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15. Reisetag         21.02.2011 – Ancud

Ein geruhsamer Tag auf einer eben solchen Insel Chiloe. Wir beginnen erst um 9 Uhr, das scheint mir für unsere bisherige Reise Rekord zu sein. Erste Station ist die alte Festung von Ancud. Auch hier haben die Spanier eine Festung errichtet mit einem Gegenstück auf einer kleinen vorgelagerten Insel. Überhaupt war Chiloe lange Zeit der spanischen Krone treu. Sie kam erst acht Jahre nach langen Kämpfen zu der jungen Nation Chile. Zur gleichen Zeit etwa beanspruchte Chile auch die Magellanstraße bzw. das Land um sie herum für sich, zuvor war es „Niemandsland“, jedenfalls nach Lesart der eingewanderten Europäer, die indianischen Ureinwohner haben das sicherlich ein bisschen anders gesehen. Die Chilenen entdeckten die strategische Bedeutung des ansonsten vorerst nutzlosen Landes. Die Bedeutung ließ erst mit der Fertigstellung des Panama-Kanals dramatisch nach.

Vielleicht ist das hier dann auch noch mal ein guter Zeitpunkt weit in die Geschichte von Chile zurück zugehen. Die Ureinwohner kamen ca. 30000 v.Chr. über die Beringstraße im Norden Amerikas auf den Kontinent. Bis etwa 12000 v.Chr. hatten sich verschiedene Stämme bis ins heutige Chile praktisch den gesamten Kontinent, eigentlich sind es ja zwei Nord- und Südamerika, vorgearbeitet.  Im 15. Jahrhundert n. Chr. übernahmen die Inkas aus dem heutigen Peru kommend die Macht in den meisten Gebieten. 1492 entdeckte Columbus, pikanterweise ein Portugiese, der für den großen Konkurrenten Spanien segelte, die "neue" Welt in Form einer kleine Insel der Bahamas. 1507 sollte man der neuen Welt den Namen Amerika geben. Es setzte ein Wettlauf der Seefahrer-Nationen Spanien und Portugal ein. Man wollte eine Seepassage nach Indien finden, das Land interessierte beide anfangs nur am Rande. Als Magellan 1520 die nach ihm benannte Passage entdeckte, wusste man bereits, dass sich hinter dem Land ein weiteres großes Meer anschloss. Eine spanische Expedition hat auf dem Landweg Panama durchquert. Mittelamerika wurde für die Europäer auch schnell wichtig, da hier große Goldschätze in Besitz genommen werden konnten, auch wenn man dazu die Azteken unterwerfen musste. Dies lockte immer mehr Eroberer in Richtung Amerika. Schließlich landete Franzisco Pizarro 1531 in Peru. Er lockte den Häuptling der Inkas in einen Hinterhalt und nahm ihn gefangen. Er kassierte von den Inkas ein Lösegeld brachte ihn aber dennoch um, was inklusive der Zerstörung ihrer Hauptstadt das streng hierarchisch organisierte Inkareich zum Einsturz brachte. So konnten die Spanier relativ ungehindert große Landstriche in Besitz nehmen. Anfangs kam man von Norden nur bis in die Atacama-Wüste und drehte enttäuscht wieder um. Erst 1540 durchquerte Pedro de Valdivia die Wüste und fand im heutigen mittleren Chile gutes Land mit Bäumen und alles was man zum erfolgreichen Siedeln brauchte. Er gründete verschiede Städte, unter anderem 1541 Santiago, und ließ diese mit den bis heute vorhandenen im rechten Winkel zueinander liegenden  Straßen bauen mit der Plaza de Armas als zentralen Platz im Zentrum. In Chile kam es immer wieder zu Überfällen der örtlichen Indianer gegen die Spanier. So war es für sie nur in den befestigten Orten sicher. Dazu gehörten Orte wie Conception, Valdivia, Villiarrica oder Osorno. Insbesondere die in dem Gebiet lebenden Mapuche waren für die Spanier ein Problem, bei Kämpfen mit ihnen kam auch Pedro de Valdivia ums Leben. Die Kämpfe verhinderten einstweilen ein weiteres Vordringen der Spanier nach Süden, man orientierte sich eher ostwärts und zog über die Anden ins heutige westliche Argentinien. Den Eroberer wurde von der spanischen Krone als Entlohnung ein Teil des neuen Landes als Lehensgut überlassen, mit allem was sich darauf befand – also auch den Indianern. Sie sollten dafür für Sicherheit sorgen, ihre „Anvertrauten“ im spanischen Sinne in Politik und Religion unterweisen. Dafür durften sie von den Indianern Sklavenarbeit, Nahrungsmittel oder Steuern etwa in Form von Gold fordern. Anfangs wurde das Lehen auf Lebenszeit vergeben, später konnte es auch vererbt werden. In Chile bildete sich eine kleine reiche Oberschicht, der Rest blieb sehr arm. Insgesamt war man in Spanien enttäuscht vom heutigen Chile. Es gab weder Gold noch Silber, lediglich Agrarprodukte konnte man exportieren. Aufgrund der spanischen Handelsregeln mussten die Waren an der Pazifikküste nach Norden transportiert werden, dann etwa in Höhe von Panama über das Land an den Atlantik geschafft werden, um dort wieder auf Schiffe verladen bis nach Europa zu gelangen. Aufgrund der Windverhältnisse brauche alleine der Transport  im Pazifik drei Monate. Verwaltungstechnisch wurde Chile anfangs vom Vizekönigreich Peru geführt. Später erhielt man eine gewisse Eigenständigkeit mit eigener Gerichtsbarkeit. Als die spanische Flotte in Europa bei der Schlacht von Trafalgar 1805 praktisch komplett von den Briten versenkt worden war, begannen die Menschen in Südamerika nach mehr Unabhängigkeit zu streben. Napoleon besetzte Spanien und in Südamerika bildeten sich in den Städten „Juntas“, die im Namen der spanischen Krone weiter regierten. Am 18.09.1810 bildete sich die erste Nationalregierung in Santiago. Sie wurde von einer Bürgerversammlung, die der damalige Gouverneur einberufen hatte, gewählt. Die Versammlung bestand aus 350 „ausgewählten“ Bürgern. Sie bekannte sich zur spanischen Krone, unterwarf sich aber nicht den Franzosen. In den beiden folgenden Jahren wurde ein eigenes Heer aufgebaut, freiere Handelsgesetze verkündet und schließlich eine Verfassung ausgearbeitet. Sie erkannte den spanischen König als Staatsoberhaupt an, fordert von ihm aber die vom Volk gewählte chilenische Regierung anzuerkennen. Das konnte Spanien natürlich nicht akzeptieren. Es folgte die Rückkehr von spanischen Soldaten ins Land, die anfänglich die Oberhand zu behalten schienen. Erst als die Aufständischen unter Jose Miguel Carrera und Bernardo O’Higgens sich im argentinischen Mendoza sich mit dem argentinischen Freiheitskämpfer Jose de San Martin zusammentaten, besiegten sie schließlich die Spanier. Am 12.02.1818 riefen sie die Unabhängigkeit Chiles aus. Am 05.04.1818 fand die letzte große Schlacht statt. Im Jahre 1820 eroberte der britische Freibeuter Lord Cochrane die Festungen bei Valdivia, darüber hatte ich schon berichtet, als wir dort die Festung Fuerta Niebla besucht hatten. Und weitere sechs Jahre später fiel auch die letzte Bastion der Spanier hier auf Chiloe.

Nun genug mit der Geschichte, das heißt eigentlich nicht. Schließlich haben wir auf unserer Reise als nächstes Ziel ein Museum in Ancud angesteuert. Es geht hier um das Wirken der Jesuiten ab dem 17. Jahrhundert in Chile und vor allem um ihre Holzkirchen hier auf Chiloe. Von allen auf der Insel, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehören, steht hier ein kleines Modell. Hier befindet sich auch die Werkstatt, in der die Teile zur Restaurierung der Kirchen gefertigt werden. Restauration bedeutet hier eigentlich immer Nachbau nach alten Vorbildern.

Dann wird es aber auch mal wieder Zeit für Natur, wovon es in Chile schließlich so viel gibt. Wir fahren zur Pinguinkolonie Pumillahue. Das besondere hier ist, das hier sowohl Humbold- als auch Magellanpinguine zu beobachten sind. Dazu fährt man mit kleinen Fiberglasbooten zu zwei kleinen Felseninseln, die der Küste einige hundert Meter vorgelagert sind. Interessant ist dabei schon das Besteigen der Boote. Man besteigt eine kleine Gitterplattform mit einem Gelände, es passen etwa ein Dutzend Personen drauf, also etwa die Anzahl, die dann auch auf den kleinen Booten Platz findet. Dann wird das ganze von drei „großen Jungs“ soweit ins Meer geschoben, das die Boote sie mit Hilfe einer größeren Welle erreichen können. Mit genau so einer Welle geht es nach dem Umstieg aufs Boot dann los. Als wir dort ankamen waren allerdings fast nur Magellanpinguine anzutreffen. Unterscheiden kann man sie am besten an der schwarzen Zeichnung am Hals bzw. über der Brust. Magellanpinguine haben zwei Streifen Humboldpinguine nur einen. Auf den beiden Inseln waren noch einige Kormorane, ein Seeotter und ein paar nahezu flugunfähige Gänse zu sehen. Zurück geht es wieder auf dem gleichen Weg inklusive dem Transport auf dem Wagen. Wie man uns sagt, fehlt schlicht das Geld für eine Seebrücke, zumal die wegen dem in den verschiedenen Jahreszeiten sehr unterschiedlich ausfallenden Tiedehub an dem flach auslaufenden Wasser sehr weit in den Pazifik reichen müsste.

Als schönen Ausklang des „kurzen“ Tages machen wir noch einen etwa 1,5 stündigen Spaziergang am Strand. Wobei der hier praktisch braun ist, aufgrund der starken Wellen werden aber allerhand Steine, Muscheln, Reste von Krustentieren und Algen angeschwemmt. Bis auf die Steine ist dann aber alles ein paar Nummern größer als bei uns. So kann jeder ein bisschen was auch immer sammeln oder auch einfach nur Barfuß im weichen immer mal wieder von einer großen Welle überspülten Strand im Sand „patschen“. Obwohl es heute recht frisch ist, ist es einfach angenehm im trotzdem erstaunlich warmen Sand zu gehen. Da wir für unsere Verhältnisse auch relativ früh zurück sind, ist heute mal ein wirklich schöner Tag zum einfach nur Genießen.