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12. Tag        20.08.2013 – Karakhorum

Da wir in Karakhorum, das heute eigentlich Kharkhorin heißt, sind, und damit auf historischem Gebiet, ist es Zeit für einen Blick weit zurück in die Geschichte. Nicht weit von Karakhorum liegt einer der bedeutendsten Zeugnisse der Geschichte. Es handelt sich dabei um eine Steele aus dem Jahr 732, die auf der einen Seite chinesische Schriftzeichen hat, und was eigentlich die kleine Sensation ist, auf der andern der gleiche Text in einer anderen Sprache mit eigenem Alphabet – einer Turksprache. Schon vorher war bekannt, das die Turkvölker vermutlich aus dem Bereich des heutigen Kasachstan kamen, aber soweit östlich hatte man sie bis dahin nicht vermutet. Die Steele ist damit der älteste Beleg einer Turksprache überhaupt. Interessanterweise gibt es heute rund 200 Millionen Menschen, die zu den Turkvölkern gezählt werden, bis auf eine kleinere Gruppe im Westen von Kasachstan, sind aber keine davon mehr im Ursprungsgebiet ansässig.  In chinesischen Quellen wurden die Erbauer der Steele, die bei den Chinesen „Tuje“ genannt wurde, bereits 100 Jahre früher erwähnt. Insgesamt dehnte sich das Gebiet der dortigen Turk-Dynastien etwas über die Grenzen der heutigen Mongolei aus, das vor allem in Teile der Inneren Mongolei, die heute zu China gehört, und auch nach Nordosten hin. Das türkische Großreich konnte sich bis ins 10. Jahrhundert halten, bis es in kleine Teile zerbrach. Die Menschen betrieben zu der Zeit vor allem Ackerbau und legten offensichtlich sogar kleine Bewässerungssysteme an. Es gab eine Aristokratie, und zur Zeit des Turk-Großreiches lag die Hauptstadt nur etwa 50km nördlich von Karakhorum.

Dem ersten mongolischen Großreich folgten dann die Kitan. Deren Machtzentrum lag etwas weiter im Osten, ihr Reich umfasste dann das Gebiet der heutigen Mongolei, aber auch größere Teile des heutigen nördlichen Chinas. Die Kitan hatten dabei offensichtlich aber größere Probleme, die verschiedenen Stämme zusammen zu halten, und haben wohl auch immer wieder je nach Erfordernissen verschiedene gegeneinander ausgespielt. So sagt man ihnen auch nach, die Weiten der Steppe nie wirklich absolut beherrscht zu haben. Auch wenn sie selbst sich für die vereinte Nation der Mongolen gehalten haben, so haben sich nach heutiger Sicht einige Stämme, die später zu den Tataren gezählt wurden, aber eigentlich mit mongolischer Herkunft aus den Turk-Völkern hervor gingen, den Kitan nicht unterworfen und waren durchaus in deren Großreich beheimatet. Als die Kitan 1125 von mandschurischen Jurchen, die aus China kamen, vernichtend geschlagen worden sind, zerfiel das zweite mongolische Großreich. Insbesondere die weiten Steppen wurden von da an von den Tataren beherrscht. Die Kitan waren eher Viehzüchter und betrieben nur noch nebenbei Ackerbau, lebten aber schon in festen Behausungen. Aber auch sie betrieben weiter Bewässerungssysteme, deren Spuren sich bis heute bis hinauf zum Baikalsee finden lassen. Man kann also wohl annehmen, dass das Klima zu der Zeit deutlich milder war.

Was auf die Kitan folgte war dann der berühmteste Mongole überhaupt: Dschingis Khan. Geboren wurde er als Temüjin, was vermutlich im Jahre 1162 war. Sein Urgroßvater war einer der Nachfolger des zerfallenen Großreiches der Kitan. Sein Vater vergrößerte auf Raubzügen vor allem gegen die Tataren seinen Reichtum und seinen Einfluss. Er wurde dann aber als Temüjin neun war von eben den Tataren vergiftet. Darauf begann für die Familie von Temüjin eine harte Zeit, in der er mit seiner Mutter und jüngeren Brüdern auf der Flucht war und in Armut ohne den schützenden Stamm überleben musste. Viele Stämme fürchteten ihn vor allem wegen seiner Herkunft und trachteten ihm nach dem Leben. Zwischen ihm und seinen Brüdern gab es häufig Streit, der schließlich dazu führte, dass er seinen Halbbruder Bektar tötete. Auf seiner Flucht wurde er schließlich von einem anderen Stammesführer, Taijut, gefangen genommen und als Sklave gehalten. Ihm gelang eine spektakuläre Flucht, die es ihm dann ermöglichte, verschiedene Bündnisse zu schmieden. Durch weitere geschickte Verhandlungen gelang es ihm nach und nach viele Stämme zu vereinen und sich selbst an deren Spitze zu setzen. 1190 wurde so die neue mongolische Nation geboren. Neben seiner geschickten Diplomatie war er aber auch ein sehr guter strategisch denkender Kriegsführer. Seinen Gefolgsleuten versprach er fette Beute auf seinen Beutezügen gegen benachbarte Steppenvölker. Im Jahre 1201 schlug er seinen ehemaligen Blutsbruder Dschamucha, der darauf versuchte mit verschiedensten Verbündeten, die teilweise früher ebenfalls Feinde waren, weiter gegen Temüjin Krieg zu führen. Seine Verbündeten lieferten Dschamucha aber schließlich aus. Doch Temüjin ließ wegen des Verrats nicht etwa Dschamuscha töten, sondern die Verräter samt ihrer gesamten Familien. Dschamuscha bat er hingegen wieder mit ihm zu kämpfen, dieser lehnte ab und bat statt dessen um einen ehrenvollen Tod, was ihm Temüjin gewährte. Im Jahre 1202 begann er seine Rache gegen die Tataren und vernichtete 4 Stämme fast vollständig in sehr blutigen Kriegszügen, er soll nur die am Leben gelassen haben, die nicht größer als die Achse seines Ochsenwagens hoch waren.  In den Folgejahren besiegte Temüjin die meisten Nachbarvölker und unterwarf sie. Im Jahre 1206 schließlich berief er einen Reichstag mit den mächtigsten Stammesführern und Schamanen ein, auf dem er sich zum Großkhan aller Mongolen, zum Dschingis Khan ernennen ließ. Er wurde zum uneingeschränkten Herrscher und alleinigen Gesetzgeber. Die wichtigsten Posten besetzte er mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Söhnen. Sein Sohn Ugedai beauftragte er damit, die neuen und bestehenden Gesetze in einer Art Grundgesetzt zusammen zu fassen. Damit unterband er die bisherige Willkür der Stammesführer. Sogar einige Sippen ließ er auflösen und den alten Stammesadel nach und nach abschaffen. Er ließ eine eigene mongolische Schrift entwickeln, obwohl er selbst Analphabet war. Heute ist das erste alte Zeichen in der mongolischen Flagge enthalten. Er schaffte eine Wehrpflicht ein. In der Armee ernannte er besonders folgsame und tapfere Weggefährten in bisherigen Kämpfen zu Tausendschaftsführern. So schuf er eine Struktur in der Armee und gleichzeitig schuf er eine Struktur im Staatswesen. Von nun an war nicht mehr Willkür, Verrat und Betrug bestimmend, sondern Disziplin und unabänderliche Gefolgschaft ihm dem Dschingis Khan gegenüber maßgebend. Für seinen persönlichen Schutz schuf er eine Leibgarde von 10000 Soldaten, die meist aus Söhnen und Brüdern der verschiedenen Stammesführer und Heerführer bestand. Sie kämpften für ihn, waren aber auch Faustpfand gegenüber den Stammes- und Heerführern. Im Jahre 1207 begann er gegen das nördliche China Krieg zu führen. So konnte er 1215 Zhongdu, was heute als Peking bekannt ist, einnehmen. Anschließend beschloss er sich weiter nach Westen zu wenden. Dort konnte er schnell große Gebiete in sein Reich eingliedern, da die dortige Bevölkerung meist aus Muslime bestand, die Herrscher aber Buddhisten waren, und Dschingis Khan den Menschen Religionsfreiheit zusicherte. Wenn er Krieg führte, war er anfangs immer darauf bedacht, einen Grund für den Krieg zu haben, damit es nicht den Anschein hatte, er führte nur Krieg um der Machterweiterung willen. Alle Männer aus den besetzten Gebieten konnten mit dem Eintritt in die Armee Mongolen werden, von da an zählte nur noch deren Geschick im Kampf, aber nicht mehr ihre Herkunft. Dieses Prinzip und die Einteilung seiner riesigen Heere nach dem Zehnerprinzip, also in Gruppen zu 10, dann zu 100, zu 1000 und schließlich zu 10000 Kämpfern machte seine Armee sehr diszipliniert und gut führbar. Durch die Pferde, die leichte Rüstung und dem relativ kleinen Bogen, der sich dafür aber vom Pferd abfeuern ließ, hatte seine Armee eine hohe Durchschlagskraft und war allen anderen überlegen. Erst im Norden des heutigen Irans beendete er seinen Feldzug im Westen. Mit den Machthabern des Choresmischen Reichs handelte er einen Friedensvertrag aus, der dann aber nicht sehr lange hielt, da eine mongolische Karawane überfallen wurde. 1218 berief Dschingis Khan erneut einen Reichstag ein, auf dem er seine Nachfolge regelte, demnach sollte für die damaligen Geflogenheiten unüblicher weise sein drittältester Sohn Ögedei, und nicht sein jüngster, ihm nachfolgen. Ihn hielt er für besonders besonnen aber auch guten Strategen. Außerdem wurde beschlossen, neben dem Krieg gegen das heutige China auch in einer Strafexpedition gegen das Gebiet des heutigen Irans, damals war es das Choresmische Reich vorzugehen. 1219 bzw. 1220 unterwarf er den Choresmische Schah. Von dort zog seine Armee weiter in den Kaukasus, das heutige südliche Russland bis 1223 dann in das Gebiet der heutigen Ukraine. Besonders bei diesen Eroberungszügen ließ er seine Armeen besonders grausam vorgehen, die Männer in den besetzten Gebieten waren meist Bauern und deshalb für die Eingliederung in seine Armee nicht geeignet. So ließ er die Völker lieber blutig unterwerfen, als zu versuchen sie in das dritte mongolische Großreich einzugliedern. Auch 1220 ließ Dschingis Khan in der Nähe des Orkhon Gol ein festes Versorgungslager errichten. Das Gebiet war sehr fruchtbar und deshalb schon bisher des öfteren vom ihm genutzt worden, um große Armeen zusammen zu ziehen, bevor sie in neue Gebiete vordrangen. Hier konnten relativ gut viele Menschen aber auch viele Pferde versorgt werden. Da hier auch früher verschiedene Großreiche ihre Hauptstadt hatten, stellte sich Dschingis Khan bewusst direkt in diese Reihe und ließ sein Versorgungslager ebenfalls ausbauen – das heutige Karakhorum entstand. Anders als in den überfallenen Gebieten herrschte in der späteren Hauptstadt ein buntes offenes Leben mit relativ großen Freiheiten für die Bürger. Es gab Religionsfreiheit, so lebten Buddhisten, Muslime und auch Christen friedlich nebeneinander in der Stadt, es gab einen regen Handel mit der halben Welt. Für die Kaufleute hatte das riesige Reich den Vorteil, nicht ständig an Grenzen zu kommen und mit nicht immer „rechtmäßigen“ Zollabgaben, aber immer hohen Kosten belastet zu werden. Die Kaufleute kamen aus Europa, Persien oder auch aus China hier her. Es kamen zahlreiche Handwerker, mache freiwillig, andere wurden von den Mongolen hier her verschleppt. Das Kunsthandwerk prosperierte,  Karakhorum war der Schmelztiegel der Welt. Selbst der Papst schickte Mönche um Güyük, einem späteren Nachfolger Dschingis Khans, zum Katholizismus zu bekehren, man erhoffte sich von ihm Schutz gegen die sich ausbreitenden Muslime. Dieser soll nur geantwortet haben, der Papst möge sich ihm unterwerfen, ansonsten sähe er sich gezwungen, seinem Wunsch mit Soldaten Nachdruck zu verleihen. Im Jahre 1227 zog Dschingis Khan mit seiner Armee gegen die Tanguten, einem Volk im heutigen Zentral-China. Am 18.08.1227, also heute vor fast genau 786 Jahren starb der Großkhan. Nach manchen Überlieferungen an den Folgen eines Reitunfalls, andere Gerüchte sagen, er wäre von Tanguten vergiftet worden, wieder andere sagen, er wäre von einer Tangutischen Prinzessin, die sich vor einer Vergewaltigung schützen wollte, mit einem versteckten Messer seiner Männlichkeit beraubt worden. Bis heute ist nicht bekannt, wo er dann begraben worden ist. Es gibt aber die Sage, dass das Gebiet von den Hufen von 1000 Pferden geebnet worden ist, und nach der Beerdigung alle Anwesenden umgebracht worden sein sollen, damit niemand den Ort der Bestattung erführe.

Die Nachfolge trat wie zuvor festgelegt sein Sohn Ögedei an. Unter ihm wurde das Reich nach einem großen Reichstag im Jahre 1235 weiter in westlicher Richtung erweitert. 1238 fiel Wladimir in Russland, 1240 Kiew in der Ukraine und wenige Tage später wurde Breslau in Polen zerstört. 1241 fielen die Mongolen in Schlesien ein, nur drei Tage später besiegte ein anderer Teil der mongolischen Reiter-Armee die ungarische Armee. Sie wurden auch als „Goldene Horden“ bezeichnet. Genauso schnell wie die Mongolen gekommen waren und große Teile Europas buchstäblich im Sturm genommen hatten, verschwanden sie dann aber auch wieder, sehr zur Überraschung der Europäer. Der Grund war in der fernen Mongolei zu suchen, nach nur 14 Jahren als Großkhan starb Ögedei. Die Nachricht erreichte die kämpfenden Truppen, an deren Spitze ein Neffe Ögedeis stand innerhalb weniger Tage. Die Mongolen unterhielten über das ganze Reich in einem engmaschigen Netz Versorgungsstationen mit frischen Pferden und Proviant, die es ermöglichten jeden Punkt des Reiches innerhalb von angeblich maximal 11 Tagen mit Postreitern von der Hauptstadt Karakhorum aus zu erreichen.

Nach einer fünfjährigen Zwischenperiode, in der das Reich von der Frau Ögedeis regiert wurde, übernahm sein Sohn Güyük, der aber wiederum nur zwei Jahre Großkhan war, bis er 1248 starb. In der Folgezeit kam es zu Streitigkeiten der verschiedenen Familienzweige, was schließlich dazu führte, dass das mongolische Großreich in vier Teilreiche mit verschiedenen Herrschern aufgeteilt wurde, die zwar alle eigene Ziele verfolgten, sich aber dennoch dem Erben Dschingis Khans verpflichtet fühlten. Einen Großkhan, der von allen anerkannt wurde, gab es nicht mehr. Das mongolische Großreich wurde so noch sehr viel weiter ausgedehnt, sie unterwarfen auch zum ersten und letzten Mal überhaupt China komplett. Sie führten im heutigen China eine Vierklassengesellschaft ein. Die oberste Stufe waren sie selbst inklusive ihrer Soldaten. Es folgten Muslime, durch die sie allgemeine Verwaltungsaufgaben erledigen ließen, da diese dort aber nicht verwurzelt waren, waren sie relativ leicht kontrollierbar. Die dritte Stufe machten die Nordchinesen aus, und die unterste Stufe bildeten schließlich die Südchinesen. Im Jahre 1368 stürzte dann eine Revolution in China das mongolische Reich in China und darauf folgend zerfiel das ganze Großreich völlig. Es entstand in China die Ming-Dynastie, die Krieg gegen die Mongolen führte und schließlich auch bis tief in die Steppe ins heutige Karakhorum vordrang und die ehemalige Hauptstadt nahezu völlig zerstörten. In den folgenden Jahrhunderten gab es immer wieder verschiedene Kriege zwischen dem heutigen China und der heutigen Mongolei. Daraus entstanden ist auch die Tatsache, dass das Gebiet, welches man als Innere Mongolei bezeichnet, heute in China liegt, und nur das was als äußere Mongolei bekannt ist, das heutige Staatsgebiet der Volksrepublik Mongolei bildet.

Das dritte mongolische Großreich hatte in der Spitze eine Fläche von etwa 26 Millionen Quadratkilometer, das sicher von den Mongolen beherrscht wurde. In ihm lebten etwa 100 Millionen Menschen, dabei hatte die heutige Mongolei selbst zu Zeiten Dschingis Khans gerade mal rund 200000 Einwohner. Das Reich war das größte jemals errichtete Staatsgebilde, noch dazu hat sich kein Staat, der Nomadischen Ursprungs war, jemals über einen so langen Zeitraum halten können.

Von genau den drei Mongolischen Großreichen zeugt auch unser erster Besichtigungspunkt an unserem heutigen Tag. Es ging zu einem Denkmal für eben die drei Großreiche ganz in der Nähe unseres Gers, auch wenn wir dazu einen kleinen Umweg durch Karakhorum machen müssen, um dort hin zu gelangen. Es ist sehr eindrucksvoll das gigantische Ausmaß insbesondere des von Dschingis Khan gegründeten Reichs illustriert. Ob die großen Betonwände schön sind, darüber könnte man aber sicherlich streiten. Das reißt dann auch der Ovoo im Zentrum nicht mehr raus.

Anschließend geht es dann weiter zu einem anderen wichtigen Ort in der mongolischen Geschichte, die Klosteranlage Erdene Zuu. Teilweise wurde die Klosteranlange aus den Trümmern, der von der Ming-Dynastie zerstörten ehemaligen Hauptstadt, erbaut. Der Kern von Erdene Zuu besteht aus einer Grundfläche von etwa 400x400m, die durch eine große Mauer mit 108 Stupas umgeben ist. Die Zahl 108 hat eine höhere Bedeutung im Buddhismus. In allen diesen Stupas, kleine Türmchen, gibt es Inschriften, teilweise befinden sich auch die mumifizierten Reste großer Lamas in ihnen. Erdene Zuu war die Geburtszelle des Buddhismus in der Mongolei. Um 1560 kam es im fernen Tibet zum Streit zwischen verschieden Glaubensrichtungen. Althan Khan, ein Fürst in der Inneren Mongolei, also dem heutigen China, mischte sich ein und verlieh dem obersten Lama der Gelbmützensekte den Titel Dalai. Gleichzeitig wurde der Dalai Lama der spirituelle Lehrer des Althan Khans. An dessen Hof traf der Dalai Lama auch den Khalkha Fürsten Abadai, dem er drei Thangkas schenkte. Thangkas sind sehr aufwendige Rollenbilder. Abadi war derart vom Dalai Lama beeindruckt, das er im heutigen Karakhorum drei Tempel erbauen ließ – die Keimzelle von Erdene Zuu. Damit begann auch die Verbreitung des „gelben Glaubens“ in der Mongolei. In der Folgezeit kam immer mehr Tempel dazu, die meisten von der Adelsfamilie der Kalkhas gestiftet. Durch zahlreiche Brände oder dem Angriff der Oriaten 1731 kam es immer wieder zu großen Schäden an der Klosteranlage. Sie wurde aber immer wieder aufgebaut. Im Laufe der Zeit wurde es wegen der zahlreichen dazu gekommenen Tempel innerhalb der Klosteranlage zu eng, so dass auch außerhalb der Mauern weitere gebaut wurden. Man schätzt das etwa 1500 Mönche innerhalb von Erdene Zuu lebten, insgesamt aber etwa 10000 Mönche hier lebten und sich den Kloster zugehörig fühlten. Im Jahre 1938, im Zuge der großen Zerstörungen fast aller religiösen Gebäude und Institutionen, wurde, wie fast überall im Land, die meisten Mönche erschossen. Gläubige konnten damals mit Hilfe einiger sympathisierender Offiziere einen Teil der Kultgegenstände in Sicherheit bringen. Trotzdem soll das Feuer für die Verbrennung der Buddhistischen Schriften einen Monat gebrannt haben. Seit 1965, also noch zu Zeiten der Kommunistischen Regierung, wurde in Erdene Zuu ein Museum mit einem Teil der geretteten Gegenstände und Ausgrabungsgegenstände aus Karakhorum wieder eröffnet. Im Jahre 1990 wurde in einem Gebäude im östlichen Teil von Erdene Zuu wieder damit begonnen Andachten abzuhalten, und ein Klosterleben zu etablieren. Auch Gläubigen ist es natürlich möglich an diesen Andachten teilzunehmen, selbst Touristen dürfen sie besuchen. Das Fotografieren ist dabei strengsten verboten, woran sich leider nicht alle halten. Auch wenn die Mönche es mit Fassung ertragen, möchte ich mal wissen, was bei uns los wäre, wenn mitten im Gottesdienst eine „Horde“ Touristen da hinein platzt, wie wild Fotos macht, und dann die Tür wieder ins Schloss krachen lässt. Aber das ist ein anderes Thema. Vielleicht noch ein bisschen was, über das was es heute noch in Erdene Zuu zu sehen gibt. Die Klosteranlage war wie eine Jurte angelegt, das heißt im westlichen (männlichen) Teil waren die wichtigsten Tempel. Dort befindet sich heute noch der Tempel des Dalai Lama, der 1675 aus roten Ziegelsteinen errichtet worden ist, die dann vergoldet worden sind. Dahinter, im Nordwesten – in einer Jurte der Ehrenplatz für Gäste, befinden sich die drei Haupttempel. Der wichtigste in der Mitte, der Gol Zuu, beherbergt eine Statue von Shakyamuni, eine Bezeichnung für den historischen Buddha. Neben ihm befinden sich Statuen von Ochtal Manal, der Verkörperung der Medizin, und Amithaba, der Verkörperung der geistigen Reinheit und Erleuchtung. Das sagt auch viel über die Schwerpunkte des ehemaligen Erdene Zuu aus, hier waren die wichtigsten Lehrorte für Heilkunde und der sehr komplizierten Buddhistischen Philosophie. Wobei ich gestehen muss, dass ich enorme Verständnisprobleme mit eben dieser Philosophie habe. Mich verwirrt das vermeintlich gleiche Gottheiten in immer wieder anderen Erscheinungsformen dargestellt werden, die teilweise auch immer wieder neue Namen haben, aber doch für das Gleiche stehen. Begründet ist das natürlich mit der Reinkarnation, also der Wiedergeburt. Dazu vielleicht nur ein paar Sätze zum Dalai Lama. Der Dalai Lama ist nicht das spirituelle Oberhaupt der Gelug Schule, die man auch als Gelbmützen innerhalb des Buddhismus bezeichnet. Übrigens nur eine von vier Schulen innerhalb des Buddhismus. Der Dalai Lama ist nur aus Mitgefühl reinkaniert, ist also bewusst in Form eines Mensch zurück gekommen, obwohl er als Erleutetes Wesen (Bodhisvata) im vorigen Leben eigentlich das Recht gehabt hätte, dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt zu entsagen. Der Dalai Lama wird durch eine Findungskommission hochrangiger Mönche bestimmt. Nach der Findung erklärt man das Kind offiziell zur Reinkarnation des vorigen Dalai Lamas. Dann wird er mehrere Jahre auf sein Leben als Dalai Lama vorbereitet. Er erhält eine klösterliche Ausbildung inklusive der tibetischen Kultur, Kaligraphie, Schrift, Sprache und Allgemeinwesen. Dabei ist der Penchen Lama eine Art Lehrer für den Dalai Lama.

Aber wieder zurück zu den Tempeln, im östlichen Zuu befinden sich ebenfalls drei Statuen. Links Tsonkapa, der Gründer der Gelbmützen Sekte (Gelupka-Schule), in der Mitte wieder Shakyamuni, und rechts Avalokiteshvara, dem Bodhisavatta des Mitgefühls.  Im westlichen Zuu befinden sich die Statuen von Kasyapa, Shakyamuni und Maitreya, die Buddhas der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Dazu sind in allen drei Tempeln natürlich noch Thangkas, die zum Teil aus dem 17. Jahrhundert stammen, und Taras, insbesondere die weiße und grüne, die von Zanabazar dem ersten wichtigen gebürtigen mongolischen Lama geschaffen wurden. Zanabazar war neben religiösem Führer auch Bildhauer, und er schuf eben viele Taras, die als weibliche Seite von Avalokitesshvara gelten. Insbesondere die weiße und grüne soll übrigens seiner Frau nachempfunden sein. Die weiße noch als junge Frau, die grüne als reife Frau ein Jahr vor ihrem Tod, wobei sie lediglich 18 Jahre alt wurde. Auch sie war tief religiös und Bildhauerin. Nach der Legende sollen andere hohe Lamas Zanabazar heftig dafür kritisiert haben, dass er mit einer Frau zusammen lebt, worauf sie vor die Männer trat und mit bloßen Händen aus einem glühenden Ball aus Bronze eine Buddha Figur geformt haben soll, ohne sich die Hände zu verbrennen.

Aber ich schweife schon wieder ab. Außerdem gibt es in Erdene Zuu noch den Lavran-Tempel, der 1760 erbaut worden ist, und dem Bogd Gegeen als Residenz für den Empfang von Besuchern gedient hat. Das bedeutet, es sind in dem ganzen Areal lediglich noch 5 Tempel vorhanden, drei, die teilweise wieder neu nach altem Muster aufgebaut worden sind, ein leidlich erhaltener und ein Neubau, in dem heute das Klosterleben wieder praktiziert wird. Außerdem gibt es noch die Goldene Stupa, oder auf mongolisch Bodhi Suburgan. Sie wurde 1799 zu Ehren des vierten Bogd Gegeen erbaut. In ihr befindet sich auch eine Plastik der 100000 verschiedenen Buddha Inkarnationen sowie 55070 Mini Stupas. Um die goldene Stupa befinden sich noch acht weitere kleine Stupas. Dazu zwei Grabmäler aus Ziegelsteine, eins für Abadai Khan, und eins für seinen Sohn Gombodorj.  Damit soll es dann aber auch genug sein mit Erdene Zuu, auch wenn man die Bedeutung des Klosters bis heute wahrscheinlich nicht überschätzen kann.

Nach dem Besuch des Klosters geht es erst einmal zurück zu unserem Jurten-Camp um zu Mittag zu essen. Es folgt eine Pause um dann gegen 15 Uhr einen kleinen Spaziergang zu machen. Inzwischen scheint auch wieder die Sonne, nach dem sie am Vormittag wie vorhergesagt den Wolken und zeitweise auch einem feinen Nieselregen Platz machen musste. Wir gehen zu einer weiteren geschichtsträchtigen Skulptur hinüber. Zur Zeit Dschingis Khans wurden vier Schildkröten in alle vier Himmelsrichtungen ausgerichtet, die die gerade neu geschaffene Hauptstadt beschützen sollte. Man geht heute davon aus, dass sie ursprünglich große Stützpfeiler eines Gebäudes getragen haben und erst nachträglich außerhalb von Karakhorum aufgestellt worden sind. Von dort ist es auch nicht mehr weit bis zu einem Museum, das sich wie auch das Kloster Erdene Zuu etwas am Rande des heutigen Karakhorum befindet. Es beschäftigt sich mit den Ausgrabungen, die man an diesem selbst für die ganze Welt sehr wichtigen Punkt bis heute durchführt, um unter anderem auch mehr über die andere Seite von Dschingis Khan und seine Zeit zu erfahren. Denn neben der „Kriegskunst“ war er eben auch sehr geschickt darin, ein für die damalige Zeit sehr modernes Staatswesen mit einer gut organisierten Verwaltung aufzubauen. Nach dem Museum schließen wir unsere Runde damit ab, vom Museum wieder zurück zu unseren Jurten zu gehen, wobei uns eine kleine Gruppe junger Rinder dabei begleitet, die hier frei herum laufen, und doch offensichtlich abends wieder zurück zu ihren Höfen kommen, auf denen man zeitweilig auch Hunde bellen hört. Aber ein oder sogar mehrere Hunde gehören hier praktisch zu jedem Haus.