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3. Reisetag     09.02.2011 – San Pedro

Nach dem wir gestern erst gegen 23 Uhr zurück im Hotel waren, geht es heut wieder zeitig los, ich würde sogar sagen sehr zeitig. Wecken ist um 2.45 Uhr, Abfahrt um 3.30 Uhr. Es geht zum Flughafen, wo wir bereits um kurz nach fünf abheben. So sind wir aber auch schon kurz nach 7 Uhr in Calama.

Die Stadt, immerhin rund 3000m über dem Meeresspiegel mitten in der Atacama Wüste gelegen, lebt eigentlich nur von einer Einnahmequelle, die etwa 15km entfernte Chuquicamata, meist nur kurz als Chuqui bezeichnet, Kupfermiene. Sie ist die größte Kupfermine der Welt, hier werden etwa 5% der Weltproduktion gefördert. Noch wird die Miene im Tagebau betrieben, das bis heute entstandene Loch ist etwa 3x5km groß und inzwischen in Terrassen-Abstufungen etwa 1km tief. Jeden Tag werden etwa 600000t Gestein im Loch abgesprengt verladen und nach oben geschafft. Davon werden etwa zwei Drittel direkt zu den ebenso gigantischen Abraumhalden befördert. Das andere Drittel kann zur Kupfergewinnung genutzt werden. Der Kupfergehalt beträgt dabei etwa 1%. Um die Menge des unnütz nach oben geschafften Abraums zu reduzieren, wird man voraussichtlich 2014 auf die Erzförderung unter Tage umstellen. Man schätzt, dass die bekannten Kupfervorkommen in dieser Miene noch etwa zwei Jahrzehnte vorhalten werden, immerhin bei einer Jahresproduktion vom 500000t reinem Kupfer. Aber in der Umgebung wurden bereits weitere Mienen eröffnet.  Überhaupt stehen Rohstoffe und hier vor allem Kupfer für etwa 50% der Ausfuhren Chiles. Noch ein paar Zahlen zu Chuquicamata, das Gestein wird auf riesigen Muldenkippern nach oben gefahren. Die beiden Liebherr Modelle fassen 360 bzw. 400t pro Fuhre, die „kleinen“ Komatsu nur 330t. Die Fahrzeuge werden mit zwei bis drei Schaufeln, der nicht minder gigantisch anmutenden Bagger beladen. Eine Tour dauert etwa 1 Stunde, davon 15 Minuten um nach unten zu fahren und 45 Minuten um langsam wieder an die Erdoberfläche zu schnaufen. Und das 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr. Unterbrochen wird die Arbeit nur bei Erdbeben oder bei Regen, dann wären die staubigen Pisten schlicht zu rutschig und die Fahrt viel zu gefährlich. Aber statistisch fällt hier auch nur alle 10 Jahre Regen. Wenn man die Muldenkipper so sieht, dann versteht man auch, warum die Jeeps alle mit 4m hohen roten Fähnchen umher fahren, sonst hätten die Fahrer dieser gigantischen Brummis schlicht keine Chance sie überhaupt zu sehen. Sie würden es wahrscheinlich nicht mal wirklich merken, wenn sie eine Pickup überrollen würden. Allein ihre Räder haben eine Achsenhöhe von geschätzt 1,80m. So ein Reifen hat dann einen Stückpreis von rund 30000$, die Laufzeit wird mit etwa 9 Monaten angegeben, und jedes Fahrzeug hat sechs davon. Da ist der Neupreis von etwa 4 Millionen $ pro Fahrzeug fast schon ein Schnäppchen. Der Verbrauch der Muldenkipper liegt übrigens bei etwa 3 Litern Diesel – pro Minute.

Direkt an der Miene liegt die verlassene Ortschaft Chuquicamata. Sie wurde 2003 zwangsgeräumt, die Umweltbelastung war schlicht zu hoch. Heute ist sie ein Freilichtmuseum, jedenfalls das was noch nicht wieder von den angrenzenden Abraumhalden verschüttet worden ist. Auf dem großen angrenzenden Friedhof, sieht man auch das Ergebnis der Belastung, viele wurden nicht mal 40 Jahre. Über dem Ganzen liegt ständig eine Staubwolke und ein etwas unangenehmer Geruch nach Ammoniak. Bei der Kupfergewinnung wird hier intensiv von Arsen und anderen nicht mindergiftigen Chemikalien Gebrauch gemacht.  Häufige Todesursachen sind hier Staublungen und Krebs. Die Menschen wurden von hier in das nahegelegene Calama umgesiedelt, wo man extra einen eigenen Stadtteil für sie aus dem Boden stampfte. Die Stadt wird mit der Miene auch durch eine vierspurige Schnellstraße verbunden, auf der die Arbeiter kostenlos mit Bussen zur Miene gebracht werden. Ein normaler Arbeiter verdient hier etwa 1800$ im Monat, was etwa das 4fache des Landesdurchschnitts ist. Dazu wohnt er umsonst in den mieneneigenen Wohnungen und kann auf ein sehr modernes Krankenhaus vertrauen, auch das für die Mienenarbeiter natürlich kostenlos. Bei Führungskräften werden auch die Schulgebühren der Kinder auf den besseren Privatschulen des Landes bezahlt. Oder auch eine gewisse Anzahl von Flügen in den Süden Chiles um Urlaub zu machen. Und doch leben die meisten hier nur relativ kurze Zeit, die trostlose Gegend, das hohe Gesundheitsrisiko und die fehlende Abwechslung wiegen die Vorteile nicht dauerhaft auf. Zumal auch das Grundwasser hier wahrscheinlich nicht unbedingt als Tafelwasser durchgehen dürfte. Bis vor einigen Jahren wurden die großen Mengen Wasser für die Gewinnung des Kupfers in der Miene zum Teil weit hergeschafft, und nachdem sie mit den Chemikalien versetzt waren, irgendwo in die Wüste geleitet. Heute werden sie zumindest zum Teil gereinigt und in der Miene wiederverwendet.

Bereits die hier lebenden Indios haben hier schon vor über 1000 Jahren Kupfer abgebaut und verarbeitet, die heutige Miene geht auf das Jahr 1915 zurück und wurde von Amerikanern gegründet, dann aber „kaufte“ Chile mehr und mehr Anteile und Präsident Allende verstaatlichte nach anderen Mienen dann auch Chuquicamata vollständig. Was auch General Pinochet nach seinem Putsch nicht rückgängig machte. Er schuf lediglich eine Verordnung die 10% der Einnahmen – nicht des Gewinns – dem Militär zusprach. Diese Verordnung gilt übrigens noch heute, und hat auch dafür gesorgt, das das chilenische Militär als recht gut ausgerüstet gilt. Die besagte Verordnung wird immer mal wieder kritisch in der Bevölkerung und den Medien des Landes hinterfragt, hat sich aber aus einem dunklen Kapitel des Landes bis heute hinüber gerettet.

Wir müssen weiter, schließlich wollen wir noch nach San Pedro. Immerhin eine Strecke von rund 100km über eine fast schnurgerade Straße durch die Atacama Wüste. Der Boden der Atacama ist von mehr oder weniger kleinen Steinchen bedeckt. Es dominieren die graue Farbtöne und hier ein da ein paar bräunliche Flecken. Aber das eigentliche Highlight heute sind die Wolken. Durch sie gibt es ein sehr schönes Spiel aus Licht und Schatten, welches mir leider nicht ansatzweise gelungen ist auf meinen Fotos festzuhalten. In dieser Umgebung ein extrem seltenes Phänomen, was sicherlich auch zu der besonderen Stimmung beigetragen hat. Eigentlich ist die Küste gar nicht wirklich weit entfernt, die dortige Humbold-Strömung ist zwar reich an Nährstoffen aber auch recht kalt. Das bisschen Regen das entsteht, geht meist als Küstennebel oder auch als Regen schon am Küstengebirge nieder. So kommt wenn überhaupt Regen eher vom Atlantik aus östlicher Richtung, also quer über den Kontinent und bleibt dann meist an den hohen Gipfeln der Anden hängen, um dort abzuregnen. So gilt die Atacama Wüste als trockenste Wüste der Erde. Auch dazu ein Vergleich, im Death Valley in den USA oder in der Sahara fallen etwa 20-25mm Regen im Jahr, in weiten Teilen der Atacama weniger als 1mm. Viele Wetterstationen haben hier überhaupt noch nie Niederschlag gemessen. Die Wüste hat eine Fläche von etwa 105000qkm, was etwa ein Zehntel der Fläche der Sahara ausmacht, oder ein knappes Drittel von Deutschland.

Kurz vor San Pedro de Atacama, wie es mit vollem Namen heißt, kommen wir durch eine ziemlich unwirklich erscheinende Mondlandschaft. Hier her kehren wir am späteren Nachmittag auch zurück, um hier eine kleine Wanderung zu machen. Im Valle de la Luna, dem Tal des Mondes, kann man in ruhigen Momenten das Knacken der Steine hören. Diese Landschaft war vor Urzeiten ein See, der durch seismische Erschütterungen nach oben gedrückt worden ist. Seit dem formen Wasser und vor allem der Wind diese Landschaft. Im Gestein sind noch heute größere Mengen Salz gebunden, die auch offen an die Oberfläche treten, dazu quarzartig aussehendes etwas härteres Gestein, das aus dem roten Sandstein ausgewaschen worden ist.

Viele Besucher von San Pedro verbringen in dieser Landschaft ein atemberaubendes Farbspiel im Sonnenuntergang, was dann aber leider auch dazu führt, das es an den wirklichen schönen Stellen eher ein Menschenauflauf wird. So wechseln wir noch mal unseren Standort an einen etwa höher gelegenen Ort, an dem wir auch ein nettes „Outdoor-Abendbrot“ machen. Kurz bevor die Sonne die Horizontlinie erreicht, schieben sich dann ein paar Wolken vor die Sonne. Aber die gleichen Wolken haben nicht nur ein paar argentinischen Andengipfeln eine kleine weiße Haube beschert und heute Nachmittag die ganz besondere Atmosphäre auf der Fahrt hier her erzeugt, sondern schaffen auch unglaubliche Farben über dem Valle de la Luna. Dazu hatten wir heute noch einen Regenbogen in der Wüste, da verzichtet man nur zu gern auf einen perfekten Sonnenuntergang.