treppenartig durch mehrere etwa 70cm tiefe Becken. Wir haben uns das oberste  ausgesucht, in dem das Wasser ordentliche Badewannentemperatur hat. Hier kann man sich schön im warmen Wasser entspannen. Nur auf die Sonne muss man achten, so sind wir hier immer noch auf etwa 3800m und die Sonne macht einem eben leicht einen „roten Teint“.

Nach den Thermalquellen geht es eigentlich nur noch zurück nach San Pedro, wo wir folglich schon relativ früh am Nachmittag eintreffen. So bleibt auch noch Zeit ein bisschen durch den Ort zu schlendern, bevor wir noch eine Stippvisite im Künstlerdorf machen, was eigentlich eher eine Kette von kleinen Läden ist, in denen mehr oder weniger ähnliche kleine und größere Werke örtlicher Künstler angeboten werden. Aber die Läden haben eigentlich eher den Flair einer Reihenhaussiedlung, aber noch ist der von der Ortsverwaltung gebaute Bereich noch neu, eventuell mag es noch besser werden, wenn sich die Händler ein bisschen „eingelebt“ haben. Für uns geht es von dort in ein hiesiges Restaurant. Wir bekommen einen Platz zugewiesen in einem Lokal, in dem es trotz der für hiesige Verhältnisse noch frühen  Stunde um 20.30 Uhr schon recht voll ist. Wir starten natürlich mit einem Pisco Sour, man passt sich eben an die Landessitten an. Das Essen war sehr schmackhaft, wenngleich die Chilenische Küche nur wenige eigene typische Speisen kennt. Und nach dem wir in den ersten Tagen unserer Reise doch häufig recht früh unterwegs waren, bin ich dann auch irgendwann froh im Bett zu liegen und mal wieder richtig schön zu schlafen.