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7. Tag        15.08.2013 – Khongoryn els

Heute beginnt alles eine Stunde früher als sonst, da die Straßenverhältnisse nicht klar sind, wobei „Straßen-“ verhältnisse natürlich schon völlig übertrieben ist, es geht eher um die „Wege“. Unsere heutige Strecke sind eigentlich nur 170 Kilometer, aber wir wollen dort möglichst rechtzeitig ankommen, damit wir noch Zeit für etwas „Besonderes“ haben. Mein erster Blick gilt aber ohnehin den dunklen Rändern im Zelt vom Regen der letzten Nacht. Der Schlafsack ist am Fußende feucht, gleiches gilt für die Isomatte insbesondere am Kopf- und Fußende. Die Unterlage, die wir vom Veranstalter bekommen haben, ist komplett nass. Ich bin eigentlich recht zufrieden damit, es hätte auch deutlich schlimmer kommen können. Zum Trocknen ist jetzt auch ohnehin keine Zeit. Also alles verpacken und darauf hoffen, dass heute im neuen Zeltlager die Möglichkeit besteht alles richten zu können.

Es geht für uns rechtzeitig los, aufgrund der etwas früheren Zeiten ist auch nicht mehr soviel Gemurmel vor den offiziellen Zeiten. Wie eigentlich jeden Tag gehen wir schon ein bisschen vorab zu Fuß los. So hat das Begleitteam noch Zeit, die letzten Sachen zu verpacken, und soweit nicht geschehen auch noch das letzte Gepäck in den Fahrzeugen zu verstauen. Dabei kommen wir auch an einer Jurte vorbei, vor der ein paar Kamele und geschätzt 200 Schafe und Ziegen stehen. In der Nähe der Jurte befindet sich auch ein kleiner Brunnen, in dem wir wieder Wasser in Kanister und unzählige ehemalige Wasserflaschen füllen. Unsere Begleitmannschaft trinkt immer noch die vor ein paar Tagen bei der Jurte, bei der wir zu Besuch waren, erhaltene Stutenmilch. Die ist jetzt die ganzen Tagen ungekühlt offen in den Autos, teilweise sogar direkt der Sonne ausgesetzt, transportiert worden. Nicht nur, dass die mir nicht schmeckt, dürfte die inzwischen ein bisschen „obergehrig“ sein, und dürfte einen mitteleuropäischen Magen komplett umkrempeln, aber den Mongolen macht das ganz offensichtlich nichts aus.

In den nächsten Stunden lässt der Bewuchs der Steppe immer weiter nach. Aus der Entfernung scheint es noch grün zu sein, doch aus der Nähe betrachtet, sind es doch eher nur noch vereinzelte Halme, die von nahem auch eher eine vertrockneten braune Farbe angenommen haben. Nach einer gewissen Zeit fahren wir eher zwischen zwei Gebirgszügen hindurch. Auf der linken Seite kommen dann zur Mittagszeit die ersten Dünen ins Blickfeld. Davor steht im Sand ein langes tatsächlich grünes Gras, wenn auch hier die Halme eher vereinzelt stehen, dann die gelblichen Sanddünen und dahinter die bräunlichen Felsen. Auch so schon ein schönes Farbspiel, dazu ist es leider etwas dunstig bzw. auch wolkig, im Sonnenlicht wäre das Panorama sicherlich noch deutlich schöner gewesen. Aber wir sind ja schon zufrieden, dass es nicht mehr regnet. Dabei hätten die Bewohner dieses Landstriches das sicherlich als gutes Wetter bezeichnet. So unterschiedlich kann eben die Sichtweise sein.

Für den restlichen Weg wird uns die Sanddüne heute begleiten. Ich hatte ja, als ich die Reise in die Mongolei geplant hatte, das Land nicht zuletzt ausgewählt, weil ich als Liebhaber von Wüsten, gerne in die Wüste Gobi wollte. Dass die Gobi eigentlich gar keine Wüste ist, bemerkte ich erst sehr viel später. Und nun waren sie da, die großen Sanddünen, die man so zwangsläufig mit der Wüste verbindet. Auch wenn mir natürlich klar ist, das Wüsten eben sehr viel mehr Erscheinungsformen haben, als eine bis ins unendliche reichende Aneinanderreihung von Wellen, die aus pulvrigen Sand bestehen. Und doch freue ich mich „diebisch“ über die Sanddünen. Ich habe innerlich ein bisschen das Gefühl angekommen zu sein, wenn auch an einem Ort, der für etwas steht, dass nicht typische für die Mongolei ist. Und dann schlagen wir auch noch gegen 15.00 Uhr unsere Zelte in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Dünen auf. Inzwischen scheint die Sonne, und so trocknen Schlafsack, Isomatte und auch die Unterlage schnell im Wind. Getrennt von den Dünen sind wir hier nur noch durch ein schmales grünes Band. Direkt vor den Sanddünen haben sich ein paar Wasserlöcher gebildet. Zum Teil sind diese auch schon wieder ausgetrocknet, was dazu geführt hat, dass etwa 4cm dicke Platten des Bodens wie in Schlammlöchern sich langsam an die Kanten nach oben wölben. Daraus ergibt sich ein riesiges Spinnennetz artiges Gebilde, an denen die Erde aufgeplatzt ist. Doch in den kleinen Kratern bildet sich bereits neues Leben, und kleine Pflanzen schieben sich ans Licht. Außerdem gibt es noch ein paar zusammengewehte Erhebungen, auf denen dornige Pflanzen wachsen, die so offensichtlich den Überschwemmungen trotzen. Stellt sich noch die Frage: Sanddünen, wüstenähnliche Steppe und grünes Band, wie passt denn das zusammen. Das ist einfacher als man zunächst denkt. An den Bergen gibt es eben doch immer mal wieder Regen, auch wenn die Regenmengen natürlich gering sind, aber der Boden hier nimmt eben praktisch kaum Feuchtigkeit auf, und so läuft das gros schnell ungenutzt ab. Es bilden sich Wasserläufe bzw. Flüsse, und genau direkt an einem solchen Zelten wir hier, es ist der Kongor, der hier fließt, wenn er denn fließt. Meist ist er eher eine Aneinanderreihung von Wassertümpeln. Auch er ergießt sich übrigens nie ins Meer oder auch nur in einen anderen Fluss. Aber es reicht, um hier ein grünes Band entstehen zu lassen. Und er verschafft uns auch einige hundert Besucher in unserem Lager, oder vielleicht sollte ich besser Durchreisende sagen. Eine Herde Ziegen und Schafe zieht mehr oder weniger mitten durch die aufgestellten Zelte um auf direktem Wege zum Wasser zu gelangen, das sie ganz offensichtlich an jedem Abend aufsuchen. Später gesellen sich am Wasser noch ein paar Pferde und vor allem Kamele dazu. Insbesondere die Pferde hatte ich hier eigentlich nicht mehr erwartet.

Uns selbst zieht es vor dem Abendbrot noch zu einer „kleinen“ Aktivität. Wir wollen auf die Sanddünen rauf, was, wie man sich unschwer vorstellen kann, ein etwas mühsames Unterfangen ist. Es geht eher nach dem Motto zwei Schritte nach vorne und einen zurück. Dazu der tiefe lose Sand, das macht es dann doch ziemlich kraftraubend. Ich selbst entscheide mich für die Barfussvariante. Das ist sehr angenehm an den Füßen, und einem fällt nicht der ganze Sand in die Schuhe. Der Sand ist auch nicht mehr so heiß, das ich deshalb bedenken hätte. Auf anderen Dünen habe ich diese Technik als die beste empfunden. Ich sehe zu, an den Anfang der Gruppe zu kommen. Und so möglichst freie Fahrt auf dem Weg nach oben zu haben. Vor uns sind ein gutes Stück voraus zwei andere Männer an dieser Stelle auf die Düne hinauf gelaufen. So versuche ich soweit möglich ihre Spur zu nutzen, da dort der Sand etwas fester ist, und man nicht ganz so tief einsingt. Ich versuche langsam und möglichst gleichmäßig zu gehen. Trotzdem muss ich ein paar kleine Pausen einlegen, um den Atem wieder etwas zu beruhigen, und es ist ja auch keinen Rennen hier. Andere aus meiner Gruppe habe offensichtlich noch deutlich mehr Mühe mit dem Anstieg, so bin ich einigermaßen glücklich, am Anfang nach vorne gegangen zu sein. So hält mich in meinem Tempo niemand auf, bin aber auch für de anderen kein Hindernis. Auch wenn hier eigentlich so viel Platz ist, überlegt man sich eben doch wo man am einfachsten nach Oben kommt. Auf halber Strecke rufen die beiden Männer vor uns hinüber, ich sollte lieber meine Schuhe anziehen, es gäbe hier Skorpione. OK, das ist natürlich ein Argument, dem man sich nicht verschließen sollte. Also ziehe ich an der Düne dann doch vorsichtshalber die Schuhe an. Endlich oben angekommen steht man dann ziemlich im Wind, der eine Menge feinster Sandkörnchen dabei hat. Das grenzt mit meiner kurzen Hose dann auch schon fast an ein Ganzkörperpeeling. Ich habe wegen des feinen Sands auch ein bisschen Bedenken mit der Kamera. Aber auf der anderen Seite ist es auch ein unglaubliche schöner Ausblick. Die Düne auf der wir hier stehen, ist etwa 200m über dem Zeltlager gelegen, das unter uns ziemliche klein und unbedeutend geworden ist. Diese erste Reihe besteht auch aus der höchsten Reihe der Dünen. Die dahinter befindlichen sind deutlich kleiner. Überhaupt weiß man nicht genau, weshalb sich die Sanddünen hier überhaupt gebildet haben. Das Gebiet ist etwa 180km lang, dabei aber nur maximal 4km breit. Das andere Phänomen sind die Geräusche, die der Wind mit den feinen Sandkörnchen erzeugt. Philosophisch gesehen spielt er ein Instrument, was den Dünen auch den Beinamen „singende Dünen“ eingebracht hat. Den Ausblick haben die Mühen hier herauf zu kommen auf jeden Fall gelohnt. Bisher haben wir ja vor allem viele Stunden im Auto gesessen, und auch unter dem Gesichtspunkt eine schöne Abwechslung mit einem sehr lohnenden Ziel. Runter geht es dann deutlich einfacher. Ich kann es mir auch nicht verkneifen, anders wie beim Aufstieg in Serpentinen den direkten Weg nach unten zu wählen. Auch hier an den Dünen wachsen an einigen Stellen die langen Gräser, was wegen der Trockenheit schon sehr erstaunlich ist, doch an einer Stelle haben offensichtlich auch schon andere den direkten Weg gewählt, was den Gräsern nicht gerade zuträglich ist. Aber für meinen Weg nach unten ist es dadurch eine gute Stelle. So strebe ich mit Sieben-Meilen-Stiefeln nach unten. Das bringt noch ein bisschen mehr Sand in die Schuhe, aber mehr als voll können die auch nicht mehr werden. Die Dünen gehören übrigens zum Gebirgszug Zöölön Uul, ich glaube ich habe noch nie ein Wort mit einer derartigen Anhäufung von „ös“ gesehen. Da bekommt der Satz aus der Werbung: „Ohne ö fehlt dir was“, eine ganz neue Bedeutung.

Nach dem Abendbrot hätten wir aber beinahe ein anderes sehr schönes Ereignis verpasst. Sonnenuntergang mit Wolken, und das an einer Sanddüne. Da sitzt man, staunt und genießt gleichermaßen.