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20. Reisetag        Windhoek – 22.09.2016

Es geht heute in die Hauptstadt von Namibia - nach Windhoek. Da es wieder über gut ausgebaute Straße geht, geht es erst um 9.00 Uhr los. Die Strecke ist relativ eben, erst ca. 50 Kilometer vor der Stadt kommen wir in die Ausläufer der Berge, die einen Kessel um die Stadt bilden. Mit einem kurzen Zwischenstopp ist die Strecke nach rund dreieinhalb Stunden geschafft. So sind wir gegen 12:30 Uhr im Zentrum an einer der wohl bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Unser erster Anlaufpunkt ist die Alte Feste, die ehemalige Befestigungsanlage der deutschen Schutztruppe im ehemaligen Deutsch Südwest. Der Bremer Kaufmann Lüderitz war einst in den äußersten Südosten des heutigen Namibias an Land gekommen. Er wollte dort einen Versorgungspunkt aufbauen. Zum Schutz seiner Interessen bat er den deutschen Kaiser um eine Schutztruppe, die dieser auch sendete. Der Anfang der deutschen Kolonien. Eben diese Schutztruppe baute ab 1890 die Alte Feste. Eine befestigte Anlage, die auf einem kleinen Hügel erbaut worden ist. Diese konnte von relativ wenigen Soldaten mit ihrer gegenüber den hiesigen Stämmen überlegenen Waffentechnik relativ leicht verteidigt werden. Im Jahre 1912 kam in unmittelbarer Nähe noch ein Reiterdenkmal für die gefallenen Soldaten der Schutztruppe beim Aufstand der Herero und Nama in den Jahren 1903-1907. Im Jahre 2009 wurde es dann das erste Mal abgebaut, um Platz für das geplante namibische Unabhängigkeitsmuseum zu schaffen. Der Deutsche Kulturrat, ein namibischer Verein zur Unterstützung der deutschen Kultur, baute das Reiterdenkmal auf eigene Kosten an einem anderen Ort in der Nähe der alten Feste im Jahre 2010 wieder auf. Immerhin war es zu diesem Zeitpunkt ein Nationaldenkmal. Schon diese erste Verschiebung bzw. der Abbau des Denkmals war innerhalb der Bevölkerung durchaus umstritten. Nicht zuletzt da der Neubau des Museums nach der anfänglichen Bauplanung 60 Millionen Namibiadollar kosten sollte, die Bauarbeiten haben dann aber statt 18 Monaten fast 3 Jahre gedauert. Im August 2013 empfahl der damalige Staatspräsident Pohamba den endgültigen Abbau des Reiterdenkmals. Dieser geschah unter Polizeischutz am 25. Dezember 2013 in einer Nacht- und Nebelaktion. Man stellte das Reiterdenkmal inklusive der dazugehörigen Gedenktafel ein bisschen lieblos im Innenhof der alten Festungsanlage ab. Er steht nicht mehr auf einem Sockel, sondern wird nur noch durch ein paar Verstrebungen vor dem Umfallen bewahrt. Das Reiterdenkmal war einseitig für die im Kampf mit den hier lebenden Stämmen nur für die gefallenen Mitglieder der Schutztruppe und die deutschen Siedler Familien gedacht. Insgesamt geht es dabei um 1701 Person. Von den allein über 70.000 Herero, die bei der brutalen Niederschlagung des Aufstandes und der Vertreibung der Herero in die Wüste ums Leben kamen, wird auf der Gedenktafel kein Wort verloren. Seit ein paar Jahren ziehen sich jetzt schon Verhandlungen über Wiedergutmachungszahlungen hin. Strittig ist hier in Namibia schon, wer denn überhaupt verhandeln darf, und damit wohl auch das Geld vereinnahmen: Die heutige Regierung, oder Vertreter der damals besonders betroffenen Volksstämme der Herero und Nama.Im Jahre 2014 schließlich wurde auch die Alte Feste geschlossen. So ist heute nur noch der Innenhof, auf dem auch das Reiterdenkmal „abgestellt“ wurde, zugänglich. Ursprünglich wurde angekündigt die Anlage für ca. 50 Millionen namibische Dollar restaurieren zu wollen, bis heute verfällt sie nur zusehends. Dafür steht heute ein Denkmal für die gefallenen Angehörigen der Stämme bei dem Aufstand vor der Alten Feste. Neu ist auch eine überlebensgroße Statue des ersten Präsidenten Namibias Sam Nujoma. Er ging 1990 aus den ersten demokratischen Wahlen als Sieger hervor. Beide Statuen wurden zur Eröffnung des Museums im März 2014 öffentlich eingeweiht.

Doch bis es soweit war, musste das Land eine wechselvolle Geschichte hinter sich bringen. Die deutsche Schutztruppe verübte in ihrer Zeit in Deutsch Südwest einige größere Massaker, insbesondere die Vertreibung der Herero nach Kämpfen am Waterberg, mit der anschließenden Vertreibung in die Wüste mit unzähligen Toten, unter ihnen waren viele Kinder und Frauen, kann wohl nur als Volksvernichtung angesehen werden. Dabei starben die meisten an Hunger und Durst in der Kalahari Wüste, und nur eine relativ kleine Gruppe schaffte es in Sicherheit ins heutige Botswana. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges endete dann die Herrschaft der Schutztruppe und Deutschland verlor seine Kolonien. Einheiten der südafrikanischen Armee besiegten die Deutschen in relativ kurzen Kämpfen. Viele Deutsche, die hier zumeist als Farmer im heutigen Namibia lebten, wurden während des Krieges inhaftiert. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges kamen sie wieder frei und kehrten auf ihre Farmen zurück. Dazu muss man wissen, dass die Buren in Südafrika und die Deutschen im Südwesten in ihrer Weltanschauung gar nicht so weit auseinanderlagen. 1919 wurde das heutige Namibia von der UN dann unter das Protektorat Südafrikas gestellt. Dort betrachtete man es zunehmend als eine normale eigene Provinz und führte wie in Südafrika mit der Apartheid dann hier die Rassentrennung mit all ihrem absurden Gedankengut ein. Die schwarze Bevölkerung begann dagegen zu protestieren, woraus später ein blutiger Guerillakrieg mit unvorstellbaren Grausamkeiten auf beiden Seiten wurde. Südafrika wurde dabei lange vom Westen unterstützt, die SWAPO, wie sich die Guerilla Armee nannte, vom Ostblock. Also Staaten wie Kuba, Nordkorea, Russland aber auch China und Simbabwe. So ist es auch zu erklären, dass es in der Innenstadt von Windhoek heute die Fidel-Castro oder Robert-Mugabe-Straße gibt. Die SWAPO operierte vor allem aus dem Süden Angolas heraus, wohin man sich auch immer wieder zurückzog und neuformierte. Mit dem Ende der Apartheidpolitik in Südafrika wurde Namibia dann schließlich unabhängig, und bekam eine eigene Verfassung und auch einen demokratischen Präsidenten, der zuvor Führer der SWAPO war. Und heute steht der eben in Bronze gegossen in direkter Nachbarschaft zur Alten Feste. Dazwischen liegt nur noch ein ziemlich monumentaler Bau, der das Unabhängigkeitsmuseum beherbergt. Es beleuchtet die beiden wichtigsten Abschnitte in der jüngeren Geschichte: die Zeit als deutsche Kolonie, und der Kampf der SWAPO. Das Ganze erscheint wenig neutral, sondern ist wohl eher eine Heroisierung der SWAPO Kämpfer. Es werden vor allem Fotos der Kämpfer gezeigt, und alles ein bisschen durch die „rosarote“ Brille gesehen. Das Museum gehört eher nicht zu denen Institutionen, in denen man unbedingt gewesen sein muss.

In unmittelbarer Nachbarschaft ist dann noch die Christuskirche, die von 1907-1910 von der evangelisch-lutherischen Kirche Namibias erbaut worden ist. Sie ist heute eines der Wahrzeichen der Stadt und frei zugänglich. Das zumindest für mich besondere ist hier wieder der Bezug zur Schutztruppe. Auf der rechten Seite sind namentlich alle gefallenen Angehörigen der Schutztruppe verzeichnet. Die Angehörigen der Stämme oder auch nur deren ungleich höherer Opferzahl werden nicht erwähnt. Auch das ist natürlich genauso wie das Museum politisch mehr als unkorrekt. Kaum zwei Gehminuten weiter ist bereits das nächste Wahrzeichen der Stadt: der Tintenpalast. Er trägt den Namen deshalb, weil in ihm zur Jahrhundertwende die Bürokratie die seltsamsten Stilblüten getrieben hat. Und er den Ruf hatte, dass man für einfachste Dinge immer wieder dahin musste, da immer wieder neue Dokumente vorgelegt werden mussten, bis ein Vorgang überhaupt bearbeitet wurde.

Von dort geht es dann für uns direkt ins Hotel im Stadtzentrum. So sind die Innenstadt und auch die genannten Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß in wenigen Minuten zu erreichen. Der restliche Nachmittag steht uns zur freien Verfügung, sodass wir uns noch ein wenig in der Innenstadt umsehen können. Die deutschen Spuren sind bis heute unverkennbar, auch wenn man von offizieller Seite versucht, diese langsam aus dem Stadtbild zu tilgen. So wurde zum Beispiel auch die Kaiser-Wilhelm-Straße in Independance Street umbenannt. Auch die Bismarck Straße gibt es nicht mehr, aber die Bahnhof Street, wenn diese inzwischen auch ein bisschen „Denglisch“ ist, hat bis heute überlebt. An ihr sind auch noch die Spuren der alten Schmalspurbahn aus der Kolonialzeit zu finden. Windhoek ist mit 450.000 Einwohnern die bei weitem größte Stadt des Landes, zumal wenn man bedenkt, dass es ohnehin nur etwa 2,3 Millionen Bürger in Namibia gibt, die sich immerhin auf einer Fläche von insgesamt 824000 Quadratkilometer verteilen. Das wirtschaftliche Gewicht der Hauptstadt ist eher noch größer. Am Abend geht es dann noch zum Abschluss der offiziellen Tour in Joeys Beerhouse. Ganz offensichtlich ein Lokal, das auch von vielen Gruppen besucht wird. Man hört auch viele deutsche Stimmen, wie auch sonst viele unserer Landsleute auf den Straßen unterwegs sind.