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22. Reisetag         28.02.2011 – Torres del Paine

Wieder mal heißt es früh aufstehen, heute geht es um 6 Uhr aus dem Bett. Das endgültige Packen für die Wanderung steht an. Bis auf das Zelt passt alles in den Rucksack, das schnalle ich als Gegengewicht zum links steckenden Wasser auf der rechten Seite fest. Nach dem Frühstück bin ich bereit, nur das „stabile“ Wetter gibt mir zu denken. Es regnet mal mehr mal weniger, aber dauerhaft, man könnte wohl auch stabil sagen. Das kann auf dem Weg zum Torres del Paine Nationalpark aber ja noch besser werden. Immerhin ist die Fahrzeit mit etwa 2,5 Stunden veranschlagt. Das erste Stück geht es auf Asphaltstraßen gut vorwärts, aber schon bald wechselt der Belag in eine Schotterpiste. Auch die ist in einem relativ guten Zustand, aber eben eine Piste. Unser erstes Zwischenziel ist der Lago Grey. Wir kommen gegen 10 Uhr an, hier wollen wir dann um 11 Uhr auf das Schiff umsteigen. Die Abfahrt verzögert sich um eine Stunde. So sitzen wir noch im Kleinbus und sehen den Regentropfen dabei zu, wie sie an den Seitenscheiben hinunter laufen. Dazu untermalt das Trommeln der Tropfen auf dem Autodach die Szenerie. Die Stimmung ist nicht eben zu Jubelstürmen angetan. Irgendwann ist es dann aber doch soweit, noch einmal auf eine „gesittete“ Toilette.

Mit dem geschulterten Rucksack geht es in Richtung des kleinen Piers. Von dort werden wir mit einem kleinen Beiboot abgeholt und zum eigentlichen Schiff gebracht. Die Rucksäcke liegen im Bug aufgestapelt. Als wir am Boot angekommen sind, werden diese zuerst entladen und auf dem Boot neben dem Aufgang auf dem  Deck unter eine Plane untergebracht. Blöd nur, das da noch meine Kamera drin ist. Das Gedränge auf dem Boot ist eher begrenzt, es ist kaum halb gefüllt. Aber es ist eben auch kein Fotowetter heute. Trotzdem möchte ich natürlich an meine Kamera, denn schon auf dem Lago Grey treiben an uns blaue Eisblöcke vorbei. Hier in den südlichen Anden gibt es noch wachsende Gletscher, was aber natürlich auch hier nicht für alle gilt. Aber die Wissenschaft rätselt schon, warum hier überhaupt noch welche wachsen. Die Eisblöcke hier stammen vom  Grey Gletscher, der praktisch in den See ausläuft. Wir haben vor dem Besteigen des Bootes zwar Schwimmwesten bekommen, aber bei den obligatorischen Sicherheitshinweisen empfiehlt man uns, lieber nicht über Bord zu gehen, da das Wasser selbst im Sommer nur eiskalte 5°C erreicht, und man entsprechend bereits nach wenigen Minuten im Wasser erfriert. Der Grey Gletscher ist etwa 28km lang, und zählt damit schon mal zu den Größeren. Vielleicht noch ein paar Sätze zu den Gletschern. Damit Gletscher überhaupt entstehen können, bedarf es Schnee und tiefe Temperaturen. Der Schnee bleibt dabei an den Stellen, an denen sich Gletscher bilden ganzjährig liegen. Dadurch, dass immer wieder Schnee von oben darauf fällt, wird der darunter liegende Schnee zusammengedrückt und wird zu Eis. Dabei wird der Luftgehalt von anfangs etwa 90% durch den Druck auf bis zu 2% reduziert. Im Umkehrschluss bedeutet das, das etwa 10m Neuschnee dafür nötig ist einen guten Meter Gletscher zu bekommen. Die bläuliche Farbe ergibt sich genau durch die Restmenge der enthaltenen Luft, dabei gilt je blauer desto weniger Luft ist enthalten. Gletscher werden aber erst zu solchen, wenn sie sich in Bewegung befinden. Dazu kann es auf verschiedene Art und Weise kommen, wie etwa das sich durch den Druck, der auf den unteren Schichten liegt, sich diese immer wieder zeitweise verflüssigen und einen Wasserfilm bilden, auf dem der ganze Gletscher langsam gleitet. Oder auch dadurch, das in einem Gefälle durch das Gewicht der höher gelegenen Teile untere talwärts geschoben werden. Auch das ist ein sichtbares Zeichen des Gletscher, das sie eben die Landschaft verändern und sich ein „Bett“ hobeln.

Aber zurück zum Grey Gletscher, mit der Hilfe unseres Reiseleiters komme ich doch noch an meine Kamera und mache ein paar Bilder, der vom Gletscher abgebrochenen Eisblöcke, die an uns vorbei treiben. Dieses Abbrechen des Eises bezeichnet man übrigens als „Kalben“. Kurz vor dem Gletscher fahren wir, wieder mit dem Beiboot, an das rechte Ufer. Da es hier keinen Anleger gibt, fährt das Beiboot mit tuckerndem Motor direkt vor einen Felsen und wird so mehr oder weniger ruhig gehalten. Wir springen praktisch über Bord auf den Felsen und reichen die Rucksäcke einander zu. Da gleichzeitig bereits aus dem hier liegenden Refugio Grey andere Wanderer auf das Boot klettern, verläuft das Aussteigen hier etwas chaotisch. Die Bootsbesatzung scheint sich aber auch nicht weiter eingreifen zu wollen. Ich bin auf jeden Fall nicht eben unglücklich, nicht die kürzesten Beine zu haben. Die erste Aktion ist erstmal die Regenhaube über den Rucksack zu ziehen. Es regnet immer noch, auch wenn es ein bisschen nachgelassen hat, ist ohne entsprechende Schutzkleidung schnell alles nass. Wir beschließen erstmal in der hiesigen Hütte Unterschlupf zu suchen. Schuhe und Regenkleidung bleiben im Vorraum und wir sitzen in der Nähe des Ofens. Nach einer Stunde klart es, wie im letzten Wetterbericht vorausgesagt, gegen 15 Uhr auf. Ursprünglich hatten wir vor über das Camp Paine Grande noch zum Camp Italiano zu kommen. Da wir aber mit dem Boot bereits eine Stunde Verspätung hatten, und wir dann hier eine weitere Stunde „verbummelt“ haben, verwerfen wir die schon vorher etwas ambitionierte Variante, und planen nur zum Camp Paine Grande zu gehen. Bevor es aber los geht, gehen wir noch zu einem Aussichtspunkt etwas dichter an den Gletscher. Je dichter wir kommen, desto gewaltiger werden die Eismassen.

Was soll ich sagen, obwohl es scheinbar windstill ist, verziehen sich die Regenwolken, und die Sonne blinzelt immer wieder durch die Wolken. So heißt es den Rucksack aufschnallen und Abmarsch. Wie jedes Mal fange ich an den Einstellungen des Rucksacks an zu stellen. Hier ein bisschen kürzer, da ein bisschen strammer, oder doch anders herum. Ich merke schon nach kurzem Weg, das es nicht zu geschickt war, das Zelt an der Seite festzuschnallen, so bin ich auf der Seite etwas stärker belastet, was meine Schulter nicht gerade besonders gerne sieht. Es ist aber auch nicht so, dass ich sofort eingreifen müsste, weil es so überhaupt nicht geht. Unser Weg führt uns schon gleich zu Beginn ordentlich bergauf, dazu immer wieder Geröll und Baumwurzeln. Beides wird aber mit zunehmender Gehzeit deutlich besser. Unsere erste Etappe ist etwa 11km lang und soll je nach Plan eine Regelgehzeit von 3,5 bis 4 Stunden haben. Wir benötigen 4,5 Stunden. Trotzdem sieht man dem einen oder anderen die Strapazen schon deutlich an. Und hier und da ist man wohl auch schon etwas übers Limit gegangen. Bei mir quakt das rechte Bein etwas wegen der ungleichen Gewichtsverteilung. Aber es ist auch nichts, über das ich mir wirklich Sorgen mache. Wir suchen uns in dem Camp Zeltplätze, wobei die besten wohl längst vergeben sind, da wir relativ spät angekommen sind. In dem Camp gibt es ein Kochhäuschen und eins für die sanitären Einrichtungen. Wir kochen in der Nähe der Zelte draußen auf den mitgebrachten Gaskochern. Gleichzeitig bauen wir die Zelte auf, ich bin dabei recht glücklich, eins für mich alleine zu habe, und mir keins mit unserem Guide geteilt zu haben. So muss ich es zwar auch immer selbst tragen, und es ist schon ein Unterschied mit einem „großen“ Rucksack inklusive Verpflegung oder nur mit einem Tagesrucksack unterwegs zu sein. Aber die Zelte sind für zwei Personen recht knapp geschnitten. So stoße ich entweder mit den Füßen oder mit dem Kopf an die Zeltwand, wenn ich mich gerade ins Zelt lege. Ein bisschen schräg geht es so gerade, ich bin mir aber schon relativ sicher, am morgen auf einem Ende einen nassen Schlafsack zu haben. Aber das ist im Moment nicht meine Sorge, erstmal bin ich froh, das ich nach den Kohlenhydraten der Nudeln ein Schläfchen machen kann, um wieder fit für den nächsten Tag zu sein. Schließlich müssen wir morgen möglichst den heute nicht geschafften Streckenabschnitt aufholen.