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16. Reisetag    25.02.2012 – Durama

Der heutige Tag ist schnell erzählt, wir sind unterwegs. Wir wollen heute von Kichwamba nach Durma, was in der Nähe von Fort Portales liegt. Das ist eine Strecke von etwas über 100km, und davon sind die meisten sogar Asphalt. Auch wenn man natürlich berücksichtigen muss, dass die Straßen natürlich nicht ganz mit unseren zu vergleichen sind, sollte es nur ein kurzer Tag werden. So starten wir erst spät so gegen 09.30 Uhr. Schon nach kurzer Zeit machen wir einen Tankstopp. Unser Landrover scheint einen Extratank zu haben, einmal Volltanken für 370000, zum Glück sind es nur Schilling. Umgerechnet kostet hier ein Liter Diesel 1,10 Euro, bei unserer Abfahrt war es in Deutschland 1,40 Euro. Unterwegs frischen wir unsere Vorräte weiter auf, unter anderem kaufen wir Ananas und Bananen an der Straße. Beides sind Produkte, die es hier praktisch überall zu kaufen gibt. Was auch auffällt sind die zahlreichen Ziegeltürme. Dabei werden selbst gegrabene lehmhaltige Erdklumpen mit Hilfe eines Holzkastens in Form gebracht und getrocknet. Die Rohlinge werden dann zu großen Haufen gestapelt. Sie sind von der Grundfläche so etwa 2,5x6m und haben dann auch schon mal locker eine Höhe jenseits der drei Meter. Unten sind zwei Gänge drin, in denen das Feuer zum Brennen der Ziegel geschürt wird. Die äußere Schicht des „Ziegelofens“ wird noch mit Schlamm sowie Blättern und Zweigen bedeckt. Anschließend werden dann die Ziegel mittels des Feuers in den beiden unteren Gängen gebrannt. Das bedeutet natürlich, dass eben nicht alle Ziegel wirklich gleichmäßig gebrannt werden, da manche praktisch mitten im Feuer stehen und die äußeren Schichten eben kaum richtig durchgebrannt sind. So sind dann auf oftmals Schutthalden am Ort der vergangenen Einweg-Ziegelöfen zu sehen. Aber die Ziegel sind natürlich ein enormer Fortschritt gegenüber den Lehm- oder Holzhütten.

Kurz nach der Mittagspause erreichen wir Fort Portales, von wo es noch rund 15km auf Pisten bis nach Durama sind. Hier sind wir auf einem Campingplatz, der zu einer Hotelanlage gehört, wobei Hotel hier insbesondere auf dem Land nicht mit einem Hotel nach europäischen Maßstäben zu vergleichen ist. Aber alles ist gepflegt und es gibt mehrere warme Duschen. Wobei  diese den ganzen Tag warmes Wasser bereit halten. Da es in Uganda das ganze Jahr mehr oder weniger gleich warm ist, gibt es natürlich keine Heizungen wie bei uns. So wird das Wasser im ländlichen Raum wenn überhaupt mit Hilfe der Sonne erwärmt, und wenn es verbraucht ist, scheint ja die Sonne am nächsten Tag wieder, oder wie hier mit einer Art Durchlauferhitzer. Dabei wird die Wasserleitung durch einen kleinen Ofen geleitet, in dem ein Stück Holz vor sich hin glimmt. Umgeben ist die Anlage hier von Teeplantagen, ganz in der Nähe befindet sich ein erloschener Vulkankegel, in dem sich ein idyllischer See gebildet hat, der durchaus  einen kleinen Spaziergang lohnt.

Heute ist auch eine gute Gelegenheit, einen längeren Ausflug durch die Geschichte Ugandas zu machen. Aus der Frühzeit gibt es kaum Aufzeichnungen, allgemein gilt Ostafrika als die Wiege der Menschheit. Vor rund 2000 Jahren waren es vor allem Pygmäen, die hier lebten. Sie wurde von da an aber von Bantuvölkern, die auch Ackerbau betrieben, von Norden her kommend verdrängt. Ihnen folgten Niloten, die eher aus kleineren Hirtenvölkern bestanden. Sie gelten auch Züchter der Ankole-Rinder, die noch heute vorherrschend in Uganda sind. Ab dem 15. Jahrhundert bildeten sich Königreiche im Land, die aus den verschiedenen Stämmen entstanden. Dabei war das Königreich Buganda führend. Um 1860 begann dann die Kolonialisierung durch die Europäer, wobei sich in Ostafrika vor allem die damaligen Großmächte Großbritannien und Deutschland hervor taten. In der Berlinkonferenz von 1884 teilten diese Ostafrika untereinander auf. Man nahm dabei aber keinerlei Rücksicht auf alte Stammesgrenzen, sonder versuchte nur die eigenen Machtinteressen auszutarieren. Das Gebiet des heutigen Tansanias fiel an Deutschland, die heutigen Länder Uganda und Kenia fielen unter britisches Protektorat, die Britsh East Africa Company wurde mit der Durchsetzung der politischen und auch kommerziellen Interessen der Kolonialmacht beauftragt. Es kam zu mehreren Aufständen, die alle niedergeschlagen worden sind. Wegen der unterschiedlichen Entwicklungen wurde das Protektorat aber in das heutige Uganda und Kenia aufgeteilt. Anders als in Kenia siedelten sich in Uganda auch kaum europäische Siedler an, so blieb das Land weitestgehend in kleinen Parzellen im Besitz der Bevölkerung. Durch den Bau einer Eisenbahnlinie vom Kampala bis nach Mombasa begann ein bescheidener wirtschaftlicher Aufschwung, in dessen Zuge auch zahlreiche Asiaten ins Land kamen, die vor allem im Bereich des Handels und im bescheidenen Umfang auch der Industrie aktiv wurden. Die restliche Bevölkerung betrieb vor allem Landwirtschaft, wobei Baumwolle und schon damals Kaffee die Hauptprodukte waren. Schon früher wurde hier Handel mit muslimsch geprägten Ländern getrieben, was auch eine geringe Verbreitung des Islams zur Folge hatte. Im Zuge der Kolonisierung kamen dann zahlreiche christliche Missionare ins Land, warum sich auch schon mal die früher erwähnte große Verbreitung  von rund 70% des Christentums erklärt.

1962 entließen die Briten Uganda dann in die Unabhängigkeit, wobei sie ein relativ kompliziertes föderalistisches System hinterließen, was die junge Nation mit den noch immer bestehenden Königreichen zusammenhalten sollte. Premierminister  wurde der Lehrer Milton Obote. In den nächsten Jahren versuchte Obote die alleinige Macht an sich zu bringen, was 1966 schließlich dazu führte, das er gestützt auf die Armee die Verfassung aussetzte. Er entließ den Präsidenten, und vertrieb den König von Buganda ins Exil, weil dieser seinerseits auf die Unabhängigkeit seines Reiches drängte. Es kam in der Folge zu verschieden Gewaltexzessen einer Willkürherrschaft Obotes und der Armee. In dessen Fahrwasser gewann Idi Amin inzwischen im Rang eines Generals die Macht über die Armee. Während eines Auslandsaufenthalts Obotes erklärte er sich 1971 zum neuen Führer des Landes, was auch durch die Abkehr des Westens von Obote begünstigt wurde. Doch seine Führung zeichnete sich nur durch neue Greultaten und Willkür aus. Gefolgsleute Obotes aus Wirtschaft und Armee verschwanden spurlos. In den Gefängnissen wurde gemordet und gefoltert. Aber auch ganze Dörfer ließ er vollständig vernichten und die Bewohner massakrieren. Während seiner Regierungszeit von 1971 bis 1979 wurden über 400000 Menschen umgebracht. Besonders betroffen waren die Langi, der Stamm Obotes, und die Acholi, aber auch 30000 Karamojong, Nachfolger der Pygmäen, wurden umgebracht, weil Amin sie für primitiv hielt. Er wollte eine Afrikanisierung Ugandas. So wies er 1972 alle Asiaten aus Uganda aus. Deren Besitz verteilte er unter seinen Gefolgsleuten. Im gleichen Jahr stattete er auch der Queen in London einen Überraschungsbesuch ab. Auf die Frage, was der Grund für seinen Besuch war, soll er geantwortet haben, es sei schwer in Afrika Schuhe in der Größe 47 zu bekommen. Nach seiner Rückkehr hat er die in Uganda lebenden Briten dazu aufgefordert, gefälligst vor ihm niederzuknien. Sich selbst ernannte er zum König von Schottland und Eroberer des britischen Empires. Pikanterweise wurde er von Briten und Israelis früher zum Fallschirmjäger ausgebildet. Auch Israelis verwies er später des Landes, um an Rüstungsgelder aus Lybien zu kommen. Im Ausland war Idi Amin als „Schlächter von Kampala“ bekannt. Durch seine Politik verelendete das Land aber rasch und die Unterstützung durch die Bevölkerung verlor er trotz anfänglicher Erfolge schnell wieder. Die zuvor gute Infrastruktur verfiel sehr schnell. Die Armee war während seiner Regierungszeit immer sein Machtgarant. Auch wenn die Soldaten natürlich ebenso unter den schlechten wirtschaftlichen Bedingungen litten. Vor allem sie waren es auch, die zahlreiche Wildtiere schossen und verkauften. Um die Einigkeit in seinem Land wieder herzustellen, begann er 1978 einen Krieg gegen das Nachbarland Tansania. Er gab vor damit die alten Grenzen von vor der Berlinkonferenz von 1884 wieder herstellen zu wollen. Nach anfänglichen Erfolgen schlug Tansania auch mit der Unterstützung durch den Westen und vieler Exil-Ugander den Angriff zurück und vertrieb den Diktator schließlich 1979 aus Uganda. Er ging über Lybien ins Exil nach Saudi Arabien, wo er noch bis 2003 recht sorglos lebte. Sein Tod wurde von der ugandischen Regierung wie folgt kommentiert: „Sein Tod ist bestimmt kein Anlass zur Trauer“. Aber zurück ins Jahr 1979. Anfangs sorgten tansanischen Soldaten für Recht und Ordnung, aber je mehr Uganda aus dem Blick der Welt verschwand, desto schlechter wurde die Bezahlung der Soldaten. Sie schossen nur ihrerseits Tiere in den Nationalparks und es kam zu Übergriffen gegenüber der Bevölkerung. Es folgten mehrere Regierungschefs in recht kurzer Zeit bis Paulo Muganga, ein ehemaliger Gefolgsmann von Obote an die Macht kam. Er gehörte zur UNLA (Uganda National Liberation Army). Er setzte im Dezember 1980 freie Wahlen an, aus denen, was für ein „Zufall“, der ehemalige Präsident Miton Obote auch der neue wurde. Nach den offensichtlich manipulierten Wahlen bildete sich schnell eine militärische Opposition. Sie entwickelten sich unter Yoweri Museveni rasch zu einer gut organisierten Armee, die einen erbitterten Guerilliakrieg gegen das Obote Regime führte. Dieser reagierte mit immer härteren Maßnahmen auch gegen die Bevölkerung, weil diese sich mehr und mehr aus die Seite der NRA (National Resistance Army) unter Musevani schlug. Man schätzt, dass während der zweiten Amtszeit Obotes 500000 Menschen ihr Leben verloren. Und das in der Zeit von Dezember 1980 bis Juli 1985, als Obote ins Exil nach Sambia floh. Es kam ein Militärrat an die Macht, gegen den die NRA weiter kämpfte und im Januar 1986 in einer Schlacht auch Kampala und die meisten Teile des Landes unter ihre Macht gebracht hatte. Das NRC (National Resistance Council), besetzt durch Militärs der NRA und deren politischen Flügel, übernahm mit Musevani an der Spitze die Macht. Er rief die vertriebenen Asiaten zur Rückkehr auf, gewann die Unterstützung des Westens  und bot den immer noch kämpfenden restlichen Anhängern von Obote im Norden des Landes Ende der 80er Jahre eine Amnestie an, auf die auch rund 30000 Kämpfer eingingen und ihre Waffen abgaben. 1993 erlaubte er den geflohenen Königen die Rückkehr ins Land, begrenzte ihren Einfluss aber gleich auf kulturelle Bereiche. Freie Wahlen lehnt Musevani aber ab. 1994 wird schließlich eine verfassungsgebende Versammlung gewählt. Diese von Musevani Gefolgsleute dominierte Versammlung schreibt den Status Quo für weitere fünf Jahre fest. 1996 gibt es schließlich doch freie Präsidentschaftswahlen, aus denen Musevani mit rund 74% als klarer Sieger hervor geht. Bei weiteren Wahlen 2001 und auch 2006, die mit ihm als Kandidaten erst nach einer Verfassungsänderung möglich wird, wird er jeweils mit geringerem Stimmenanteil wiedergewählt. Wobei insbesondere 2006 sein einziger ernst zu nehmende Gegenkandidat durch wohl eher politisch motivierte Anklagen massiv behindert wird und dennoch auf einen offiziellen Stimmenanteil von 37% kommt. Wahlbeobachter  des „Forums Demokratischer Wandel“  zweifeln die Rechtmäßigkeit der Wahl an, da sie bei Nachzählung auf nennenswert andere Ergebnisse gekommen sind.

Während der seit 1986 andauernden Präsidentschaft von Musevani mischt sich Uganda immer wieder auch militärisch in den Nachbarländern ein. So unterstützte Uganda Tutsi-Rebellen in Ruanda bei deren Machtergreifung, zumal auch Tutsi massiv bei seinem Guerillakrieg mit ihm kämpften. Aber auch im Kongo war er immer wieder militärisch und auch logistisch beteiligt. UN-Beobachter warfen seinen Militärs dabei auch immer wieder vor, sich an den Wäldern und Bodenschätzen des Kongo bereichert zu haben. Nach wie vor nicht völlig befriedet ist aber bis heute der Norden Ugandas, wo es immer wieder zu Militäraktionen kommt. Zum größten Teil beziehen die sich auf Joseph Kony, einem gesetzlosen Rebellen der im Sudan, dem Südsudan, Uganda und vor allem im Kongo marodierend umherzieht und Angst und Schrecken verbreitet. Er ist der Anführer der LRA (Lords Resistance Army, was soviel bedeutet wie Wiederstandsarmee des Herrn). Er greift dabei auch massiv auf Kindersoldaten zurück, die seine Soldaten zuvor auf ihren Beutezügen erbeuten. Man schätzt, dass er insgesamt rund 65000 Kinder zu Soldaten hat machen lassen. Insbesondere junge Mädchen werden dabei gleichermaßen zu Soldaten und Sexsklavinnen. So ist es in den vergangenen Jahren immer wieder dazu gekommen, dass junge Frauen mit kleinen Kindern auf dem Rücken plündernd über Dörfer herfielen. Insbesondere die Kindersoldaten werden durch Repressalien gefügig gemacht und gelten als besonders grausam, was in dem Abschneiden von Nasen, Ohren oder Lippen gipfelt. Nach eigenen Angaben hat Kony 1986 durch den Heiligen Geist den Befehl bekommen, den LRA zu gründen und sein Heimatort Odek im Norden Ugandas zu verlassen. Noch 1986 traff es Alice Lakwena, der später sein militärischer Generalleutnant wurde, aber auch 2007 auf geheiß von Kony erschossen wird, weil dieser glaubte, dass Lakwena an einer Verschwörung gegen ihn beteiligt war. Anfangs war Kony mit elf Gefolgsleuten unbewaffnet unterwegs. Sein Ziel ist ein Uganda, das nach den 10 Geboten und der Bibel ausgerichtet ist, was ausdrücklich auch das Alte Testament einschließt. Die Mehrfachehe wird nach seiner Anschauung geduldet und Schweine als unrein bezeichnet. Heute ist Kony wegen der sehr undurchsichtigen Verhältnisse aber wohl vor allem im Kongo unterwegs, wobei aber auch niemand seinen wirklichen Aufenthaltsort kennt, auch wenn 2005 der Internationale Gerichtshof Anklage gegen ihn erhoben hat und entsprechend einen Haftbefehl ausgestellt hat. Seit 2011 beteiligen sich auch 100 US-Soldaten als Berater im Norden von Uganda an der Jagd nach Kony – offiziell vom US-Kongress entsandt.