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13. Reisetag        Victoria Falls – 15.09.2016

Eigentlich ist der heutige Tag frei. Die meisten aus unserer Gruppe nehmen aber an einem der Highlights von Victoria Falls teil: einem Hubschrauberflug über die Fälle. Dafür werden wir um 7:45 Uhr an unserer Lodge abgeholt. Nach einem kurzen Briefing und der Angabe wie Name, Adresse und Kontaktdaten geht es auch schon los. In den Hubschraubern haben bis zu fünf Personen plus dem Piloten Platz. Es geht dann auf einen 22 Minuten Flug, über die Fälle, den zufließenden Sambesi, und dann auch noch über die ersten Schluchten nach den heutigen Fällen. Eigentlich bestehen die Fälle aus verschiedenen Abbruchkanten. Das Gestein darunter besteht im Wesentlichen aus Basalt, in das das Wasser in tausenden von Jahren immer wieder neue Abbruchkanten hineingefressen hat. Die Schluchten im Anschluss zur heutigen Abbruchkante verlaufen praktisch im Zickzackkurs unterhalb der heutigen Fälle. Sie stellen frühere Abbruchkanten dar. Es gibt im Moment zwei Thesen, wo sich die nächste Abbruchkante im Zufluss des Sambesi bilden wird. Inzwischen ist es aktuell die achte Abbruchkante, die 1855 von David Livingstone als ersten Europäer entdeckt wurden. Er benannte sie nach der damaligen englischen Königin Queen Victoria. Livingston selbst wurde 1823 in Schottland geboren. Sein Studium verdiente er sich selbst in einer Weberei, bevor er sich 1837 für Theologie und Medizin an der Universität in Glasgow einschrieb. 1840 schließlich geht er als Arzt und Missionar nach Afrika. Fünf Jahre später eröffnet er die erste Mission im Gebiet der Tswana, dem heutigen Botswana, in der Nähe der heutigen Hauptstadt Gaborone. Von dort beginnt er das südliche Afrika bis hinauf nach Angola und in den Kongo auf großen Expeditionen zu bereisen. Neben den Victoria Fällen entdeckt er den Mweru See, den Bangweula See – beide in der heutigen Republik Kongo, sucht aber auch nach den Quellen des Sambesi. Er kehrt für die Vorstellung seiner Expeditionsberichte mehrfach nach England zurück. Dort wurde er dafür gefeiert und veröffentlicht auch mehrere Bücher darüber. 1866 ist er zu einer Expedition zur Entdeckung der Nilquelle aufgebrochen, diese findet im Auftrag der Royal Geografic Society statt. Als man mehrere Jahre nichts von ihm hört, bricht 1869 der Times Journalist Henry Morton Stanley auf, um ihn zu suchen. Er findet ihn 1871 im heutigen Tansania schwer von einer Krankheit gekennzeichnet. 1872 geht Livingston schließlich auch seine letzte Reise, auf der er im Mai 1873 in Ulala, Sambia stirbt. Sein Leichnam wird von Trägern bis in die Hafenstadt Bagamoyo in Tansania gebracht, von wo sein Leichnam mit dem Schiff nach England überführt wird und schließlich in der Westminster Abbey in London im April 1874 beigesetzt wird.

Die Victoriafälle sind ca. 1700 m breit und bis zu 109 m hoch. Die über die Kante stürzenden Wassermassen sind über das Jahr verteilt sehr unterschiedlich. Der Sambesi wird vor allem aus den Regenfällen im angolischen Hochland gespeist, entspringt aber im äußersten Nordwesten Sambias. Er bringt im April und Mai die größten Wassermengen zu den Fällen. Dann ist er mit ca. 550 Millionen Litern in der Sekunde gefüllt. Zu dem Zeitpunkt sind die Victoria Fälle die größten Wasserfälle der Welt, womit sie ihren Namen „Mosi-oa-Tunya“, was so viel wie donnernder Rauch bedeutet, alle Ehre machen. Im Oktober / November gehen die Wassermengen auf nur noch 150 Millionen Litern pro Sekunde zurück. Zu der Zeit fallen die Victoria Fälle auf der sambischen Seite meist sogar komplett trocken. Obwohl schon jetzt die Wassermengen deutlich reduziert sind, so ist die aufsteigende Gischt auch zu dieser Jahreszeit auf der Seite von Simbabwe ziemlich beeindruckend. Und wie wir gestern feststellen durften, ist der Besuch der Fälle zuweilen ein sehr feuchtes Vergnügen. Bei den warmen Temperaturen aber durchaus nicht unangenehm, es gilt eben nur den Fotoapparat so gut es eben geht zu schützen. Heute beim Flug im Hubschrauber ist das natürlich weniger ein Problem. Der Flugplatz, von dem man abhebt, ist nur wenige Flugminuten von den Fällen entfernt. Wir fliegen im Prinzip dann eine acht über den Fällen um dann noch ein kleines Stück den Sambesi hoch zu fliegen. Anschließend geht es zurück mit einem kleinen Schlenker über das Umland von Victoria Falls über den Simbabwe Nationalpark.

Den restlichen Vormittag verbringen wir im Ort Victoria Falls. Es gibt die typischen afrikanischen Schnitzereien von Tieren, bevorzugt der Big Five und Giraffen in allen denkbaren Variationen, dazu natürlich Masken und Schalen. Dazu Stoffe, billigen Schmuck und ähnliches mehr. Einiges wird hinter den kleinen Auslagen gerade gefertigt, vieles aber vermutlich als billige Massenproduktion in Fernost zugekauft. Und mit ein bisschen Schuhcreme wird sicherlich auch das eine oder andere Stück mal schnell in Eboniholz umgearbeitet. Die Händler sind ein bisschen aufdringlich und beginnen praktisch immer mit Mondpreisen. Handeln ist also Pflicht! Überhaupt ist der ganze Ort vom Tourismus geprägt. Nichts anderes ist aber natürlich an einem weltweit so bekannten touristischen Ort auch zu erwarten. Es scheint praktisch nichts und niemanden zu geben, der nicht entweder direkt oder mittelbar damit zu tun hat. Vielleicht fällt der Supermarkt heraus, aber gebe es den Tourismus nicht, gebe es vermutlich auch diesen nicht.

Gegen Mittag sind wir zurück in der Lodge, nach einer kurzen Siesta gehen wir noch zu einer Geierfütterung am Hauptgebäude der Lodge. Den Nachmittag verbringen wir weitestgehend damit, dem Nichtstun zu frönen. So sitze ich vor unserem Häuschen und beobachte von der Terrasse Warzenschweine, Buschböcke, Perlhühner und eine kleine Pavian Familie, die nur wenigen Meter von mir entfernt vorüberzieht.

Als Abschluss vielleicht noch ein paar Fakten über den Sambesi. Er ist der viertgrößte Strom des Kontinents und hat eine Gesamtlänge von etwa 2570 km. Er entwässert mit seinen Zuflüssen dabei eine Fläche von etwa 1,3 Millionen km². Zum Vergleich die Elbe bringt es gerade mal auf knapp 150.000 km² und durchschnittlich 870.000 Liter in der Sekunde. Es gibt insgesamt nur neun Brücken über den Fluss, dazu noch einige Fähren und Boote. Insgesamt ist lediglich die Mündung des Sambesi gut schiffbar, ansonsten ist er von zahlreichen Stromschnellen geprägt. Neben dem Tourismusziel an den Victoria Fällen mit ca. 1,5 Millionen Besuchern im Jahr, hat er wirtschaftliche Bedeutung vor allem als Stromlieferant an den Talsperren, aber auch als Fischgrund für die etwa 32 Millionen Menschen, die entlang des Flusses leben. Und nicht zu vergessen auch die großen Schwemmgebiete vor allem in Sambia bzw. Angola, die sehr fruchtbares Ackerland sind.