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26.10.2007      9. Reisetag - Mbotyi River Lodge

Wie verlassenen die Metropole Durban mit ihren 3,1 Millionen Einwohnern wieder, wobei diese Zahl nur geschätzt werden kann. Ein Einwohnermeldeamt oder etwas ähnliches gibt es hier nicht, die Menschen leben aber immer mehr in den Städte, da sie hier auf Arbeit hoffen. So entstehen am Rande der Städte überall die Wellblechhütten. Dort leben sie dann ohne Strom, Wasser oder Müllabfuhr. So sieht man häufig, dass der kleine eingezäunten Hof zwar sauber ist, direkt davor aber eine Müllhalde entsteht. Da es auch keinerlei Sozialsysteme wie Arbeitslosengeld oder dergleichen gibt, ist somit auch die Grundlage für die Straßenkriminalität gegeben. Auf der Fahrt aus der Stadt heraus sehen wir viele Männer an bestimmten Punkten zum Teil direkt an den großen Ausfallstraßen stehen. Es sind Tagelöhner, die auf einen Job auf dem Bau oder im Garten-Service hoffen. Entsprechende Firmen, die Arbeiter suchen, fahren diese Orte an, verhandeln kurz den Preis und laden die Männer auf die Pritschen ihrer Kleintransporter. Dabei liegt die Entlohnung hier in Durban bei etwa 60 bis 70 Rand pro Tag, also umgerechnet sechs bis sieben Euro. Da fällt die Bewertung etwa des Bierpreises schon ganz anders aus mit den etwa 13 Rand, für einen europäischen Touristen lachhaft für einen Tagelöhner auch, wenn auch aus einem ganz anderen Grund.

Durban gehört ja nun zur ersten Welt, aber kaum zwei Autostunden später fahren wir in das ehemalige Homeland Transkei hinein, hier leben viele eher wie in der Dritten Welt. Südafrika hat im Zuge der Apartheidspolitik bestimmte Bereiche, in denen jeweils eine Gruppe nicht Weißer lebte, in die vermeintliche Unabhängigkeit entlassen. In diesen neuen Staatsgebieten hat man natürlich alle wesentlichen bzw. wichtigen Gebiete, in denen man Bodenschätze vermutete, ausgeklammert. Allen Menschen in diesen Gebieten hat man quasi die südafrikanische Staatsbürgerschaft entzogen. Diese vermeintlich neuen Staaten wurden völkerrechtlich nicht von anderen Ländern anerkannt. Sie mussten mit einem sehr kleinen Budget auskommen, was die ohnehin nur schwach ausgeprägte Infrastruktur weiter geschwächt hat. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, Industrie faktisch nicht vorhanden. Viele leben ohne Strom entweder weil der gar nicht vorhanden oder aber unerschwinglich teuer. Wasser gibt es nur an einem Fluss, andere uns völlig logisch erscheinende öffentliche Aufgaben wie Müllabfuhr, Abwasser und anderes mehr sind völlig unbekannt.

Wir fahren heute zu einer Lodge nach Mbotyi, was soviel heißt wie „Ort wo die Bohnen sind“. Es liegt im Bereich des Xhosa (gesprochen ksosa) Stammes. Die Bevölkerung lebt entweder in traditionellen Rundhütten als Haupthaus und wenn man es sich leisten kann, weiteren Häusern zum schlafen. Oder in „modernen“ in einer rechteckigen Form. Die Haupthäuser dienen zum Besprechen von Familienangelegenheiten, zum Kochen, Essen und sonstige Gemeinschafts-Angelegenheiten einer Familie. In jedem Dorf hat man einen Chief, eine Art Häuptling der regiert bzw. verwaltet. Er entscheidet kleinere Streitigkeiten und Hilfsgesuche in vielen Angelegenheiten sind an ihn zu richten. Er bestimmt auch welche Familie an welchem Ort im Dorf bauen darf. Dabei erhält der Bauwillige auch kein Dokument, welches ihn als Besitzer des Grund und Bodens ausweist. Das bedeutet dann auch, dass natürlich keine Bank einen Kredit geben wird, einem gehört ja nicht mal der Grund und Boden. So sieht man unterwegs auch immer wieder Häuser, die noch nicht fertig sind, aber offensichtlich zur Zeit auch gerade nicht daran gebaut wird. Es fehlt temporär schlicht am Geld. Hier in Mbotyi gibt es zwei Bauweisen. Die eine besteht aus einem Holzgerüst, das dann mit Felsgestein gefüllt wird. Anschließend wird es dann mit einer Art Lehm gestrichen bzw. verkleidet. Auch kommt dann noch ein „farbenfroher“ Anstrich oben drauf. Die Luxusvariante sind Luft getrocknete Erdziegel, die dann mit einem Lehmgemisch vermauert werden. Als Beschichtung nach außen kommt dann eine Art Zementmörtel darauf, die gegenüber dem Lehmgemisch den Vorteil hat, nicht ständig abzuregnen und deshalb ständig ausgebessert werden muss. Als Dach bei einer Rundhütten kommt eine etwa 10 cm dicke Lage aus getrocknetem Gras zum Einsatz. Bei vielen neueren Gebäuden ein Wellblechdach, was den Nachteil hat, am Tage sehr stark aufzuheizen beziehungsweise nachts auch sehr kalt zu werden, aber als Baumaterial eben sehr billig ist. Der Fußboden ist eine in mehreren Lagen gestampfte Schicht aus Sandboden, der dann oben mit einer dünnen Schicht Kuhdung gestrichen wird. Ein erstaunlich fester und ebener Grund, wie wir uns selbst überzeugen konnten. Die Menschen leben meist von Gelegenheitsjobs, haben ein paar Rinder, Ziegen und vielleicht Enten oder Hühner, dazu ein sehr kleines Feld auf dem meist Tomaten, Zwiebeln, Bohnen, Kartoffeln und auch Süßkartoffeln angebaut werden. Außerdem stehen auf dem Speiseplan noch wilde Bananen, Papaya, Birnen und Beeren aus dem Wald, aus dem auch das Brennholz stammt. Wenn man Glück hat, kann man auch noch etwas Wild erlegen. Das Wasser fließt vor dem Haus in einem kleinen Bach. Es dient als Trinkwasser, zum Kochen oder auch für die Wäsche - mehr oder weniger gleichzeitig.

Die örtliche Schule hat 580 Kinder, wovon nur ein Teil mit dem Bus abgeholt werden kann, andere kommen aus benachbarten Dörfern, die aber keinerlei Straße oder Piste als Zugang haben. Von dort müssen die Kinder zu Fuß kommen. Die am weitesten entfernten haben einen Weg von 16 km zurückzulegen - jeden Tag. Dabei sind schon die Wege in dem kleinen Dorf sehr weit. Zwischen den Häusern sind oft mehrere 100 m frei, was den Ort etwas zerstreut wirken lässt, jedenfalls für unsere Verhältnisse. Strom hat hier im Ort auch nur die Lodge und ein paar angeschlossene Ferienhäuser. Auch Fernsehen hat hier kein Einheimischer, man könnte den zwar mit einer Autobatterie betreiben, aber wegen der Berge gibt es hier kein Antennenprogramm. So müsste man auch noch eine Satellitenanlage haben, und dafür hat hier niemand Geld. Das einzige Telefon des Ortes steht an der Rezeption unserer Lodge. Aber dafür gibt es hier, während ich hier schreibe,etwas anderes völlig kostenlos zu hören. Der Indische Ozean schlägt, kaum 100 m von meinem Schreibtisch entfernt, tosend auf den Strand.