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5. Reisetag         Ricon de la Vieja – 02.03.2022

Heute geht es ein bisschen früher raus, das Frühstück ist für 6:45 Uhr angesetzt. Eine Stunde später wollen wir dann abfahren. Unsere hiesige Lodge gehört ganz offensichtlich zu den Besseren. So gibt es neben zahlreichen Früchten auch verschiedene Sorten Eier zum Frühstück, den landestypischen Reis mit Bohnen, Pancakes und einiges mehr. So kann man selbst aus dem hier sonst eher übersichtlichen landestypischen Frühstück eine opulente Mahlzeit machen. Nur auf „meinen“ Käse und Wurst zum Frühstück muss man verzichten.

Wir sind pünktlich unterwegs, um in den nahegelegenen Nationalpark Ricon de la Vieja zu fahren. Ursprünglich war geplant einen Teil des Parks zu durchqueren, was aktuell leider nicht geht, da das Tor, durch das wir eigentlich in den Park wollten, gesperrt ist. So fahren wir ein kleines Stück weiter, einen Teil der Wegstrecke übrigens über eine Privatstraße, die am Rande des Parks entlangführt. Für deren Benutzung ist eine Gebühr von einem US-Dollar pro Person fällig. Alternativ hätten wir einen größeren Umweg fahren können, und hätten dafür auf einer staatlichen Schnellstraße Maut entrichten müssen. So sind wir nach etwas mehr als 30 Minuten am Parkeingang. Aber statt direkt in den Park zu gehen, fahren wir noch einige 100 m zurück, da ein anderer Besucher des Parks vor wenigen Minuten hier ein Tapir gesehen hat. Als wir die Stelle erreichen, hat sich der Tapir allerdings längst aus dem Staub gemacht. Den Park betreten wir durch ein Gebäude, natürlich wieder erst nach dem wir die Hände gründlich gewaschen haben. Anders als im Arenal oder Tenorio Nationalpark gibt es gibt im Eingangsbereich zwei kleine Geschäfte, in denen man Souvenirs oder auch Wasser erwerben könnte. Theoretisch kann man seine mitgebrachten Flaschen auch an öffentlichen Wasserstellen auffüllen, nur leider ist das Wasser in Costa Rica fast überall mit verschiedenen Konzentrationen von Chlor versetzt, was es eher nicht so lecker macht. Beim Ricon de la Vieja Nationalpark, übrigens wieder nach einem Vulkan benannt, haben wir die Wetterscheide des Landes wieder überquert. Dies ist auch deutlich an der Vegetation im Park zu sehen. Das Klima wird maßgeblich von der Pazifikseite beeinflusst. Das heißt, wir befinden uns in einem Trockenwald. Moose, die von den Bäumen hängen, oder Bromelien sucht man hier vergebens. Auch wenn die Pflanzen natürlich andere sind, so ist der Wald vom Bewuchs doch dem in Deutschland sehr viel ähnlicher als in den bisher von uns besuchten Parks. Die Bäume sind deutlich kleiner, und es fällt auch deutlich mehr Licht auf den Boden. Trotzdem war das Unterholz auf der Karibikseite deutlich dichter als hier, was an den deutlich höheren Niederschlagsmengen dort liegt. Wir folgen einem Pfad, der uns zu einem schön gelegenen Wasserfall führt. Auf dem Weg dorthin hören wir zwar zahlreiche Vögel, diese aber auch oben in den Bäumen auszumachen, ist nahezu unmöglich. Und noch schwieriger eigentlich fast unmöglich auch noch ein brauchbares Foto von ihnen zu schließen. Deutlich mehr Glück haben wir mit einer Gruppe von Kapuzineraffen.

Dabei handelt es sich um Panama-Kapuzineraffen. Diese sind optisch nicht von Weißschulter-Kapuzineraffen zu unterscheiden, werden heute aber von vielen als eigene Gattung angesehen. Deren Verbreitungsgebiete grenzen auch unmittelbar aneinander. Die Weißschulter-Kapuzineraffen sind vor allem in Ecuador, Kolumbien und Panama zu finden. Die Panama-Kapuzineraffen sind in Panama, Costa Rica und weiter hoch bis Honduras heimisch. Sie haben über weite Teile des Körpers ein dunkles Fell. Lediglich die Schultern, der Randbereich des Gesichts und rings um den Kopf ist es weiß. Sie werden ca. 35 – 45 cm groß. Dazu kommt dann noch ein Schwanz mit 35 – 55cm Länge, den sie auch zum Halten einsetzen, anders als etwa Klammeraffen können sie damit aber nicht direkt klettern. Die Männchen werden mit 3,7 – 3,9 kg deutlich schwerer als die Weibchen mit etwa 2,7kg. Sie leben in Gruppen zwischen 8 und 25 Tieren. Dabei sind Männchen und Weibchen incl. dem Nachwuchs gemischt. Beide Geschlechter haben ihre eigene Rangordnung, das Alpha-Weibchen steht in der Hierarchie dann lediglich unter dem Alpha-Männchen aber über den übrigen Männchen. Weibchen bleiben meist ihr ganzes Leben in ihrer Gruppe, während die Männchen ihre Gruppe mit dem Erreichen der Geschlechtsreife mit 7 – 10 Jahren verlassen, und versuchen sich einer anderen Gruppen anzuschließen. Weibchen sind mit 7 Jahren geschlechtsreif. Die Tragzeit für die Jungen beträgt rund 160 Tage. Die Weibchen bringen alle 2 Jahre ein einzelnes Junges zu Welt. Das klammert sich anfangs an den Bauch der Mutter, später wechselt es auf den Rücken. Kapuzieraffen können in freier Wildbahn etwa 50 Jahre alt werden. Kapuzineraffen gelten als sehr intelligent, sie nutzen auch Werkzeuge um beispielsweise Früchte zu öffnen, oder Fresskonkurrenten zu vertreiben. Dabei ist ihre Nahrungspalette sehr breit. Sie fressen über junge Triebe, Blätter, Früchte und Nektar, Spinnen, Insekten, Eier von Vögeln, Jungvögel, kleinere Nagetiere bis hin zu Krabben und Muscheln fast alles. Sie selbst stehen bei allen Raubkatzen, Kaimanen, der Kaiserboa und einigen sehr großen Greifvögeln auf dem Speiseplan. Meist bewegen sie sich hoch in den Bäumen, man kann sie aber auch am Boden antreffen. Ihre gute Anpassungsfähigkeit an ihre Umgebung lässt sie eine große Bandbreite an Vegetationszonen besiedeln, selbst bis in Höhen von 1500m sind sie anzutreffen.

Unser Pfad führt über weite Strecken durch den Wald, was es deutlich angenehmer macht. Auch geht heute ein kräftiger Wind. Ansonsten ist die Gegend bekannt für Temperaturen, die auch schon mal deutlich über die 30 °C Marke steigen können. Und dazu fällt in der jetzigen Trockenzeit praktisch kein Regen - daher auch der Trockenwald. Abhängig von der Höhe und der Windseite an den Bergen gibt es im Randbereich der Wälder auch Gebiete, in denen nur Baumarten überleben können, die in der Trockenzeit praktisch ihre gesamten Blätter abwerfen. Damit stellen sie vorübergehend die Fotosynthese ein, um Wasser zu sparen. Auf dem Weg zu dem Wasserfall kommen wir auch durch ein Gebiet, in dem es lediglich scheinbar fast verdorrte Büsche gibt. Was sich dann auch sofort auf die gefühlten Temperaturen auswirkt. Während es im Schatten der Bäume noch angenehm war, ist es in diesem Bereich ziemlich heiß, der Sonnenschutz ist dringend nötig.

Am Wasserfall angekommen, machen wir unsere Mittagspause. Unterhalb des Wasserfalls hat sich ein kleiner Teich gebildet, den einige aus der Gruppe zum Schwimmen nutzen. Und um ehrlich zu sein, finde ich diesen Ort deutlich schöner als den vermeintlichen schönsten Wasserfall Costa Ricas im Tenorio Nationalpark. Aber das liegt zum Teil sicherlich auch an der deutlich abgeschiedeneren Lage. Und das Wasser sieht auch deutlich natürlicher aus, auch wenn die Wasserfärbung am Vortag ebenfalls eine rein natürliche Ursache hatte. Während der Mittagspause entdecke ich zwischen einigen Felsen eine große braune Krabbe mit einem Durchmesser von 10-12cm. Etwas was ich hier nicht unbedingt vermutet hätte. Auch heute geht es dann auf dem gleichen Weg zurück, auf dem wir auch gekommen sind. Inzwischen hat auch eine kleine Gruppe von jungen Leuten ihre Freiwilligen-Arbeit für heute eingestellt, bei der sie Instandsetzungsarbeiten an einer kleinen Steigung am Weg durchgeführt haben, als wir auf dem Hinweg vorbei gekommen sind. Auch hier gilt wie in allen Nationalparks, die Wege dürfen nicht verlassen werden. Das ist auch Teil des Naturschutzes, damit die Tiere ihre Rückzugsgebiete behalten, und nicht überall „Trampelpfade“ in die Natur gelatscht werden. Kurz vor dem Ausgang machen wir noch einen Schlenker zu einigen mehr oder weniger aktiven vulkanischen Schlammtöpfen. Wobei die zumindest aktuell nicht sonderlich spektakulär sind. Beim ersten steigt lediglich ein bisschen Schwefeldampf auf, was einem natürlich sofort den Geruch von verfaulten Eiern in die Nase treibt. Beim zweiten gibt es in der Nähe auch einen kleineren See, in der ganz offensichtlich eine graue ziemlich giftige Substanz steht. An den Schlammtöpfen selbst blubbert es lediglich ein bisschen vor sich hin, aber die einzelnen Stellen sind kaum größer als ein Kochtopf. Entsprechend klein sind auch die Spritzer. Erst am dritten Loch „blubbert“ es richtig. Auch hier ist es nichts, was man im Guinness-Buch der Rekorde finden würde - aber immerhin. Und wenn man ehrlich ist, möchte man selbst so kleine Ausbrüche wie 2011 am Ricon de la Vieja eher nicht aus nächster Nähe erleben. Der Ricon de la Vieja gilt als größter aktiver Vulkan im Land, auch wenn er weder in der Höhe noch in den Ausmaßen der Eruptionen in der jüngeren Vergangenheit sich besonders hervorgetan hätte. Aber anders als die fünf anderen als aktiv eingeschätzten Vulkane in Costa Rica, handelt es sich bei ihm um einen sogenannten komplexen Vulkan. Darunter versteht man Vulkane, die verschiedene Vulkantypen beinhalten, und deshalb bezüglich ihrer Ausbrüche und auch den Örtlichkeiten der Ausbrüche schwer bis gar nicht vorhersagbar sind. So kam es bei ihm im Jahr 2011 zu einem Ausbruch mit Lava, im Jahr 2017 zu zwei kleineren Ausbrüchen mit einem Gemisch aus Wasser und Lava und 2020 zunächst zu einem kleineren Ausbruch von Gas und Wasserdampf, und noch im selben Jahr zwei Ausbrüchen von Asche, die bis zu einer Höhe von etwa 1,5 km aufstieg. Einer dieser beiden Ascheausbrüche löste auch einen Notfallplan für die Gegend aus. Auch die Schlammtöpfe, die wir heute besuchen, haben mit der besonderen Struktur zu tun. Dabei dringt zunächst Wasser durch die Lavastrukturen ins Erdinnere, um sich dort auf bis zu 2700°C zu erhitzen, und dann wieder aufzusteigen, und erst kurz vor der Erdoberfläche wird daraus dann mit giftigen Gasen vermischter Wasserdampf, der an die Erdoberfläche austritt. So hat man bereits Anfang der 2000 eine Probebohrung zur Nutzung der Geothermie am Ricon de la Vieja durchgeführt. Da sich der Vulkan in einem Nationalpark befindet, ja eigentlich das Zentrum des Nationalparks ist, wurden zunächst weitere Studien zur möglichen Erschließung der Energiequelle durchgeführt. Seine geothermische Leistung wurde dabei zwischen 120 und 140 MW taxiert. Im Jahre 2013 begann man dann ein Geothermie-Werk unmittelbar vor den Toren des Nationalparks zu bauen, an dessen Rohrsysteme wir auch vorbeigekommen sind, als wir zum Parkeingang gefahren sind. Vielleicht an dieser Stelle noch ein paar Fakten zum Ricon de la Vieja selbst. Er ist aktuell 1916m hoch. Sein Krater befindet sich auf rund 1800m, in dem sich etwa 100 unter dem Kraterrand ein mit einer Säure gefüllten See befindet. Die Flüssigkeit hat zumeist eine Temperatur von um die 90°C. Genau diese Flüssigkeit war es auch, die bei den Ausbrüchen 2017 buchstäblich mit heißer Lava angereichert „übergekocht“ ist und zu Tal strömte.

Was mir heute und auch schon im Tenorio aufgefallen ist, dass es deutlich weniger Insekten gibt, als ich in einem Regenwald erwartet hatte. Gut die Mücken habe ich nicht gerade vermisst, und hier am Ricon de la Vieja gibt es kleine schwarze Fliegen, die sich buchstäblich an einem festbeißen, um an ein paar Tropfen Blut zu kommen. Deren Bisse werden, wie ich bald merken sollte, erst zwei Tage später richtig lästig. Insgesamt bin ich auch nicht von den kleinen Plagegeistern verschont geblieben, aber sie haben mich deutlich weniger attackiert, als ich das im Vorfeld erwartet habe.

Gegen 15:30 Uhr sind wir zurück an der Lodge. Nachdem ich noch ein bisschen herum geräumt habe, lasse ich den Tag bis zur Dunkelheit, und die kommt hier in der Nähe des Äquators ziemlich zügig gegen 18 Uhr, in der Hängematte auf meinem Balkon liegend ausklingen. Es könnte wirklich schlimmer sein. Da meine Unterkunft ein bisschen an den Hang gebaut ist, wachsen dabei die Bäume fast direkt vor dem Balkon, und die Baumkronen werfen ein bisschen Schatten. So beschließe ich mir dieses Wohlgefühl auch noch nach dem Abendessen ein bisschen zu gönnen. Immerhin sind es gegen 22 Uhr noch um die 25°C. Und morgen werden wir auch schon wieder weiterfahren, so genieße ich die Atmosphäre noch ein bisschen. Auch wenn es morgen früh raus gehen wird. Folglich werden mir dann wohl die Augen auf der Fahrt immer mal zufallen. Aber jetzt lausche ich einfach noch ein bisschen der Natur, während um mich herum die Lichter ausgehen.