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1.+2. Reisetag         07.+08.02.2011 – Santiago de Chile

Um 10.45 Uhr geht es mit der Bahn los in Richtung Frankfurt. Mein erstes Problem ließ nicht lange auf sich warten. Auf den anderen Reisen fiel mir immer auf den ersten Bahnkilometern ein, was ich irgendwie vergessen oder nicht mitgenommen hatte. Wobei das eigentlich immer Kleinigkeiten sind, die man auf dem Weg noch besorgen kann. Das eine Mal, bei dem das nicht passiert ist, verpasste ich wegen Problemen mit der Bahn meinen Flieger. Aber alles ging gut, der Zug war bis auf 6 Minuten pünktlich, und das auch nur weil mein Zug auf dem Hauptbahnhof in Frankfurt auf einen anderen verspäteten Zug gewartet hat, aber bis zum Flughafen sind es ja auch nur noch ein paar Minuten Fahrt. Am Flughafen angekommen ging es mit dem Bus-Shuttle rüber zum anderen Terminal, der mehr oder weniger menschenleer war. So war ich bereits 30 Minuten nach dem Aussteigen aus der Bahn am Gate, mein Gepäck, vom dem ich annahm, das es das bei mir übliche leichte Übergewicht hat, war aufgegeben. Wobei ich in Wirklichkeit aus Unkenntnis beim Gewicht sogar drunter war, bei LAN sind 23 statt der sonst üblichen 20kg erlaubt. 

Unser Flug nach Madrid verspätet sich um 30 Minuten, weitere 30 Minuten gehen bei der Zwischenlandung in der spanischen Hauptstadt verloren. Beides holen wir bis Santiago de Chile wieder auf. Zur Zeit der Landung ist es nach deutscher Zeit 13:45 Uhr, da wir hier eine Zeitverschiebung von 4 Stunden haben, ist es entsprechend 9.45 Uhr am Morgen.

Um 11 Uhr treffen wir am Hotel ein, bereits eine Stunde später beginnen wir unser Programm mit einer kleinen Stadtbesichtigung. Dazu fahren wir mit dem Bus in die Innenstadt rüber, hier kann man dann die meisten wichtigen Punkte zu Fuß erreichen. Beginnen wollen wir mit der La Moneda, was auf Spanisch Münze bedeutet. Wir stehen also vor der alten Münzprägeanstalt, sie ist heute der Sitz des Präsidenten. Zu beiden Seiten befinden sich große Plätze, die zum Teil von Ministerien wie etwa das der Justiz oder das der Finanzen und anderen Verwaltungsgebäuden umgeben sind. Ein Teil des Palastes sollte eigentlich für die Öffentlichkeit zugänglich sein, zurzeit – eigentlich schon seit Jahren - wird dort gebaut, wovon man aber auch nichts sieht, so kann man aber nicht hinein. Aber in Deutschland käme wohl auch niemand auf die Idee das Bundeskanzleramt für die Bürger oder gar Touristen zu öffnen, ein Alptraum für die Sicherheitsorgane. Hier in Chile wurde es aus der Geschichte nach dem Ende der Militärdiktatur unter Pinochet geboren. Und die vermeintliche Baustelle ist wohl eher der Versuch in dieser Frage zurück zu rudern.

Wir gehen links am Palast vorbei, wobei wir an einer geschichtsträchtigen Adresse bzw. Tür vorbei kommen der Calle Morande 80. Sie ist ein Nebeneingang des Palastes durch den Salvador Allende in seiner Amtszeit das Gebäude betrat und verließ. Allende war eher sozialistisch / kommunistischer Gesinnung und wurde durch den Militärputsch 1973 seines Amtes enthoben. Bis heute ist nicht geklärt ob er sich dabei selbst  das Leben in seinem Büro nahm oder von den Putschisten ermordet worden ist. Sicher ist aber das sein Leichnam eben durch diesen Eingang hinaus getragen worden ist. Nach dem Putsch wurden wegen der Kampfhandlung um den Palast Sanierungsmaßnahmen daran nötig. In dessen Verlauf wurde auch diese Tür zugemauert. Nach der Übernahme der Regierungsgeschäfte durch eine gewählte Führung im Jahre 1990 wurde diese Tür wieder neu geschaffen. So wollte es auch der Zufall, dass sich ein kleines Fenster in der Tür öffnete, während wir davor standen, und wir aufgefordert wurden, weiter zu gehen. Keine zwei Minuten später hielt in der Straße ein Auto aus dem ein Regierungsangehöriger aussteigt und eben diesen Eingang benutzt.

Direkt hinter dem Platz auf der Rückseite der Moneda verläuft mit der Avenida Libertador Bernardo O‘Higgens eine der großen Durchgangsstraßen in Ost-West Richtung von Santiago. Sie ist nach dem Staatsgründer Chiles benannt, übersetzt heißt der Name soviel wie Straße des Befreiers Bernardo O’Higgens.  An der Straße gehen auch wir ein kleines Stück entlang, vorbei am Club de la Union, einst der exklusivste Club von ganz Chile. Lange Zeit hatten hier nur Clubmitglieder Zutritt, selbst Frauen waren hier lange ausgeschlossen – nicht nur als Clubmitglied sondern überhaupt die „heiligen“ Räume  betreten zu dürfen. Nach und nach wurden die Regeln gelockert, so dass auch nicht Mitglieder auf Einladung hinein durften und auch Frauen durften später Mitglied des Clubs werden.  Auch heute noch ist es in Chile wichtig zu den „richtigen“ Gemeinschaften zu gehören. Ein Weiterkommen in Politik und Wirtschaft ist nur aus einem einflussreichen Netzwerk heraus möglich. Eine gute Ausbildung, wie man sie wieder ein kleines Stück an der Straße herunter an der Universität de Chile bekommen kann, ist auch wichtig, aber alleine eben nutzlos.

Ein  kleines Stück weiter biegen wir links in eine Fußgängerzone ab. Wir befinden uns hier im Finanzdistrikt  von Santiago, hier ist auch die Börse, vor der zur Mittagszeit gerade ein paar Angestellte die Sonne genießen. Genau gegenüber steht ein Straßenhändler und bietet Kleinigkeiten für den Hunger zwischendurch an. Wir gehen weiter in Richtung Plaza de Armas. Hier ist die Fußgängerzeit voll mit Menschen, wir haben jetzt Mittagszeit an einem normalen Werktag. Man sieht seine „Erwartungen“ bestätigt. Es gibt den sonoren Herren vom Typ Großgrundbesitzer oder auch den Typ Manager mit Anzug und langen wirren Haaren. Genauso sieht man unzählige die sich als Schuhputzer betätigen. Hier gibt es auch die gemäßigte Version von „Cafés con piernas“ – Kaffee mit Beinchen. Im Prinzip wie ein Starbucks – nur ganz anders. Es gibt alle möglichen Kaffeesorten, für die man an der Kasse einen Voucher kauft. Ein kleines Stück weiter an einem Tresen kann man diesen dann bei Damen einlösen, deren Kleidung sagen wir mal ziemlich kurz und sehr figurbetont geschnitten ist. Bis auf der Dame an der Kasse dürfte hier keine der Angestellten ihr zehnjähriges Firmenjubiläum feiern – sage ich jetzt mal.

Aber wir wollen ja auch zur Plaza de Armas, der Keimzelle Santiagos. Um den großen quadratischen Platz sind bei der Gründung die wichtigsten Gebäude entstanden. Auf der einen Seite der alte Regierungspalast und die alte spanische Gerichtsbarkeit, auf der davon links gelegenen Seite eine Kathedrale und der Sitz des Erzbischofs.  Die beiden anderen Seiten sind heute von kleinen Restaurants und Geschäften belegt. Auf dem Platz selbst sind zwei große Denkmäler, eines für die Mapuche, den indianischen Ureinwohner, und für Bernardo O’Higgens auf einem Pferd. Vielleicht sogar bezeichnend das diese genau in den gegenüberliegenden Ecke angeordnet worden sind. Ansonsten sind auf der Plaza zahlreiche Maler und Zeichner, aber auch Wahrsager mit Tarot-Karten und ähnlich zuverlässigen Hilfsmittel. Man sieht schon, ich glaube nicht so recht an sowas. In einer Ecke ist auch ein großer Pavillon in dem zahlreiche vor allem ältere Männer miteinander Schach spielen. Die quadratische Form des Platzes ist typisch für die Planung der Städte der Spanier hier. So verlaufen auch die meisten anderen Straßen rechtwinklig zueinander, so fällt die Orientierung relativ leicht. Im Kern von Santiago sind die Blocks sogar alle gleich groß, für die etwa 100m sind auch 100 Hausnummern vergeben worden. So kann man auch anhand der Hausnummer die ungefähre Entfernung abschätzen. Eigentlich eine ziemlich praktische Sache, auch wenn sie schon mal zu einer Hausnummer aus der Größenordnung 2740 führen kann. Gleich noch ein paar Zahlen zu Santiago. Man schätzt,  das von den etwa 17 Millionen Chilenen 6 – 7 Millionen im Großraum von Santiago leben, also etwa 40% der Bevölkerung. Womit wohl klar ist, das Santiago das Zentrum für praktisch alles im Lande ist. Und die Einwohnerzahl wächst noch jedes Jahr um etwa 100000 Menschen. Dafür hält sich das Verkehrschaos hier eigentlich sehr in Grenzen, es geht zwar quirlig zu aber es ist eben auch nicht nur ein in Streifen angelegter riesiger Parkplatz.

Zum Mittag gehen wir in ein kleines Fisch-Restaurant. Wer mich kennt weiß, das alles aus dem Wasser nun nicht so oder überhaupt nicht so mein Fall ist, aber der hier war sehr gut und eine Portion, die auch ich nicht schaffen konnte, was schon was heißen will. Anschließend geht es noch über einen kleinen Markt ganz in der Nähe. Von hier kommt auch der Fisch der zahlreichen umliegenden Fischrestaurant, dabei liegt der Pazifik etwa 80 bis 90km entfernt. An Fisch und Meeresfrüchten ist das Angebot ziemlich reichhaltig, es gibt aber auch Fleisch, Gewürze, Obst und Gemüse,  letztere beiden in unzähligen Variationen, wovon ich nicht eben wenige noch nie gesehen habe, aber auch da bin ich alles andere als ein Experte.

Als letzte Station geht es nun doch noch mal mit dem Bus weiter zum Cerro San Cristobal, einer Erhebung von etwa 300m mit einer großen Marienstatue oben drauf. Von dem kleinen Berg hat man eigentlich einen schönen Überblick über die Stadt. Heute ist, wie man uns sagte, relativ klare Sicht, dabei versinkt die Stadt doch ein bisschen im Smog. Eines der Probleme der Stadt insbesondere im Winter, dann klart die Luft praktisch nur nach einem reinigenden Regen auf. Aber auch jetzt kann man die Stadt umgebenden Berge mehr erahnen als wirklich erkennen. Doch auch so bekommt man einen Eindruck von der riesigen Ausdehnung der Stadt. Es gibt aber auch nur in der Innenstadt  höhere Gebäude, es verflacht dann aber sehr schnell. Hier oben befindet sich auch eine kleine Kirche am Fuße der Statue, bei der die Türen immer weit geöffnet sind, in der auch praktisch den ganzen Tag Gläubige zu Gott beten. Chile ist ein ziemlich katholisches Land, wobei die Gläubigkeit gerade der Jungen in den letzten Jahren aber deutlich nachgelassen hat. Aber auch das kennt man ja auch aus dem alten Europa. Direkt neben der Kirche gibt es zahlreiche Opferkerzen und Fotos mit Fürbitten und Danksagungen für die Hilfe Gottes. Dort werden offensichtlich ziemlich viele Kerzen entzündet, denn der ganze Boden ist praktisch vom abgetropften Wachs bedeckt. Bevor wir zurück zum Hotel fahren, geht es noch auf einen Sprung bei dem Haus von Pablo Neruda hier in Santiago vorbei. Pablo Neruda war Literatur-Nobelpreisträger und ein Mann mit zahlreichen Gegensätzen, mehr dazu später noch mal, wenn wir zu seinem Haus an der Küste kommen. Dies hier war lange das geheime Liebesnest mit seiner späteren dritten Frau Mathilda.

Am heutigen Abend folgt noch ein gemeinsames Abendessen, so langsam nimmt der Tag eine Art von Mästung an. Aber morgen heißt es ja auch wieder sehr früh aufstehen. Noch ein paar Worte zu zwei Getränken, die wir heute kennengelernt haben. Das erste ist „mote con huesillo“. Hier bekommt man einen getrockneten Pfirsich mit Weizenkernen in Pfirsichsaft. Es schmeckt sehr erfrischend und sättigt wegen der Weizenkerne auch ziemlich. Es ist ein typisches Getränk der Chilenen im Sommer, und den haben wir hier ja jetzt. Das andere Getränk ist Pisco Sour, den trinkt man hier das ganze Jahr. Pisco ist ein „Traubensaft“, der dann meist mit Limettensaft, es gibt aber auch andere Geschmacksrichtungen wie etwa Mango, aufgefüllt wird. Für den übermäßigen Genuss insbesondere in der Sonne eignet sich Pisco Sour nur ziemlich eingeschränkt, da der enthaltene Pisco etwa 40% Alkohol enthält.