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14.04.2009      7. Reisetag - Petra

Noch ein weiterer Tag in Petra. Aber heute nähern wir uns quasi von hinten. Wir fahren mit dem Bus in die Nähe der Ortschaft Ed-Deir, dort geht es dann mit einer weiteren Wanderung in den Tag. Nach einer kurzen Stippvisite bei einem weiteren Zeugnis der Nabatäer kommen wir an Beidha vorbei. Hier konnten zum ersten Mal in Jordanien die Spuren von sesshaften Gruppen nachgewiesen werden. Dabei dürften die ersten Siedler in runden Lehnhütten gelebt haben, gefunden hat man aber nur noch viereckige Behausungen, die schon aus Stein bestanden. Man geht davon aus, das die Menschen hier damit begonnen haben, die wilde Gerste durch Zucht für die Menschen besser nutzbar zu machen. Auch dürften erste Schafe und Ziegen domestiziert worden sein. Diese Siedlungsreste sind damit natürlich deutlich älter als die übrigen Spuren um Petra herum. Man schätzt sie auf etwa 6000 – 7000 Jahre v. Chr.

Weiter ging es um einen großen Sandsteinfelsen herum auf die Rückseite der Ausgrabungsstätten von Ed-Deir. Hier ist mit etwa 47 x 50 m die größte Fassade im Gebiet von Petra zu sehen. Beeindruckend dabei ist auch, wie weit im unteren Teil der Stein abgetragen werden musste, damit sich eine glatte Fläche bis nach oben ergeben hat. Auch ist es einfach erstaunlich, wie die Steinmetze die Proportionen sehr gut berücksichtigt haben, obwohl sie sich im Wesentlichen von oben nach unter gearbeitet haben dürften, also anfangs die Fassade nicht nur nicht sichtbar war, sondern auch die Höhe nur schwer abschätzbar war.

Kehrt man auf dem Stufenweg zurück nach Petra, gelangt man an die alte Wohnstadt von Petra, aber vor allem zu den Zeugnissen der Römer. Sie haben die Macht im Jahre 106 n.Chr. in Petra unblutig übernommen. Auch hier ist nicht ganz klar, wie es dazu gekommen ist, nur das sich die Nabatäer in der Geschichte hier mehr oder weniger verlieren ist sicher. Vermutlich ist das wie so häufig bei den Nabatäern, durch einen Kompromiss geschehen. Denn die Römer hatten gleichzeitig versucht über das Rote Meer, Ägypten und den Hafen von Alexandria die Vormachtstellung der Nabatäer im Handel mit Weihrauch zu brechen. Und die Nabatäer waren vor allem Kaufleute und keine Kriegsherren. Es ist zwar von verschiedenen Versuchen die Rede, bei denen andere Stämme versucht haben Petra mit dessen Reichtum einzunehmen, aber durch die Schluchten war es relativ leicht sich zu verteidigen. Konkret haben die Römer wie in allen ihren größeren Städten Tempel angelegt, die ihren Göttern geweiht waren. Darin befinden sich zum Teil noch heute gut erhaltene große Flächen mit Mosaiken auf dem Fußboden. Natürlich durfte aber auch die Prachtstraße „Cardo Maximus“ mit ihren Säulen nicht fehlen.

Zwischen diesen historischen Zeugnissen transportieren heute Kamele bzw. in den Treppenwegen Esel unzählige Touristen umher. Und wie nicht anders zu erwarten, liegen eben auf vielen Wegen die Hinterlassenschaften der Tiere herum. Auch wenn man sich sehr bemüht, diese möglichst schnell wieder zu beseitigen, so muss man zu Fuß doch darauf achten, nicht in eben diese Haufen zu treten. Auch nicht unerwähnt lassen möchte ich hier, das gerade viele Touristen sich nach den Wertvorstellungen der Muslime ziemlich unangemessen kleiden. Ich bin da sicherlich in solchen Fragen niemand, der andere zu verurteilen hat. Aber ein gewisses Maß an Rücksicht auf die Geflogenheiten eines Landes, das man ja schließlich freiwillig und ganz bewusst besucht, halte ich dann doch für angemessen. Bei den Muslimen gilt es als „unschicklich“ mit kurzen Hosen herum zu laufen. Sie betrachten sie als Unterwäsche. Bei Frauen gelten zu dem tiefe Ausschnitte und frei Schultern als nicht angemessen. Gerade unter den verschiedenen Glaubensrichtungen der Muslime gibt es im Moment eine Hinwendung zur Verschleierung der Frauen. Wobei es hier in Jordanien keine gesetzlichen Vorschriften diesbezüglich gibt. Aber nach der Trennung von Jungen und Mädchen in der Schule, was mit etwa zehn bis elf Jahren der Fall ist, beginnen viele junge Mädchen damit, sich zu verschleiern. Wobei die meisten eben ihre Haare und den Hals bedecken, das Gesicht aber frei lassen. Die dafür benutzten Tücher sind dabei nicht selten in hellen oder auch bunten Farben gehalten. Es hält sie auch nicht davon ab, sich zum Teil stark zu schminken. Gleichzeitig gibt es aber eben auch viele Frauen, die sich sehr westlich kleiden und eine Verschleierung ablehnen. Wobei zum Beispiel eine schrille Handtasche eben auch bei einer verschleierten Frau nicht wirklich ungewöhnlich ist. Hier wie auch in anderen Fragen zeigt sich, das Jordanien ein Grenzgänger zwischen moderner westlichen Ausrichtung und arabischer Tradition ist. Das spiegelt sich genauso im normalen Straßenleben wieder. So konnten wir am Morgen zwei vielleicht zehnjährige Jungen beobachten, wie sie mit ihren Eseln an einem kleinen Getränkestand vorbei „bremsten“, um sich schnell eine Dose Coca Cola raus zu holen. So sieht man in den Straßen auch praktisch keinen Moslem beten, wenn der Mohezin eine der fünf Gebetszeiten des Tages ausruft. Vor den Moscheen sieht man sicherlich einige hineingehen, aber es ist nun auch nicht gerade ein Gedränge. Die meisten stören sich daran nicht, und das normale Leben geht einfach weiter. Damit sind die Probleme der hiesigen Religionsgemeinschaften, gar nicht mal so anders wie die der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland.

Was her in Jordanien verboten ist, und damit auch dem Koran entspricht, ist das Glücksspiel und das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit. In ausgewählten Geschäften gibt es den aber zu kaufen. Ausgenommen ist der Freitag, welcher unserem Sonntag entspricht, dann wird auch in diesen Geschäften kein Alkohol verkauft, selbst wenn er jemandem der 3% der jordanischen Bevölkerung gehört, die sich zum christlichen Glauben bekennen. In den Hotels, die eben auch vor allem von westlichen Touristen besucht werden, gilt diese Einschränkung nicht. Und da wir heute, es ist ein Dienstag, nun schon wieder etwa sieben Stunden auf Schusters-Rappen unterwegs sind, haben wir uns in einem der Hotels ein schönes Bier auf der Terrasse gegönnt – was für ein Zischen.