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4. Reisetag         Cocuy – 04.02.2020

Heute steht ein Transfer-Tag auf dem Programm. Das Frühstück ist wieder für 07:30 Uhr geplant, und eine Stunde später soll es dann los gehen. Geplant ist dabei eine reine Fahrzeit von etwa 7 Stunden. Auf der Übersichtskarte erscheint die Strecke eher wie ein Katzensprung. Dabei muss man allerdings zwei Dinge beachten, wir müssen ein gutes Stück zurückfahren, um dann in einer Schleife zu unserem eigentlichen Ziel zu gelangen, Kolumbien hat eben eine lebendige Topologie. Und der zweite Punkt hat dann auch genau damit zu tun, es sind die vielen Höhenmeter zu bewältigen. Mongui liegt auf einer Höhe von rund 3100 m. Hier im Umfeld gibt es noch regen Kartoffelanbau, zum Vergleich wir sind hier bereits oberhalb der Zugspitze. Wobei der Kartoffelanbau auch durchaus noch bis Höhen von rund 3700 m in Kolumbien zu finden ist. Auffällig ist hier allerdings, dass es bereits einige abgeerntete Felder gibt, aber auch noch relativ junge grüne Pflanzen, die noch voll im Wachstum stecken. Die Erde für den Kartoffelanbau wird zwar meist noch maschinell bearbeitet, die Ernte selbst ist dann allerdings immer Handarbeit. So sieht man an zahlreichen Feldern die Säcke mit den Kartoffeln stehen. Etwas tiefer gelegen finden sich auch noch vereinzelt ein paar Zwiebelfelder. Der Mais ist schon komplett vertrocknet, dominierend ist hier aber vor allem die Rinderhaltung. Es gibt kleinere Herden von bis zu 20 Tieren, die meisten sind aber deutlich kleiner. Oftmals sieht man aber auch nur ein paar einzelne angepflogte Tiere. Wobei gilt, je höher die Lage desto kleiner die Herde.

Schon am Vormittag geraten wir in eine Polizeikontrolle. Die beiden Polizisten nehmen das Fahrzeug kurz in Augenschein, wobei dieses in einem guten Zustand ist und es eventuell auch noch eine Rolle spielt, dass Touristen darin sitzen. Für uns selbst beschränkt sich die ganze Aktion darauf, dass man zunächst unsere Pässe einsammelt, und sie uns nach dem Aufruf des Vornamens und einem kurzen Vergleich mit dem Foto wieder aushändigt. Die beiden Polizisten sind freundlich, und die ganze Aktion ist bereits nach wenigen Minuten erledigt. Bietet an der Stelle aber natürlich die Gelegenheit auf eine Besonderheit der kolumbianischen Polizei zu kommen. Die Nationalpolizei ist offiziell dem Verteidigungsministerium unterstellt. Der offizielle Oberbefehlshaber ist wie beim Militär der Präsident des Landes. Die Polizeimannschaft ist aktuell inklusiv der Hilfspolizisten rund 180.000 Mann stark. Dazu kommen dann noch rund 215.000 aktive Soldaten zuzüglich etwa 50.000 Reservisten. In der jüngeren Geschichte, bedingt durch den Kampf gegen verschiedene Guerillaeinheiten und auch dem gegen den Anbau und Handel von Drogen vermischen sich die Aufgaben der Polizei und des Militärs zuweilen. Denn anders als bei uns, wird das Militär in Kolumbien auch innerhalb des Landes eingesetzt. Dabei besteht für Männer eine allgemeine Wehrpflicht ab dem 18. Lebensjahr. Frauen können sich darüber hinaus freiwillig zum Dienst melden. Da es zahlreiche Ausnahmeregeln bei der Wehrpflicht gibt, sind er oftmals dann eher die unteren sozialen Schichten, die diesen dann tatsächlich auch ableisten. Die Wehrpflicht beträgt bei Heer und Luftwaffe aktuell 18 Monate, bei der Marine 24, und 12 Monate bei der Nationalpolizei. Allein für die Armee werden aktuell rund 3 % des Bruttoinlandproduktes aufgewendet. Zum Vergleich die USA wenden rund 4 % und in Europa im Durchschnitt rund 1,5 % auf. Insbesondere in den ersten 15 Jahren dieses Jahrhunderts waren die Werte in Kolumbien noch deutlich höher. Damals verschlang der Kampf gegen die bewaffnete Guerilla große finanzielle Mittel und forderte zahlreiche Opfer auf beiden Seiten. Glücklicherweise sind diese Zeiten vorbei.

Aber zurück zu unserem Tag. Wir erleben heute eine große klimatische Bandbreite. In Mongui waren die Temperaturen angenehm und die Landschaft noch einigermaßen grün. Immerhin sind wir aktuell auf dem Höhepunkt der Trockenzeit. Auf dem Weg zurück, auf dem wir auch nach Mongui gekommen waren, geht es durch einen tiefen Geländeeinschnitt, der uns bis auf eine Höhe von rund 1600 m in eine Schlucht hinunter führt. Immerhin eine Differenz von etwa 1500 Höhenmeter. Hier unten ist es sehr heiß und die Luft extrem trocken. So verwundert es auch nicht, dass die Vegetation faktisch komplett braun ist, und sich auch einige Kakteen finden. Das selbst gemachte Eis in einer kleinen Gastwirtschaft, an der wir Station machen, wurde dann auch mit Ziegenmilch hergestellt. Sie sind neben den Maultieren praktisch die einzigen Nutztiere, die diesem Klima trotzen können. Mit jeder Serpentine, die wir uns wieder nach oben schrauben, wird dann auch der Bewuchs wieder grüner. Und es dauert auch nicht so lange, bis wir am Horizont ein paar schneebedeckte über 5000 m hohe Berge zu sehen bekommen. Unser Ziel Cocuy liegt dann wieder auf einer Höhe von etwa 3100 m.

Aber noch mal zurück zum Klima. Kolumbien liegt auf dem Äquator und wird offiziell deshalb der tropischen Klimazone zugeschlagen. Gleichzeitig gibt es im Land aber gravierende Unterschiede. Im Flachland, also im Norden des Landes, herrscht tatsächlich ein tropisches Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von rund 25°C. Es folgen die Höhen zwischen 1000 und 2000 m mit einem gemäßigten Tropenklima, was für Temperaturen im Bereich von 17-30 °C sorgt. Die Höhen zwischen 2000 und 3000 m, also grob etwa der Bereich, in dem wir uns jetzt wieder befinden, gilt als kalt tropisch und es sind Temperaturen von 12-17° zu erwarten. In höheren Bergregionen, den Paramos geht es dann bis zu einem hoch alpinen Gletscherklima hinauf, bzw. mit den Temperaturen runter. Ein ähnliches Gefälle ja fast noch dramatischer gibt es bei den Regenmengen. Der Westen des Landes ist deutlich regenreicher als der Osten. Hier sind Niederschlagsmengen von 3000 l/Quadratmeter und Jahr keine Seltenheit. In den nordwestlichen Gebieten sind in besonders regenreichen Zonen gar bis zu 10.000 l/Quadratmeter und Jahr möglich. Damit gehören diese zu den regenreichsten Gebieten unseres Planeten. Das für Kolumbien andere extrem ist die Karibikküste und Teile des Flachlands im Norden, hier sind es gerade mal 400 Liter/Quadratmeter und Jahr. Und bei allem gibt es natürlich wieder die Spreizung der verschiedenen Höhenlagen. Grundsätzlich kann das Klima in Kolumbien in zwei Regen- und zwei Trockenzeiten eingeteilt werden. Wie schon zuvor erwähnt, befinden wir uns jetzt im Februar in einer Trockenzeit. Und das ist auch aktuell bei uns wieder so, die Sonne scheint von einem meist blauen Himmel an dem lediglich ein paar Schönwetterwolken für Struktur sorgen. So erreichen wir heute gegen 17:00 Uhr unsere Unterkunft in Cocuy auch wieder bei schönstem Wetter.