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11.02.2010      12. Reisetag - Barafu Camp (Kilimanjaro)

Vielleicht beginne ich heute mal mit einem Nachschlag zum gestrigen Tag. Nach dem ich kurz meine Erlebnisse des Tages zu Papier gebracht habe, habe ich noch mal die legendären Holzhäuschen am Kilimanjaro aufgesucht. Tendenziell empfehle ich auch eher einen Besuch am Abend, lieber früher als später, als am nächsten Morgen, warum überlasse ich jetzt mal der eigenen Phantasie. Das nächstgelegene hatte aber nur drei Seitenwände, was in diesem Fall aber nicht weiter schlimm war. Die freie Seite zeigte den Berg hinunter, wo keine Zelte mehr stehen, dadurch hatte man freie Sicht auf das nächtliche beleuchtete Moshi. Wo wird einem das schon geboten, dazu kam noch, das sich die Wolken schon früh verzogen hatten. Wegen der Temperaturen bleibt man nicht länger als nötig, aber man kann den Blick natürlich auch 20m weiter genießen und in aller Ruhe wirken lassen – einfach nur schön.

Heute stehe ich gegen 6.45 Uhr auf und erfreue mich da auch schon an der aufgehenden Sonne, die dem nächtlichen relativ scharfen Wind die Kühle nimmt. Ich stelle dabei Probleme am linken Knie fest. Es zwickt, wenn ich mich damit abfangen muss, etwa wenn ich eine etwas höhere Stufe hinab steige. Das wird mich hoffentlich nicht wesentlich beim Aufstieg beeinträchtigen . Und runter kommen sie alle wieder – irgendwie.

Nach den normalen täglichen Ritualen geht es wieder spät gegen 9.00 Uhr los. Es steht auch heute wieder nur ein kurzer Weg auf dem Programm. Die normale Gehzeit wird auch heute mit 3 – 4 Stunden angegeben. Die Entfernung soll 4 km betragen, was die kürzeste Etappe am Kilimanjaro auf unserer Route darstellt, darauf verteilen sich rund 600 Höhenmeter. Auf halben Weg zum Barafu Camp machen wir auch heute wieder eine ausgedehnte Pause. Wenngleich es hier praktisch nichts zu sehen gibt. Schon gestern hatten wir praktisch die Hälfte des Weges zum Barafu Camp zur Akklimatisation zurück gelegt. Die Pause dient eigentlich auch weniger uns zur Erholung als viel mehr unseren Portern, um ihnen Zeit zu geben, das alte Camp abzubauen und am neuen die Zelte wieder aufzubauen. Mit uns, oder auch heute wieder die meisten vor uns, ist praktisch das komplette Karanga Camp abgebaut worden, und wie wir zum Barafu Camp unterwegs. Das Barafu Camp liegt auf 4600m, damit verlassen wir dann endgültig die Heide- bzw. Moorlandschaft und ziehen in die Klimazone, die als Alpine Wüste bezeichnet wird. Das Camp selbst liegt auch zwischen den Felsen, wenn man die ersten Zelte erreicht hat, hat man noch rund 100 Höhenmeter vor sich, um sich wieder bei den Rangern registrieren zu können. Als wir darauf warten, uns in das Buch eintragen zu können, kommen noch einige vom Gipfel zurück. Eigentlich ist es auch kurz nach 12.00 Uhr zu spät für eine normale Tour, aber die Personen, die jetzt vom Gipfel zurück kommen, sehen auch extrem erschöpft aus, zum Teil werden sie sogar geführt. Der Anblick macht schon etwas nachdenklich. Aber kaum das man den Ort in Richtung unserer eigenen Zelte verlässt, verdrängt man das auch sofort wieder. Natürlich glaubt man so viel fitter zu sein, das einem selbst das „natürlich“ nicht passieren wird.

Nach dem wir uns in den Zelten ein bisschen eingerichtet haben, gibt es eigentlich nur noch ein Thema. Wer nimmt was mit zum Gipfelsturm, was man sofort anziehen wird, und was vielleicht noch mitzunehmen ist. Und natürlich versucht man so wenig wie möglich mitzunehmen, aber die Frage lautet dabei natürlich immer: wie kalt wird es, und könnte es Regen bzw. Schnee geben, und was macht der Wind. Man versucht noch ein bisschen zu entspannen aber möglichst nicht zu schlafen. Denn es dürfte heute wohl ein frühes Abendessen geben. Da folgen noch ein paar Stunden Dösen und dann geht es wirklich los – der Gipfel ruft. Im Camp selbst herrscht ein ziemlich wuseliges Treiben. Viele der Touristen hier kommen aus Deutschland und England, oder richtiger muss man wohl Großbritannien sagen. Aber auch ein paar Amerikaner und Italiener finden sich.

Ich selbst schätze meine Gipfelchancen jetzt auf 70:30 ein. Mein größter Unsicherheitsfaktor sind die wieder eingesetzten Kopfschmerzen, mein linkes Knie zwickt ein bisschen und ich habe Blähungen. Alles keine wirklichen Probleme, aber man achtet jetzt eben auf kleinste Kleinigkeiten.

Am späteren Nachmittag gehen wir zur Akklimatisation noch rund 250 Höhenmeter rauf. Bis hier soll der felsige Teil des Gipfelaufstiegs reichen. Als anschließendes Abendbrot gibt es, wie vor der Gipfelnacht am Mt. Meru auch schon, Nudeln – mit Vegetable Sauce, was auch sonst. Anschließend geht es früh ins Zelt. Die Sachen für den wichtigsten Tag am Kilimanjaro werden bereit gelegt. Ein paar Sachen kommen sogar mit in den Schlafsack, um sie ein bisschen vorzuheizen. Die restlichen Energieriegel sind in der Jackentasche. Links die mit Traubenzuckeranteil für die schnelle Energiezufuhr und rechts die für die längerfristige Energieaufnahme. Ich kann sogar richtig schlafen und wache nach ca. 3,5 Stunden auf. Es ist jetzt etwa 23.30 Uhr. Draußen vor dem Zelt hört man den Wind heulen und Regentropfen trommeln auf das Zelt. Das macht mir nicht gerade Mut, meine neue Schätzung lautet 20:80, dass ich es schaffe. Noch im Schlafsack denke ich: Das Wetter am Kilimanjaro war immer gut, und ausgerechnet jetzt, wo es wichtig wird, ist es so ein Mist. Stell dich einfach tot und bleib wo du bist. Da draußen ist nicht dein Wetter. Einfach Pech gehabt mit dem Timing, da kann man nichts machen.