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10. Tag         18.08.2013 – Arvaikheer

Wieder ein Tag mit den üblichen Zeiten. Wobei sich die Routine immer besser einspielt und nicht schon um 6 Uhr das Rumoren beginnt. So geht es erst eine halbe Stunde vorm Frühstück los. Wieder peilen wir an, gegen 8 Uhr abzufahren, was auch wieder ganz gut klappt. Zur täglichen Routine wird es auch, nachdem alles zusammen gepackt ist, schon ein kleines Stück voraus zu gehen, während die Mannschaft noch alles nach ihrem System in den Fahrzeugen verstaut. Wie immer kommen wir nicht wirklich weit, wobei der Eindruck natürlich noch durch die sehr freie Landschaft etwas überzeichnet wird.

Wir fahren weiter in nördlicher Richtung, also weiter aus dem Kerngebiet der Gobi hinaus. Der Bewuchs wird so im Laufe der Fahrt dichter und vor allem grüner. Morgens ist der Boden von unzähligen kleinen Steinen übersät, die Farben grau und braun dominieren. Es wechselt zu rötlicheren Tönen mit grünen Farbtupfern, dazu grau bis anthrazit farbende Kiesel, die eine fast flächendenkende Schicht bilden. Nicht weit davon kommen wir auf eine große Fläche, die ganz offensichtlich noch vor wenigen Tagen überschwemmt worden ist. Das Gebiet ist über Kilometer mit einer aufbrechenden roten Kruste bedeckt. Sofort beginnt sich neues Leben zu regen. Pflanzen keimen bzw. bestehende schießen neu aus und bilden zum Teil winzige Blüten. Aber das Beispiel verdeutlicht eben auch das große Problem der schlechten Wasseraufnahmefähigkeiten des Bodens. Wenn es schon mal regnet, läuft das Wasser einfach ab und wäscht auch noch die dünne Krume aus. Wie unsere Dolmetscherin sagt: „nur wassergeduldige Pflanzen“ kommen mit diesen Bedingungen zurecht. Gleiches gilt natürlich auch für die Tierwelt.

Nicht weit entfernt sehen wir ein grünes Band mit einzelnen Tümpeln am Straßenrand vorbei ziehen. Es wirkt fast schon ein bisschen fehl am Platze, wenn man die übrige Landschaft sieht. An der Straße, auf die wir inzwischen aufgefahren sind, verläuft auch eine Stromleitung. Hier sind es Betonpfähle, an denen die Leitungen hängen. An anderer Stelle gab es aber auch oft einen Betonfuss, an dem mit einem etwa 8mm dicken Rundstahl ein Holzpfahl, wie sie früher auch in Deutschland üblich waren, mittels zweier Umwicklungen befestigt worden ist. Von unseren mongolischen Begleitern konnte mir niemand den Hintergrund dieser Konstruktion erklären. Er soll aber wohl so aus Russland übernommen worden sein. Ich vermutet mal, dass das dem Frost im Winter geschuldet ist.

Unser Ziel sind heute die Ruinen des Ogiin Klosters. Genau genommen sind es eigentlich die beiden Klöster Barlim khiid und das Khutagt khiid, die sich an den beiden Uferseiten am Ogiin gol gegenüber liegen und deshalb auch oft als Ogiin khiid bezeichnet werden. Wie man sich schon denken kann bedeutet khiid Kloster und gol Fluss. Die Klosteranlagen, in denen zur Hochzeit etwa 1000 Mönche lebten, waren ein bisschen in einem kleinen Gebirgszug versteckt, aber genau diesem Umstand verdankten sie auch den Zugang zu dem Fluss. Er entspringt hier in den Bergen um dann wenig später wieder zu versickern bzw. die Tümpel an der Straße, die wir zuvor gesehen haben, zu speisen, aus denen das meiste Wasser dann verdunstet. Von den Klosteranlagen ist heute nicht mehr sehr viel übrig. Man erkennt noch die Reste der Wände aus Lehmziegeln, oder auch die Öffnung in den Wänden, durch die Wasserdampf geleitet worden ist. Dieser war praktisch eine der ersten Heizungen in der ganzen Mongolei. Aber wie man sich unschwer vorstellen kann, war es hier auch extrem kalt. Heute stehen nur noch ein paar neuere Stupas und ein Museum, dass zur Zeit unseres Besuchs aber geschlossen war. Heute ist Sonntag und wir haben die Ruinen am späten Vormittag erreicht. Sowohl das Museum als auch die Stupas sind erst in den letzen Jahren wieder erbaut worden. Die Zerstörung des Klosters geht auf die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück, ein sehr dunkles Kapitel der mongolischen Geschichte. Im Jahre 1924 wurde die Volksrepublik Mongolei gegründet. Anfangs ging man noch sehr behutsam mit den buddhistischen Mönchen und Klöstern um. Diese hatten in den letzten 300 Jahren eine große Macht aber auch Reichtum angehäuft, den sie teilweise zu Wucherzinsen verliehen. Die Klöster waren Hochburgen der Kunst, der Bildung und Wissenschaft aber auch der Medizin. Einer der Schwerpunkt des Klosters von Ogiin war beispielsweise die Astrologie. Da sich eine solche Macht nicht mit den Plänen der gesellschaftlichen Neuordnung der sozialistisch / kommunistischen Machthabern vereinbaren ließ, wurden insbesondere auf Druck der Sowjetunion die Macht des Klerus beschnitten. So wurde 1926 die strickte Trennung von Kirche und Staat verfügt. Das beinhaltete auch Beschlagnahmungen und Steuern. Bis dahin waren faktisch auch weltliche Entscheidungen gegen die Lamas – Mönche – nicht möglich. Ende der 30er Jahre kamen es dann in Folge von politischen Agitationen und Gesetzen zu den umfassenden Zerstörungen praktisch aller Klöster. Maßgeblich verantwortlich dafür war Chorloogiin Tschoibalsan, der ein treuer und bedingungsloser Anhänger Stalins war, der ihn auch zum Führer der kommunistischen Partei und 1939 auch zum Regierungschef in der Mongolei machte. Während der Repressalien alleine Ende der 30er Jahre wurden ca. 25- bis 30000 Menschen Opfer von Verfolgungen, die im Zusammenhang mit der politisch gewollten Zerschlagung der Buddhismus in der Mongolei statt fanden. Alleine etwa 20000 von ihnen wurden hingerichtet. Das führte zu einem großen intellektuellen Verlust der Mongolei, da nahezu alle im Land gebildeten Menschen die Ausbildung in den Klöstern erhalten haben und zu einem erheblichen Teil noch als Mönche in ihnen lebten und arbeiteten. In dieser Zeit wurde auch genauso gegen den Schamanismus vorgegangen. Was dann eine weitere Verschlechterung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung nach sich zog. Insgesamt wurden unter Tschoibalsan nach heutigen Schätzungen etwa 14% der mongolischen Bevölkerung im Zuge verschiedender Säuberungen umgebracht. Nach dem Ende des Kommunismus in der Mongolei wurde übrigens im Jahre 1996 ein Museum im ehemaligen Haus von Peldschidiin Genden von dessen Tochter eingerichtet. Genden, der sich als Regierungschef geweigert hatte, gewaltsam gegen die Mönche vorzugehen, wurde später unter dem Vorwand der japanischen Spionage, nach Haft auf der Krim, dann von Stalin in Moskau hingerichtet. Genden ist heute voll rehabilitiert, bei Tschoibalsan ist die Sache etwas unklarer. Manche sprechen von einer hohen Abhängigkeit von Stalin, andere sehen ihn aber auch als Eiferer von dessen Politik. Positiv werden bis heute seine Verdienste um die Alphabetisierung der Mongolen gesehen, auch wenn er damit die Verbreitung der kommunistischen Ideologien in den Schulen verband. Besonders kritisch neben den Verfolgungen, selbst die mongolischen Kommunisten sehen ihn heute als Tyrannen an, wird sein Personenkult gesehen, den er fast noch weiter trieb als Stalin, der ihm in vielen Dingen als Vorbild galt. So steht auch heute noch für ihn ein Denkmal in Ulan Bator, oder trägt eine Stadt im Osten der Mongolei seinen Namen. Sein Leichnam wurde von russischen Experten des Lenin-Mausoleums in Moskau konserviert und liegt heute in einem Mausoleum in Ulan Bator.

Für uns geht es nach dem Besuch der Kloster-Ruinen und einer Mittagspause am Fluss Ogiin weiter nach Norden. Wir versuchen noch weitere Kilometer zu machen, da das Tagespensum für den morgigen Tag laut Plan recht anspruchsvoll ist.